Inflation treibt Preise in Großbritannien nach oben
Notenbank zögert bei Zinssenkungen wegen Löhnen und steigenden Dienstleistungskosten

Die Inflation in Großbritannien hat im Januar 2025 deutlich angezogen und stellt die Bank of England vor neue Herausforderungen. Nach Angaben des nationalen Statistikamts ONS stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,0 Prozent. Im Dezember hatte die Teuerungsrate noch bei 2,5 Prozent gelegen. Dies ist der höchste Anstieg innerhalb der vergangenen zehn Monate. Volkswirte, die von Reuters befragt wurden, hatten im Vorfeld lediglich mit einem Anstieg auf 2,8 Prozent gerechnet. Das Inflationsziel der Bank of England liegt unverändert bei zwei Prozent.
Die Zentralbank hatte den Leitzins im Sommer 2024 erstmals gesenkt und seitdem insgesamt drei Zinsschritte nach unten vorgenommen. Der aktuelle Leitzins liegt bei 4,50 Prozent. Andrew Bailey, der Chef der Bank of England, kündigte an, dass die Währungshüter bei weiteren Zinssenkungen behutsam vorgehen werden. Besonders das kräftige Lohnwachstum bereitet der Notenbank Sorgen. Die Löhne in der Privatwirtschaft stiegen von Oktober bis Dezember um 6,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dies ist der stärkste Zuwachs seit einem Jahr. Die Entwicklung der Löhne gilt als wichtiger Indikator für den binnenländischen Inflationsdruck und wird in die Zinsentscheidung der Notenbank am 20. März einfließen.
Das britische Pfund reagierte auf die Inflationsdaten mit Kursgewinnen. Marktbeobachter führen die Aufwertung darauf zurück, dass die hohen Verbraucherpreise den Spielraum der Bank of England für weitere Zinssenkungen in diesem Jahr einschränken könnten. Die Teuerung im Januar wurde laut ONS vor allem durch einen geringeren Rückgang der Flugpreise verursacht, der in der Vergangenheit zu Jahresbeginn üblich war. Flugtickets gelten als besonders volatil und hatten die Inflation im Dezember noch gedämpft. Zusätzlich verteuerten sich Kraftstoffe und Lebensmittel. Eine weitere Belastung für Verbraucher resultierte aus der Erhöhung der Gebühren für Privatschulen. Die Regierung unter Premierminister Keir Starmer hatte diese Bildungseinrichtungen mit einer Mehrwertsteuer belegt.
Auch die Dienstleistungspreise erhöhten sich spürbar. Sie stiegen von 4,4 auf 5,0 Prozent. Experten hatten in diesem Bereich jedoch mit 5,2 Prozent gerechnet. Dienstleistungskosten gelten als besonders relevant für die Zinsüberlegungen der Bank of England, da sie die Teuerung im Inland langfristig beeinflussen. Die Notenbank rechnet damit, dass die Inflationsrate im dritten Quartal 2025 bei 3,7 Prozent ihren Höhepunkt erreichen könnte. Höhere Energiekosten und regulierte Tarife, wie beispielsweise für die Wasserversorgung, werden als Hauptgründe für diesen Anstieg genannt.
