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IWF empfiehlt EZB zwei Zinserhöhungen um 50 Basispunkte 2026

Der IWF erwartet zwei EZB-Zinsschritte 2026 zur Bekämpfung eines energiegetriebenen Inflationsschubs – mit anschließender Lockerung 2027.

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IWF empfiehlt EZB zwei Zinserhöhungen um 50 Basispunkte 2026

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet von der Europäischen Zentralbank (EZB) im Jahr 2026 zwei Zinserhöhungen im Gesamtumfang von 50 Basispunkten. Alfred Kammer, Leiter der Europa-Abteilung des IWF, machte diese Einschätzung am Rande der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank in Washington gegenüber Reuters deutlich. Ziel sei es, eine neutrale geldpolitische Ausrichtung beizubehalten und einem energiegetriebenen Inflationsschub entgegenzuwirken.

„In unserem Referenzszenario würden wir erwarten, dass die EZB die Zinsen im Jahr 2026 um etwa 50 Basispunkte anhebt, um eine neutrale geldpolitische Ausrichtung beizubehalten", sagte Kammer. Der Hauptleitzins der EZB liegt derzeit bei 2,0 Prozent. Eine Anhebung um 50 Basispunkte würde ihn auf 2,5 Prozent heben.

Für das Jahr 2027 rechnet der IWF-Experte jedoch bereits wieder mit einer Kehrtwende: Die Zinsen könnten dann erneut sinken. Kammer begründete dies damit, dass bei konstant gehaltenen realen Leitzinsen der nominale Leitzins zunächst angehoben werden müsse – ein klassisches geldpolitisches Kalibrierungsprinzip.

Energiepreisschock als treibende Kraft

Auslöser des Inflationsdrucks ist laut Kammer ein massiver Angebotsschock auf den Energiemärkten. Die Schließung der Straße von Hormus infolge des Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran hat das weltweite Öl- und Gasangebot um ein Fünftel reduziert. Dies ließ die Energiepreise weltweit stark ansteigen und führte sowohl zu niedrigeren Wachstumsprognosen als auch zu höheren Inflationserwartungen.

Kammer betonte, dass ein angebotsgetriebener Preisschock für Zentralbanken deutlich schwieriger zu handhaben sei als ein nachfragegetriebener. „Der Preisschock wird die Nachfrage dämpfen, und man könnte sich in einem Szenario wiederfinden, in dem der Preisschock die Nachfrage so stark bremst, dass ein Eingreifen der Zentralbank eigentlich nicht erforderlich ist", erklärte er.

EZB in vergleichsweise guter Ausgangslage

Trotz der Herausforderungen sieht der IWF die EZB im internationalen Vergleich gut aufgestellt. „Die EZB ist in einer viel besseren Position als einige andere Zentralbanken, weil die Inflationserwartungen verankert sind", sagte Kammer. Zwar seien die kurzfristigen Inflationserwartungen auf Sicht von einem Jahr leicht gestiegen, die mittelfristigen Erwartungen auf Fünfjahressicht jedoch nicht – ein wichtiges Stabilitätssignal.

Genau diesen kurzfristigen Anstieg der Inflationserwartungen gelte es nun mit der nominalen Geldpolitik zu kompensieren. Kammer mahnte jedoch zur Wachsamkeit: „Man muss wachsam sein, da man Zweitrundeneffekte vermeiden will." Zweitrundeneffekte entstehen, wenn steigende Preise zu höheren Lohnforderungen führen, was die Inflation weiter anheizt.

Modellbasierte Empfehlung ohne Garantie

Kammer relativierte die IWF-Empfehlung ausdrücklich. „Das ist nicht in Stein gemeißelt. Es handelt sich lediglich um eine modellbasierte Empfehlung auf der Grundlage des heutigen Standes", sagte er. Die Unsicherheit sei derzeit so groß, dass er die Zinserhöhung nicht als feste Vorgabe für die EZB verstanden wissen wolle.

Für deutsche Anleger und Sparer ist die Einschätzung des IWF dennoch relevant: Steigende EZB-Zinsen beeinflussen Hypothekenzinsen, Anleiherenditen und die Attraktivität von Spareinlagen. Sollte die EZB dem IWF-Szenario folgen, könnten sich die Finanzierungskosten in der Eurozone 2026 spürbar erhöhen – bevor 2027 wieder eine Lockerung einsetzen würde.

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