Eurozone: Inflation fällt auf 1,7 Prozent – Niedrigster Stand seit 2021
Sinkende Energiepreise drücken die Teuerungsrate deutlich unter das EZB-Ziel von zwei Prozent.

Die Teuerung in der Eurozone hat zu Jahresbeginn deutlich an Tempo verloren. Im Januar kletterten die Verbraucherpreise nur noch um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, wie Eurostat in einer ersten Schätzung bekanntgab. Damit erreicht die Inflationsrate den niedrigsten Wert seit April 2021 und liegt erstmals seit langem spürbar unter der Zwei-Prozent-Marke der Europäischen Zentralbank.
Besonders stark fiel der Preisrückgang in den großen Volkswirtschaften aus. Frankreich verzeichnete mit nur 0,4 Prozent eine nahezu stagnierende Teuerung, Italien kam auf moderate 1,0 Prozent. Deutschland bildet mit 2,1 Prozent Inflation eine Ausnahme und liegt weiterhin über dem Durchschnitt der Währungsunion.
Energiepreise als Haupttreiber der Entspannung
Der Rückgang der Inflation ist maßgeblich auf gesunkene Energiekosten zurückzuführen. Die Preise für Energie fielen im Jahresvergleich um 4,1 Prozent. Lebensmittel und Genussmittel verteuerten sich hingegen weiterhin um 2,7 Prozent. Auch die Kerninflation, die volatile Komponenten wie Energie und Nahrungsmittel ausklammert, sank von 2,3 auf 2,2 Prozent.
Spekulationen über weitere Zinssenkungen nehmen zu
Die schwache Preisentwicklung dürfte die EZB-Ratssitzung an diesem Donnerstag prägen. Zwar wird keine unmittelbare Zinsänderung erwartet, doch die Teuerungsrate liegt nun deutlich unter dem Zwei-Prozent-Ziel. "Setzt sich dieser Trend etwa wegen der Preissenkungen chinesischer Anbieter fort, dürften Spekulationen über eine weitere EZB-Zinssenkung aufkommen", erklärt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Eine Zinssenkung sei im Jahresverlauf wahrscheinlicher als eine Erhöhung.
Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, rechnet mit zunehmenden Forderungen nach lockererer Geldpolitik. "Zu vermuten ist, dass die Tür für eine Zinssenkung zumindest einen Spaltbreit geöffnet wird", so seine Einschätzung zur morgigen EZB-Pressekonferenz. Für Anleger könnte eine solche Entwicklung bedeuten, dass Anleiherenditen weiter unter Druck geraten, während Aktien von niedrigeren Finanzierungskosten profitieren könnten.
