EZB-Zinsentscheidung: Deutsche Bank nennt drei Szenarien für weitere Senkungen
Trotz erwarteter Zinspause bleiben Risiken für weitere Lockerungen bestehen, warnen Analysten vor der Sitzung.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird am Donnerstag voraussichtlich ihren Leitzins bei 2,0 Prozent belassen. Ökonomen der Deutschen Bank sehen jedoch drei konkrete Szenarien, die die Notenbank zu weiteren Zinssenkungen im Jahresverlauf bewegen könnten.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte Ende 2024 die Wachstusprognosen angehoben und die Geldpolitik als "gut positioniert" bezeichnet. Die Inflation im Euroraum liegt aktuell nahe dem Zielwert von 2,0 Prozent. Nach sechs Zinssenkungen im Jahr 2025, die den Leitzins von 3,0 auf 2,0 Prozent reduzierten, signalisiert die Notenbank derzeit keine Eile für weitere Anpassungen.
Die Deutsche-Bank-Ökonomen Mark Wall und Peter Sidorov warnen jedoch in einer aktuellen Kundenmitteilung: Die Risiken tendieren weiterhin zu einer "weiteren Lockerung", da die Inflation voraussichtlich unter das Zielniveau fallen werde. Die jüngste Aufwertung des Euro gegenüber dem schwächelnden US-Dollar verstärke diese Tendenz.
Drei Auslöser für neue Zinssenkungen
Die Analysten identifizieren drei Faktoren, die eine Wiederaufnahme der Zinssenkungen rechtfertigen könnten: Eine anhaltende Stärkung des Euro würde Importe verbilligen und deflationären Druck erzeugen. Ein schwächeres Wirtschaftswachstum in der Eurozone könnte geldpolitische Unterstützung erforderlich machen. Zudem würde eine sich deutlich verlangsamende Inflation Spielraum für niedrigere Zinsen schaffen.
Die Hürde für eine geldpolitische Reaktion sei durch jüngste Ereignisse gesunken, betonen die Experten. Dazu zählen geopolitische Spannungen rund um Grönland sowie die Sorge vor importierter Disinflation aus China, wo Überkapazitäten zu sinkenden Exportpreisen führen.
Unsicherheit durch US-Zollpolitik
Eine zentrale Unsicherheit bleibt die angekündigte US-Zollpolitik, die den globalen Handel erheblich beeinträchtigen könnte. Die EZB beobachtet diese Entwicklung aufmerksam, da umfassende Zölle sowohl inflationäre als auch deflationäre Effekte haben könnten.
"Was als Nächstes geschieht, hängt vom Wettstreit zwischen externen Anfälligkeiten und inländischer Widerstandsfähigkeit ab", so die Deutsche-Bank-Analysten. Ihr Basisszenario geht davon aus, dass die heimische Wirtschaftsstärke dominiert und die EZB die Zinsen stabil hält. Allerdings räumen sie ein: "Die Unsicherheit über den Pfad der Geldpolitik hat zugenommen."
Investoren erwarten für die Sitzung am Donnerstag keine Überraschungen. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die begleitenden Statements von Christine Lagarde, die Hinweise auf die künftige Ausrichtung der Geldpolitik geben könnten.
