Trump erlässt Dekret: Steuerfreier Diesel gegen hohe Kraftstoffpreise
US-Präsident Trump setzt die föderale Verbrauchssteuer für roten Diesel im Straßenverkehr aus, um explodierende Kraftstoffpreise zu dämpfen.

US-Präsident Donald Trump hat per Executive Order den allgemeinen Zugang zu steuerbefreitem, rot gefärbtem Dieselkraftstoff freigegeben. Die Maßnahme soll den massiven Preisanstieg bei Diesel abfedern, der die US-Wirtschaft belastet und die Lebenshaltungskosten der Bürger in die Höhe treibt. Konkret sieht das Dekret vor, die Zahlung der föderalen Verbrauchssteuer für die Nutzung dieses Kraftstoffs im Straßenverkehr für den Rest des Jahres auszusetzen – dies ohne Zinsen oder Strafgebühren. Zudem soll geprüft werden, ob die Steuerschuld dauerhaft erlassen werden kann.
Bislang war „roter Diesel", der chemisch nahezu identisch mit herkömmlichem Diesel ist, ausschließlich für die Landwirtschaft und bestimmte Geländefahrzeuge reserviert. Die rote Färbung dient als steuerliches Erkennungsmerkmal, um den illegalen Einsatz auf öffentlichen Straßen zu verhindern. Mit der Aufhebung dieser Off-Road-Beschränkung greift der Präsident tief in ein jahrzehntelang etabliertes Steuerkontrollsystem ein. Trump betonte bei einer Wahlkampfveranstaltung in Nebraska, dass er die Beschränkung aufheben wolle, um Fahrern und Spediteuren Entlastung zu verschaffen; er hoffe jedoch, dass diese Maßnahme nicht lange benötigt werde.
Dieselpreise steigen um über 30 Prozent
Die Hintergründe der Entscheidung sind komplex. Laut Bloomberg und NBC News steht die Regierung unter erheblichem Druck, da die Dieselpreise in den letzten Monaten um über 30 % gestiegen sind und im September ein Rekordhoch von etwa 6,53 US-Dollar pro Gallone erreichten. Reuters berichtet, dass die hohen Energiekosten ein erhebliches politisches Risiko für Trump vor den anstehenden Zwischenwahlen darstellen, bei denen die Kontrolle über den Kongress auf dem Spiel steht. Die Preissteigerungen werden primär auf die Auswirkungen des US-israelischen Konflikts mit dem Iran sowie auf den Ukraine-Krieg zurückgeführt, der durch Drohnenangriffe auf russische Raffinerien zu globalen Lieferengpässen geführt hat.
Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Entwicklung insofern relevant, als sie die enge Verzahnung von geopolitischen Konflikten, Energiepreisen und politischer Stabilität in der größten Volkswirtschaft der Welt verdeutlicht. Steigende Kraftstoffkosten wirken in den USA ähnlich wie in Europa als Inflationsfaktor und belasten insbesondere den Transportsektor, die Landwirtschaft und einkommensschwache Haushalte. Der Dieselpreis gilt dabei als besonders sensibler Indikator, da er stark von Raffineriekapazitäten und globalen Lieferketten abhängt.
Koordinierte Umsetzung über mehrere Ministerien
Die Umsetzung des Dekrets umfasst eine koordinierte Anstrengung verschiedener Ministerien. Das Verkehrsministerium soll sich mit Bundesstaaten und der Industrie abstimmen, während das Landwirtschaftsministerium die Versorgung der Farmer sicherstellen soll. Das Finanzministerium und das Pentagon wurden angewiesen, die steuerliche Aussetzung umzusetzen. Ergänzend dazu hatte Verkehrsminister Sean Duffy bereits im Vormonat die Lenk- und Ruhezeiten für Tankwagenfahrer für 90 Tage gelockert, um die Versorgungskette zu entlasten.
Während die Regierung auf diese kurzfristigen Entlastungen setzt, bleibt die politische Stimmung angespannt. Laut einer Reuters/Ipsos-Umfrage liegt Trumps Zustimmungsrate bei einem Rekordtief von 32 %, wobei die Wähler die hohen Lebenshaltungskosten als ihr Hauptanliegen nennen. Kritiker und Marktbeobachter weisen darauf hin, dass die Wirksamkeit der Maßnahme von der tatsächlichen Verfügbarkeit der Kraftstoffmengen abhängt. Zwar haben die G7-Staaten die Freigabe von 100 Millionen Barrel Diesel angekündigt, doch bleibt unklar, inwieweit es sich dabei um zusätzliche Kapazitäten handelt.
Die Maßnahme reiht sich damit in eine Serie von Notfallschritten ein, mit denen Washington versucht, den Druck an den Zapfsäulen zu mildern. Ob die Steuerbefreiung tatsächlich spürbare Entlastung bringt, hängt letztlich davon ab, ob zusätzliche Dieselvolumina auf den Markt gelangen oder lediglich bestehende Mengen umverteilt werden. Für die Finanzmärkte bleibt die Entwicklung ein wichtiger Faktor, da sie sowohl die Inflationserwartungen als auch die politische Risikoeinschätzung vor den Zwischenwahlen beeinflusst.
