Iran schlägt BRICS-Rückversicherer mit zehn Milliarden Dollar vor
Iran schlägt BRICS-Rückversicherer mit zehn Milliarden Dollar Startkapital vor

Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian hat einen weitreichenden Vorschlag auf den Tisch gelegt: Die BRICS-Staaten sollen ein gemeinsames Rückversicherungsunternehmen mit einem Startkapital von zehn Milliarden US-Dollar gründen. Ziel ist es, groß angelegte Infrastruktur- und Energieprojekte innerhalb der Staatengruppe abzusichern.
Pezeshkian präsentierte die Initiative am Freitag im Rahmen einer Rede. „Ein weiterer konkreter Vorschlag der Islamischen Republik Iran ist die Gründung eines gemeinsamen BRICS-Rückversicherers mit einem Anfangskapital von zehn Milliarden Dollar, um die Risiken großer Infrastruktur- und Energieprojekte abzudecken und das Vertrauen des Privatsektors zu stärken“, sagte der Präsident. Die iranische Botschaft in Neu-Delhi verbreitete die Aussagen über den Kurznachrichtendienst X.
Hintergrund: Krieg im Nahen Osten belastet Versicherungsmärkte
Der Vorstoß kommt vor dem Hintergrund massiver Zerstörungen an Energieinfrastrukturen im Nahen Osten. Die Beratungsagentur Rystad Energy schätzt die Schäden an energiebezogenen Anlagen infolge des Konflikts auf bis zu 58 Milliarden US-Dollar. Allein auf Öl- und Gasanlagen entfallen demnach bis zu 50 Milliarden Dollar.
Der Krieg, an dem Iran, die USA und Israel beteiligt sind, hat die Versicherungskapazitäten für maritime, energiebezogene und politische Gewaltrisiken in der Region erheblich belastet. Marktteilnehmer beziffern die versicherten Verluste aus maritimen Kriegs- und Terrorismusrisiken bislang auf rund drei Milliarden Dollar. Das endgültige Gesamtvolumen bleibt jedoch ungewiss.
Internationale Reaktionen und bestehende Lösungen
Verschiedene Länder haben bereits Maßnahmen ergriffen, um die angespannte Lage auf den Versicherungsmärkten abzufedern. Die US-amerikanische International Development Finance Corporation (DFC) kündigte im März eine maritime Rückversicherungslösung an. Diese könnte Verluste in Höhe von bis zu etwa 20 Milliarden Dollar abdecken, zunächst konzentriert auf Risiken für Schiffsrümpfe, Maschinen und Fracht im Golfgebiet.
Auch Indien hat reagiert und den „Bharat Maritime Insurance Pool“ ins Leben gerufen. Dieser deckt Risiken für Rümpfe, Fracht, Schutz und Entschädigung sowie Kriegsrisiken für indisch kontrollierte oder unter indischer Flagge fahrende Schiffe ab. Der Pool kann Schadensfälle bis zu einem Umfang von 100 Millionen Dollar aus eigener Kapazität begleichen. Erst danach wird ein staatlicher Rückgriffmechanismus aktiviert.
BRICS als wachsender Wirtschaftsblock
Die BRICS-Staatengruppe umfasst mittlerweile elf Länder. Neben den Gründungsmitgliedern Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika gehören auch Iran sowie mehrere Staaten des Nahen Ostens und Afrikas dazu. Der Vorschlag für einen gemeinsamen Rückversicherer wäre ein weiterer Schritt zur wirtschaftlichen Vertiefung des Bündnisses.
Sollte die Initiative umgesetzt werden, könnte sie die Abhängigkeit der BRICS-Staaten von westlichen Rückversicherungsmärkten verringern. Angesichts der geopolitischen Spannungen und der massiven Schäden an kritischer Infrastruktur gewinnt das Thema Versicherungssouveränität für die Mitgliedsländer zunehmend an Bedeutung. Ob und wann die übrigen BRICS-Staaten dem Vorschlag zustimmen, bleibt abzuwarten.
