Goldpreis erreicht Rekordhoch durch wirtschaftliche Unsicherheiten
US-Zölle, Lieferengpässe und Marktdynamik treiben Nachfrage und Volatilität an

Der Goldpreis hat in den ersten Wochen des Jahres 2025 neue Rekordwerte erreicht und ist seit Jahresbeginn um mehr als 10 % gestiegen. Dies folgt auf einen bemerkenswerten Anstieg von 27 % im Jahr 2024, der durch eine Kombination aus starken Zentralbankkäufen, geopolitischen Unsicherheiten und einer Lockerung der Geldpolitik begünstigt wurde. Die aktuellen Kursgewinne werden maßgeblich durch wirtschaftliche Unsicherheiten ausgelöst, insbesondere durch die von US-Präsident Donald Trump eingeführten Importzölle, die das Risiko eines Handelskriegs bergen.
Der Goldpreis erreichte mit 2.942,70 US-Dollar je Unze ein neues Allzeithoch, nachdem Trump die Zölle auf Stahl und Aluminium erhöhte. Dies führte zu einer verstärkten Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen. Analysten beobachten eine Veränderung der Antriebsfaktoren für den Goldkauf: Während früher geopolitische Unsicherheiten, insbesondere im Nahen Osten, dominierend waren, steht nun die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen von Handelszöllen im Vordergrund.
Ein weiteres bemerkenswertes Phänomen ist die Ausweitung der Preisunterschiede zwischen den in den USA gehandelten Comex-Gold-Futures und dem Londoner Kassapreis. Der Prämienunterschied, der normalerweise nur wenige Dollar beträgt, erreichte kurz vor Trumps Amtseinführung bis zu 60 US-Dollar pro Unze. Dies führte zu einem Anstieg der Goldlieferungen an die Comex-Lager, die seit Ende November um 18,6 Millionen Feinunzen im Wert von 54 Milliarden US-Dollar zugenommen haben.
In London kam es zu Engpässen bei der Auslagerung von Gold aus den Tresoren der Bank of England, da Marktteilnehmer versuchten, Gold zu leihen. Dies führte zu einem Anstieg der Leasingraten für Gold sowohl in London als auch in Indien. Gleichzeitig verzeichneten die Schweiz und auf Asien fokussierte Hubs einen Anstieg der Goldlieferungen in die USA.
Trotz dieser Entwicklungen erwarten Analysten, dass die Marktaktivität in den kommenden Wochen nachlassen wird. Die Prämie für Comex-Gold ist bereits auf 28 US-Dollar pro Unze gesunken. Experten gehen davon aus, dass sich die Differenzen zwischen den US-amerikanischen und den Londoner Goldmärkten allmählich angleichen werden. Zudem könnte die Schmucknachfrage, die aufgrund hoher Preise gedämpft wurde, ebenfalls eine Rolle spielen. In wichtigen Märkten wie Indien und China werden Rabatte gewährt, um den Absatz zu fördern.
Zentralbanken in Schwellenländern könnten ihre Goldkäufe reduzieren, falls ihre heimischen Währungen infolge der US-Zölle an Wert verlieren. Physisch besicherte Gold-ETFs verzeichneten im Januar gemischte Zuflüsse: Während europäische Fonds Zuwächse verzeichneten, gab es in Nordamerika Abflüsse. Technisch betrachtet befindet sich Gold seit Anfang Februar im überkauften Bereich des Relative-Stärke-Index (RSI), und große Kursmarken wie 3.000 US-Dollar könnten als Widerstand fungieren.
