Inflation stabilisiert sich um EZB-Zielmarke
Neue Prognosen sollen geldpolitischen Kurs präziser untermauern

Die Europäische Zentralbank stellt sich in den kommenden Monaten auf eine Inflationsentwicklung ein, die sich in der Nähe ihres Zielwerts von zwei Prozent bewegen dürfte. EZB-Präsidentin Christine Lagarde erläuterte im Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments, dass die Risiken für den weiteren Verlauf weiterhin in beide Richtungen wiesen und die Unsicherheit aufgrund der globalen Handelspolitik höher sei als üblich. Die EZB sieht sich deshalb in der Pflicht, die geldpolitischen Entscheidungen fortlaufend auf Basis aktueller Daten zu treffen.
Lagarde erklärte, dass die Indikatoren für die zugrunde liegende Inflation weiterhin dem mittelfristigen Ziel entsprächen. Aus Sicht der Notenbank wird das Wirtschaftswachstum in den kommenden Monaten durch steigende Konsumausgaben der privaten Haushalte unterstützt. Diese Erwartung fußt auf aktuellen Entwicklungen im Euroraum, der im November eine Teuerungsrate von durchschnittlich 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnete, nachdem die Rate im Oktober noch bei 2,1 Prozent gelegen hatte. Die EZB bewertet ein Inflationsniveau von rund zwei Prozent als angemessen für die wirtschaftliche Stabilität der Gemeinschaft.
Besondere Aufmerksamkeit richtet die Notenbank traditionell auf die Kerninflation. Diese lag im November bei 2,4 Prozent und damit unverändert gegenüber den beiden Vormonaten. Da die Kerninflation die besonders volatilen Preise für Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak ausklammert, wird sie als verlässlicher Indikator für grundlegende Preistrends genutzt. Die EZB betont regelmäßig, dass dieses Maß einen wesentlichen Einfluss auf die geldpolitische Ausrichtung hat.
Lagarde unterstrich erneut, dass die Notenbank weiterhin von Sitzung zu Sitzung entscheide und sich strikt an einem datengestützten Ansatz orientiere. An den Finanzmärkten gelten die Aussichten für eine Zinssenkung auf der kommenden Sitzung am 18. Dezember derzeit als äußerst gering. Die Marktteilnehmer rechnen mit unveränderten Leitzinsen, da die jüngsten Daten keinen unmittelbaren Handlungsbedarf signalisiert haben.
Für das Treffen im Dezember erwartet die EZB neue Inflations- und Konjunkturprognosen ihrer Experten, die erstmals auch eine Schätzung für das Jahr 2028 enthalten werden. Diese Projektionen sollen eine wichtige Grundlage für die weitere geldpolitische Einschätzung bilden, da sie Rückschlüsse auf das längerfristige Preisumfeld zulassen und mögliche Anpassungen im geldpolitischen Kurs vorbereiten könnten.
