Indiens Goldnachfrage gedämpft: Käufer warten auf niedrigere Preise
Indiens Goldnachfrage bleibt gedämpft, während Chinas stabile Prämien auf eine robuste Investitionsnachfrage hindeuten.

Die Goldnachfrage in Indien bleibt angespannt: Käufer halten sich zurück und warten auf niedrigere Preise. In China hingegen zeigen sich die Aufschläge stabil, gestützt durch eine anhaltend robuste Investitionsnachfrage. Die unterschiedliche Entwicklung in den beiden größten Goldmärkten Asiens zeichnet ein differenziertes Bild der globalen Nachfragesituation.
Die inländischen Goldpreise in Indien notierten am Freitag bei rund 153.000 Rupien (1.597,74 US-Dollar) pro 10 Gramm. Zuvor waren sie zu Beginn der Woche auf 149.771 Rupien gefallen. Diese Preisschwankung reicht jedoch nicht aus, um die Kauflaune der indischen Verbraucher zu beleben.
„Die Schmucknachfrage ist sehr schwach. Einzelhändler sind nicht bereit, zu den aktuellen Preisniveaus zu kaufen, und warten auf eine Korrektur“, zitiert die Quelle einen Juwelier aus Hyderabad. Die Zurückhaltung zieht sich durch die gesamte Lieferkette.
Händler gewährten in dieser Woche einen Abschlag von bis zu 60 US-Dollar pro Unze gegenüber den offiziellen inländischen Preisen. Dieser Abschlag umfasst die 15-prozentige Einfuhrsteuer sowie die 3-prozentige Umsatzsteuer. In der Vorwoche hatte der Abschlag noch bei bis zu 75 US-Dollar gelegen – ein Zeichen dafür, dass sich die Lage leicht entspannt hat, aber weiterhin angespannt bleibt.
Schrottrecycling statt Neukäufe
Ein wesentlicher Faktor für die schwache Nachfrage nach neuem Gold ist das hohe Angebot an Altgold. „Juweliere kaufen kein neues Gold, da sie genug Schrott von Kunden erhalten, die alte Schmuckstücke gegen neue Stücke eintauschen“, erklärte Ashok Jain, Inhaber des in Mumbai ansässigen Großhändlers Chenaji Narsinghji.
Besonders bemerkenswert ist die Zurückhaltung mit Blick auf die bevorstehende Festivalsaison. In Indien stehen im Oktober Dussehra und Anfang November Diwali an – traditionell Zeiten, in denen der Kauf von Gold als glückverheißend gilt. Doch selbst diese kulturell bedeutsamen Anlässe locken die Käufer derzeit nicht aus der Reserve.
„Die Festivalsaison steht bevor, aber die Juweliergeschäfte lagern immer noch nicht viel ein, da die Nachfrage schwach bleibt“, sagte Jain. Die übliche Bevorratung für die Festtage bleibt damit weitgehend aus.
China: Starke Investitionsnachfrage, schwaches Schmuckgeschäft
Ganz anders stellt sich die Lage in China dar. Dort notierte Barrengold mit einem Aufschlag von 5 US-Dollar pro Unze gegenüber dem globalen Benchmark-Preis. In der Vorwoche hatte der Aufschlag noch bei 8 US-Dollar gelegen. Der Rückgang ist jedoch nicht als Schwächezeichen zu werten.
Der unabhängige Analyst Ross Norman liefert eine differenzierte Einordnung: „Gold in China handelt weiterhin knapp über dem internationalen Preis, was jedoch nicht auf eine schleppende Nachfrage hindeutet. Was dies andeutet, sind zwei starke, gegenteilige Kräfte: eine starke Investitionsnachfrage, aber eine sehr schwache Nachfrage im Schmuckbereich.“
Ein wichtiger Treiber der Investitionsnachfrage ist die chinesische Zentralbank. Sie hat ihre Goldkäufe im August zum sechsten Monat in Folge ausgeweitet und fügte die meisten Barren seit Oktober 2023 ihren Reserven hinzu. Damit verlängerte sie ihre Kaufserie auf 22 aufeinanderfolgende Monate, wie offizielle Daten vom Montag zeigten.
Übrige asiatische Märkte uneinheitlich
In Singapur bewegte sich Gold in dieser Woche zwischen einem Abschlag von 0,50 US-Dollar und einem Aufschlag von 1,60 US-Dollar. In Hongkong lag die Spanne zwischen einem Abschlag von 0,50 US-Dollar und einem Aufschlag von 1,70 US-Dollar. Japan zeigte sich mit einer Spanne von einem Abschlag von 0,25 US-Dollar bis zu einem Aufschlag von 0,50 US-Dollar vergleichsweise stabil.
Die internationalen Spot-Goldpreise blieben im Wochenverlauf weitgehend stabil. Eine bemerkenswerte Bewegung gab es am Mittwoch, als das Metall nach der ersten Zinserhöhung der US-Notenbank Federal Reserve nach mehr als drei Jahren auf ein Sechs-Wochen-Tief fiel. Die geldpolitischen Entscheidungen der Fed bleiben damit ein entscheidender Faktor für die kurzfristige Preisentwicklung des Edelmetalls.
