Japan prüft Verteidigungsausgaben von 3,5 Prozent des BIP
Tokio erwägt neues Ziel für Militärausgaben nach US-Druck – Märkte beobachten Entwicklung mit Sorge.

Japan erwägt ein neues mittelfristiges Ziel für die Verteidigungsausgaben in Höhe von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit würde sich das Land an den Standards der NATO und anderer US-Verbündeter orientieren. Wie mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten, haben japanische Verteidigungsbeamte in Gesprächen mit ihren US-Gegenpartnern bereits ihre Bereitschaft signalisiert, die Verteidigungsausgaben deutlich zu erhöhen.
Die Entwicklung könnte einen Schock durch die Finanzmärkte senden. Anleger sind angesichts der Ausgabenpläne von Premierministerin Sanae Takaichi besorgt. Eine drastische Aufstockung des Verteidigungsetats würde erhebliche zusätzliche Staatsausgaben bedeuten, die entweder durch höhere Steuern oder neue Schulden finanziert werden müssten.
Hintergrund der Debatte
Japan gibt traditionell weniger als ein Prozent seines BIP für Verteidigung aus – weit weniger als die NATO-Staaten, die seit Jahren ein Ziel von zwei Prozent verfolgen. Der nun diskutierte Wert von 3,5 Prozent läge deutlich über dem NATO-Richtwert und würde Japan in die Nähe der weltweit höchsten Verteidigungsausgaben rücken.
Der Druck aus Washington ist in den vergangenen Monaten stetig gestiegen. Die USA erwarten von ihrem wichtigsten asiatischen Verbündeten einen größeren Beitrag zur gemeinsamen Sicherheitsarchitektur – insbesondere angesichts der wachsenden militärischen Präsenz Chinas in der Region.
Finanzpolitische Sprengkraft
Für die japanische Finanzpolitik wäre ein solcher Schritt von enormer Tragweite. Das Land hat bereits eine der höchsten Staatsverschuldungsquoten der Welt. Eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf 3,5 Prozent des BIP würde zusätzliche Milliardenbeträge erfordern und könnte zu einer Neuausrichtung des gesamten Staatshaushalts führen.
Premierministerin Takaichi steht vor der Herausforderung, die Sicherheitsinteressen des Landes mit den finanzpolitischen Realitäten in Einklang zu bringen. Die Diskussionen zwischen japanischen und US-amerikanischen Verteidigungsbeamten laufen nach Informationen der mit der Angelegenheit vertrauten Personen bereits auf Hochtouren.
Ausblick
Ob und wann das neue Ziel offiziell beschlossen wird, ist noch offen. Klar ist jedoch, dass Japan unter dem neuen Premier einen grundlegenden Kurswechsel in der Verteidigungspolitik vollziehen könnte. Die Finanzmärkte werden die weiteren Entwicklungen genau verfolgen – denn die Auswirkungen auf die japanische Staatsverschuldung und die Finanzierungskosten wären erheblich.
