Harris für Cannabis-Legalisierung: Branche bleibt skeptisch trotz Versprechen
Vizepräsidentin Kamala Harris positioniert sich klar als Pro-Cannabis-Kandidatin – doch Branchenführer fordern Taten statt Worte.

Vizepräsidentin Kamala Harris hat sich in einem Interview mit dem Podcast „All the Smoke" erstmals seit ihrer Nominierung als demokratische Präsidentschaftskandidatin öffentlich zur Cannabis-Legalisierung geäußert. „Ich denke einfach, wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir verstehen müssen, dass wir es legalisieren und aufhören müssen, dieses Verhalten zu kriminalisieren", sagte Harris. Die Aussage markiert einen klaren Schritt in Richtung einer progressiven Drogenpolitik – doch die Cannabis-Branche reagiert verhalten.
Jason Wild, Executive Chairman des an der Toronto Stock Exchange notierten Cannabisunternehmens TerrAscend, begrüßte zwar die Unterstützung von Harris, mahnte jedoch zur Vorsicht: „Ich bin ermutigt durch die Unterstützung von Vizepräsidentin Harris für die Cannabis-Legalisierung; wir brauchen jedoch echte Taten, nicht nur Rhetorik. Ich hoffe, dass diese Wahlversprechen dieses Mal nicht nur Schlagworte sind, sondern zu greifbaren Veränderungen führen werden."
Langsamer Fortschritt unter der Biden-Regierung
Harris ist kein unbeschriebenes Blatt in der Cannabis-Debatte. Bereits 2020, als Senatorin und Präsidentschaftskandidatin, hatte sie sich für eine Gesetzgebung zur Entkriminalisierung und Besteuerung von Cannabis auf Bundesebene eingesetzt. Unter Präsident Biden wurde sie zudem zur Leiterin der Diskussionen über Justiz- und Cannabis-Reform ernannt, während die Regierung an einer Neueinstufung von Cannabis arbeitete.
Brady Cobb, Gründer des in Florida ansässigen Unternehmens Sunburn Cannabis, stellt dennoch infrage, ob Harris wirklich die treibende Kraft hinter diesen Reformen war. „Ich würde die Aussage infrage stellen, dass Harris die Pro-Cannabis-Kandidatin schlechthin war", so Cobb. „Zwar ist die Neueinstufung vorangeschritten, aber Tatsache bleibt, dass sie noch nicht abgeschlossen ist."
Konkret plant die Biden-Regierung, Cannabis von der strengsten Kategorie „Schedule I" in die weniger restriktive Kategorie „Schedule III" umzustufen. Dies würde wissenschaftliche Studien erleichtern sowie den Verkauf und Vertrieb für medizinische Zwecke in Bundesstaaten ausweiten, in denen Cannabis legal ist. Im Juli endete die Frist für öffentliche Stellungnahmen mit 43.000 eingereichten Kommentaren. Die Drogenvollzugsbehörde DEA verschob eine Anhörung zur Regeländerung jedoch auf den 2. Dezember – nach der Wahl.
Auch Trump signalisiert Offenheit – Markt reagiert positiv
Bemerkenswert ist, dass auch der republikanische Kandidat Donald Trump zuletzt eine überraschend offene Haltung zur Cannabis-Reform einnahm. Ende August erklärte Trump, seine Regierung werde „sich weiterhin auf die Forschung konzentrieren, um die medizinische Nutzung von Marihuana als Schedule-3-Droge zu ermöglichen" und mit dem Kongress zusammenarbeiten, um „vernünftige Gesetze zu verabschieden, einschließlich eines sicheren Bankwesens für staatlich autorisierte Unternehmen". Zudem kündigte er an, bei einer Abstimmung in Florida für die Legalisierung des Freizeitkonsums zu stimmen.
Der AdvisorShares Pure US Cannabis ETF, der US-amerikanische Unternehmen mit Cannabis-Bezug abbildet, stieg seitdem um 12 Prozent. Investoren werten die parteiübergreifende Unterstützung als starken Rückenwind für die Branche. Bernstein-Analystin Nadine Sarwat kommentierte: „Die Tatsache, dass nun sowohl der republikanische als auch der demokratische Präsidentschaftskandidat eine Cannabis-Reform auf Bundesebene unterstützen, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass eine bundesweite Cannabis-Legalisierung lediglich eine Frage der Zeit ist."
Strukturelle Probleme bleiben ungelöst
Trotz der politischen Rückendeckung bleibt die wirtschaftliche Lage der Branche angespannt. Bernstein stellte fest, dass das Wachstum im Sektor aufgrund makroökonomischer Gegenwinde stagniert. „Trotz aller Schlagzeilen über eine potenzielle Reform auf Bundesebene ist die Umsatzentwicklung auf Ebene der Bundesstaaten ernüchternd", so Sarwat.
Cannabis-Investorin Emily Paxhia, Mitbegründerin von Poseidon Investment Management, fordert konkretere Aussagen von der Harris-Kampagne: „Wir würden es begrüßen, mehr von der Harris-Kampagne darüber zu hören, wie sie sich Reformen in diesem Bereich vorstellt, da mehrere Wege verbessert werden müssen, einschließlich der Reform des Bankenwesens und der Kapitalmärkte."
Branchenvertreter wie Cobb sehen Harris und Trump in dieser Frage auf Augenhöhe – und nicht unbedingt positiv: „Trump hat das Thema Cannabis während seiner Zeit als Präsident ebenfalls nicht vorangebracht, daher sind sie aus meiner Sicht in dieser Frage absolut gleichauf." Für die Cannabis-Branche zählen letztlich keine Wahlversprechen, sondern konkrete gesetzgeberische Schritte.
