Connecticut startet legalen Cannabis-Verkauf in sieben Abgabestellen
Seit Dienstag dürfen Erwachsene ab 21 Jahren in Connecticut legal Cannabis kaufen – ein historischer Schritt für den US-Bundesstaat.

Connecticut hat am Dienstag, dem 10. Januar 2023, den Einzelhandelsverkauf von Cannabis für Erwachsene ab 21 Jahren offiziell gestartet. Der Verkauf begann in sieben bestehenden Einrichtungen für medizinisches Marihuana im gesamten Bundesstaat. Damit setzt Connecticut einen Meilenstein, der weniger als zwei Jahre nach der Unterzeichnung der entsprechenden Gesetzgebung durch Gouverneur Ned Lamont erreicht wurde.
Die sieben Abgabestellen, die am ersten Tag ihre Türen für die breite Öffentlichkeit öffneten, befinden sich in Montville, New Haven, Branford, Newington, Stamford, Willimantic und Meriden. Der Verkauf durfte offiziell um 10:00 Uhr beginnen. Zwei weitere genehmigte Abgabestellen in Danbury und Torrington sollen zu einem späteren Zeitpunkt folgen.
Historischer Tag mit Blick auf die Zukunft
Adam Wood, Präsident der Connecticut Cannabis Chamber of Commerce, bezeichnete den Tag als historisch. „Der heutige Tag ist historisch, aber die eigentliche Geschichte handelt von den künftigen Vorteilen, die Leben und Gemeinschaften verändern werden", erklärte er. Wood schätzt, dass die neue Branche in den nächsten Jahren mehr als 10.000 Arbeitsplätze schaffen und hunderte Millionen US-Dollar an neuen Umsätzen generieren wird – insbesondere zugunsten jener Gemeinschaften, die am stärksten vom sogenannten „Krieg gegen Drogen" betroffen waren.
Gouverneur Lamont, ein Demokrat, betonte, dass eines der zentralen Ziele der Legalisierung die Schaffung eines regulierten und sichereren Produkts für Verbraucher sei. „Der heutige Tag markiert einen Wendepunkt bei den durch den Krieg gegen Drogen verursachten Ungerechtigkeiten, vor allem jetzt, da es eine legale Alternative zum gefährlichen, unregulierten Schwarzmarkt für Cannabisverkäufe gibt", hieß es in einer Mitteilung des Gouverneurs.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Gesetzes ist die Möglichkeit zur Löschung von Verurteilungen wegen geringfügiger Marihuana-Delikte, viele davon automatisch. Seit Beginn des neuen Jahres wurden laut Behördenangaben bereits fast 44.000 solcher Verurteilungen gelöscht.
Erste Kundin und gemischte Reaktionen
In Montville fand eine feierliche Eröffnung bei „The Botanist" statt, an der lokale Abgeordnete und der Bürgermeister teilnahmen. Lynn Goldstein, 60 Jahre alt aus Norwich, war die erste Kundin in der Schlange. Sie leidet seit 2011 unter chronischen Schmerzen und war bisher Kundin für medizinisches Marihuana. Goldstein begrüßte die Legalisierung, äußerte jedoch auch Bedenken: „Ich mache mir Sorgen um die jungen Leute, weil sie nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, und sie werden berauscht Auto fahren." Als erste Kundin erhielt sie eine Tasche mit Werbegeschenken, darunter einen Vaporizer im Wert von 250 US-Dollar.
Bis Ende 2023 sollen in Connecticut bis zu 40 Abgabestellen sowie Dutzende weiterer Unternehmen aus dem Cannabis-Sektor eröffnen. Kate Nelson, Senior Vice President bei Acreage Holdings – dem Eigentümer der Marke „The Botanist" – prognostiziert für die erste Woche des Freizeitverkaufs einen Anstieg der Verkäufe um 150 Prozent gegenüber dem normalen medizinischen Betrieb, der am Standort Montville durchschnittlich 200 bis 300 Käufe täglich umfasst.
Kauflimits und Marktumfeld
Die anfänglichen Verkäufe sind auf eine Viertelunze (7 Gramm) Cannabisblüten oder deren Äquivalent begrenzt. Diese Maßnahme soll sicherstellen, dass ausreichend Vorräte für Patienten mit medizinischem Marihuana vorhanden bleiben. Verschiedene Produkte können kombiniert werden, um die erlaubte Menge zu erreichen. Das Department of Consumer Protection des Bundesstaates plant, die Einzelhandelsverkäufe und Produktionsvorräte engmaschig zu überwachen, um zu bestimmen, wann diese Grenze angehoben werden kann.
Connecticut agiert dabei in einem bereits wettbewerbsintensiven regionalen Markt. Im benachbarten Massachusetts startete der Freizeitverkauf bereits 2018, in Rhode Island und New York erst im vergangenen Monat. Nelson räumte ein, dass der Neuheitswert sich mit der Zeit einpendeln werde: „Wir befinden uns jetzt in einer Region des Landes, in der es andere Bundesstaaten mit legalem Freizeitkonsum in der Nähe gibt."
Insgesamt haben in den letzten zehn Jahren 21 US-Bundesstaaten Marihuana für Erwachsene zu Freizeitzwecken legalisiert, obwohl es nach Bundesrecht weiterhin illegal bleibt. Nach den Abstimmungen in Maryland und Missouri im November treiben Cannabis-Befürworter nun ähnliche Initiativen in Oklahoma und Ohio voran. Laut der National Conference of State Legislatures erlauben 37 Bundesstaaten, drei Territorien und der District of Columbia die medizinische Verwendung von Cannabisprodukten (Stand: 3. Februar 2022).
