Japans Wirtschaft enttäuscht im vierten Quartal deutlich
BIP-Wachstum verfehlt Prognosen um 1,4 Prozentpunkte – schwache Investitionen und Exportrückgang belasten

Japans Wirtschaft ist im vierten Quartal 2024 deutlich schwächer gewachsen als von Analysten erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt legte in den drei Monaten bis zum 31. Dezember lediglich um 0,2 Prozent im Jahresvergleich zu, wie die Regierung am Montag mitteilte. Ökonomen hatten mit einem Wachstum von 1,6 Prozent gerechnet.
Im Quartalsvergleich betrug das Plus nur 0,1 Prozent, während Volkswirte 0,4 Prozent prognostiziert hatten. Besonders enttäuschend entwickelten sich die Unternehmensinvestitionen, die mit einem Anstieg von nur 0,2 Prozent deutlich unter den Erwartungen von 0,8 Prozent blieben. Die Auslandsnachfrage stagnierte komplett, während der private Konsum um magere 0,1 Prozent zulegte.
Die schwachen Zahlen verdeutlichen den massiven Gegenwind, dem sich Japans Exportwirtschaft gegenübersieht. US-Handelszölle belasten die wichtige Ausfuhrindustrie des Landes erheblich. Gleichzeitig verschärft ein diplomatischer Konflikt mit China die Lage: Nach Äußerungen von Premierministerin Sanae Takaichi zu Taiwan boykottieren chinesische Verbraucher japanische Produkte und meiden Reisen nach Japan.
Nachtragshaushalt zeigt kaum Wirkung
Ein umfangreicher Nachtragshaushalt, der Ende 2024 verabschiedet wurde, hat der Wirtschaft bislang kaum Auftrieb gegeben. Der BIP-Deflator als Inflationsindikator stieg im Quartal um 3,4 Prozent und damit stärker als die erwarteten 3,2 Prozent. Das jährliche BIP-Wachstum ist auf nur noch 0,1 Prozent zurückgefallen.
Die enttäuschenden Daten dürften Premierministerin Takaichi in ihren Forderungen nach weiteren Konjunkturmaßnahmen bestärken. "Die Bemühungen von Premierministerin Takaichi, die Wirtschaft durch eine lockere Fiskalpolitik wieder anzukurbeln, erscheinen vorausschauend", kommentierten Analysten von Capital Economics. Die Wahrscheinlichkeit steige, dass Takaichi nicht nur die Aussetzung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel vorantreibe, sondern bereits in der ersten Jahreshälfte einen neuen Nachtragshaushalt verabschiede.
Spielraum für Zinserhöhungen schrumpft
Nach dem klaren Wahlsieg ihrer Regierungskoalition in der vergangenen Woche verfügt Takaichi über eine Supermehrheit im Unterhaus und damit über einen freien legislativen Weg für weitere Stimuli. Zu den diskutierten Maßnahmen gehören Steuervergünstigungen und direkte staatliche Auszahlungen an die Bevölkerung.
Für die Bank of Japan wird die Lage komplizierter. Die Wirtschaftsschwäche wirft Fragen auf, wie viel Spielraum die Notenbank für weitere Zinserhöhungen hat – trotz anhaltend hoher Inflation. Die Zentralbank hatte die Zinsen im Januar um 25 Basispunkte angehoben und weitere Schritte von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig gemacht. Die aktuellen Wachstumszahlen dürften die Notenbank zu Vorsicht mahnen.
