Italien hebt Wachstumsprognose für 2026 auf 0,7 Prozent an
Budgetwächter UPB korrigiert BIP-Schätzung nach oben, senkt jedoch Ausblick für 2027 auf 0,7 Prozent.

Italiens unabhängiger Haushaltswächter UPB hat seine Wachstumsprognose für 2026 von zuvor 0,4 auf 0,7 Prozent angehoben. Gleichzeitig wurde die Schätzung für 2027 von 0,8 auf 0,7 Prozent nach unten korrigiert. Die Prognose für 2025 bleibt unverändert bei 0,5 Prozent BIP-Wachstum.
Die revidierten Zahlen liegen weitgehend im Einklang mit den Regierungszielen, die im vergangenen September festgelegt wurden. Ministerpräsidentin Giorgia Melonis Kabinett hatte ein Wachstum von 0,7 Prozent für 2026 und 0,8 Prozent für 2027 angestrebt. Das nationale Statistikamt ISTAT wird die endgültigen Daten für 2025 am 2. März veröffentlichen.
Als Haupttreiber des Wirtschaftswachstums identifiziert die UPB die Binnennachfrage sowie den Zufluss von EU-Mitteln aus dem Corona-Wiederaufbaufonds. Von den insgesamt 194 Milliarden Euro, die Italien bis 2026 zustehen, wurden nach jüngsten Regierungsangaben bereits rund 110 Milliarden Euro ausgezahlt. Ökonomen gehen davon aus, dass diese Gelder das Land vor einer Rezession bewahrt haben.
EU-Gelder verhindern Rezession
Allerdings zeigt sich die strukturelle Schwäche der italienischen Wirtschaft in den Produktivitätszahlen. Die Gesamtfaktorproduktivität, ein wichtiger Gradmesser für wirtschaftliche Effizienz, sank laut ISTAT im Jahr 2024 um 1,2 Prozent. Im Vorjahr hatte der Rückgang sogar 1,6 Prozent betragen. Die EU-Mittel haben zwar konjunkturell gestützt, aber wenig zur grundlegenden Modernisierung der Wirtschaft beigetragen.
Besonders problematisch entwickeln sich die Reallöhne italienischer Arbeitnehmer. "Das Lohnwachstum bleibt moderat, was bedeutet, dass die negative Differenz bei den Reallöhnen im Vergleich zum Pandemiezeitraum weiterhin groß ist", warnt die UPB. Die Kaufkraft der Beschäftigten liegt damit deutlich unter dem Niveau von 2020.
Hohe Risiken belasten Ausblick
Die Haushaltswächter sehen erhebliche Abwärtsrisiken für die Konjunktur. "Die Anfälligkeit für Abwärtsrisiken bleibt hoch, was hauptsächlich auf das globale Umfeld sowie die Stimmung an den Finanzmärkten und den Klimawandel zurückzuführen ist", heißt es im Bericht. Besonders extreme Wetterereignisse wie der massive Erdrutsch in der sizilianischen Stadt Niscemi könnten erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen.
Ein weiterer kritischer Faktor ist Italiens massive Staatsverschuldung. Mit 136,2 Prozent des BIP im Jahr 2025 weist das Land nach Griechenland die zweithöchste Schuldenquote in der Eurozone auf. Das Finanzministerium prognostiziert einen weiteren Anstieg auf 137,4 Prozent im Jahr 2026. Plötzliche Stimmungswechsel an den Finanzmärkten könnten die Refinanzierungskosten in die Höhe treiben und die Haushaltsspielräume weiter einengen.
Die UPB betont, dass ihr aktueller Wirtschaftsrahmen nun "weniger belastende Annahmen" für Exporte und die Entwicklung der Verbraucherpreise berücksichtigt. Dies hat zur Aufwärtskorrektur für 2026 beigetragen. Dennoch bleibt die italienische Wirtschaft anfällig für externe Schocks und strukturelle Herausforderungen.
