Goldpreis bleibt über 4.000-Dollar-Marke stabil
Zinssenkungserwartungen und geopolitische Entspannung stützen Nachfrage nach dem Edelmetall

Gold hat sich oberhalb der Marke von 4.000 Dollar je Feinunze behauptet und damit seinen historischen Höchststand ausgebaut. Nach dem erstmaligen Überschreiten dieser Schwelle am Mittwoch zeigte sich der Preis am Donnerstag stabil. Gegen 4.39 Uhr GMT notierte der Spotpreis bei 4.037,95 Dollar je Unze, nachdem er zuvor ein Rekordhoch von 4.059,05 Dollar erreicht hatte. Der Kurs hatte zu Handelsbeginn kurzzeitig um 0,5 Prozent nachgegeben, diesen Rückgang jedoch vollständig wieder aufgeholt. Die Dezember-Futures auf Gold gaben um 0,3 Prozent auf 4.056,80 Dollar nach.
Hintergrund der Entwicklung sind die zunehmenden Erwartungen an weitere Zinssenkungen in den Vereinigten Staaten. Nach Angaben aus dem Protokoll der jüngsten Sitzung der US-Notenbank vom 16. und 17. September sehen die Mitglieder der Federal Reserve erhebliche Risiken für den amerikanischen Arbeitsmarkt. Diese Einschätzung lässt laut Marktbeobachtern eine Senkung des Leitzinses bereits in den kommenden Monaten wahrscheinlich erscheinen. Laut dem CME FedWatch-Tool rechnen die Märkte mit einer 94-prozentigen Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im Oktober und mit 79 Prozent für eine weitere im Dezember. Die Inflation bleibt zwar hartnäckig, doch die Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung überwiegt zunehmend.
Auch geopolitische Faktoren beeinflussen die Nachfrage nach Gold. Israel und die Hamas haben nach zweijährigem Krieg die erste Phase des von US-Präsident Donald Trump vorgelegten Friedensplans für Gaza akzeptiert. Das Abkommen sieht eine Waffenruhe sowie eine Vereinbarung zur Freilassung von Geiseln vor. Beobachter bewerten die Einigung als möglichen ersten Schritt zur Beendigung des Konflikts, den die Vereinten Nationen als Völkermord bezeichnet haben.
Analysten führen den jüngsten Anstieg des Goldpreises teilweise auf diese geopolitischen Spannungen zurück, sehen darin jedoch auch Gewinnmitnahmen nach dem Erreichen neuer Rekordstände. Kyle Rodda von Capital.com erklärte, die Märkte reagierten zwar auf die politischen Entwicklungen, doch die grundlegenden Faktoren für den Goldpreis zeigten weiter nach oben.
Seit Jahresbeginn ist Gold um 54 Prozent gestiegen. Gründe dafür sind umfangreiche Käufe durch Zentralbanken, eine höhere Nachfrage nach goldgedeckten börsengehandelten Fonds (ETFs), ein schwächerer US-Dollar sowie die anhaltende Flucht in sichere Anlagen in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit. Zusätzlich belasten politische Krisen in Japan und Frankreich sowie der anhaltende Stillstand in der US-Regierung die globalen Märkte. In diesem Umfeld profitiert Gold als klassischer sicherer Hafen von den niedrigen Zinsen und der Unsicherheit an den Finanzmärkten.
Parallel legte Silber leicht um 0,2 Prozent auf 48,98 Dollar pro Unze zu, nachdem es am Mittwoch mit 49,57 Dollar ein Rekordhoch erreicht hatte. Platin gab um 0,4 Prozent auf 1.656,35 Dollar nach, während Palladium um 1,5 Prozent auf 1.471,46 Dollar stieg.
