Goldman Sachs: S&P 500 Marktbreite fällt auf Dotcom-Tief
Die Stärke der KI-Aktien stützt den S&P 500, doch die Marktbreite ist laut Goldman Sachs auf den tiefsten Stand seit der Dotcom-Blase gefallen.

Goldman Sachs hat seine Kunden in einer am Montag veröffentlichten Notiz darauf hingewiesen, dass die Stärke der KI-Aktien den S&P 500 zwar stabil gehalten habe, die Marktbreite des Index jedoch auf ihr niedrigstes Niveau seit der Dotcom-Blase gesunken sei. Das berichtet das Portal Investing.com. Demnach erklärte der Goldman-Stratege Ben Snider, dass die mediane S&P-500-Aktie derzeit 16% unter ihrem 52-Wochen-Hoch notiert. Diese Zahl verdeutlicht, wie stark die Kursentwicklung des breiten Marktes inzwischen von einer kleinen Gruppe großer Technologie- und KI-Titel abhängt.
Parallel dazu ist der Sentiment-Indikator von Goldman Sachs, der misst, wie stark US-Aktieninvestoren positioniert sind, auf -0,9 gefallen und entspricht damit dem Tiefststand vom März. „Zusammen deuten diese Faktoren auf das Potenzial sowohl für einen breiten Marktaufschwung als auch für ein ‚Aufholen' der jüngsten Schlusslichter hin, falls die makroökonomische Unsicherheit nachlässt", schrieb Snider in der Notiz.
Bewertung sinkt trotz Kursgewinnen
Der S&P 500 hat in diesem Jahr bislang eine Rendite von 14% erzielt. Dennoch ist sein Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 22-mal auf 19-mal gefallen und liegt damit genau auf seinem 10-Jahres-Durchschnitt. Als einen Grund für diese Entwicklung führte Goldman Sachs steigende Zinsen an. Das niedrigere Bewertungsmultiplikum spiegelt zudem die Sorge der Investoren wider, dass der KI-Investitionsboom Unternehmen dabei helfe, mehr zu verdienen, als nachhaltig sei.
Laut dem Bewertungsmodell der Bank steht das aktuelle Multiplikum im Einklang mit einer Eigenkapitalrendite von 22%. Snider erläuterte, dass dieses Niveau historisch betrachtet hoch sei, aber rund zwei Prozentpunkte über dem aktuellen Level liege. Dies zeige, dass der Markt mit Recht skeptisch sei, ob die heutige Profitabilität von Dauer sein werde.
Long/Short-Value-Strategie mit starker Performance
Die Bank gab außerdem an, dass ihre Long/Short-Value-Strategie seit Mitte des vergangenen Jahres eine Rendite von mehr als 25% erzielt habe. Allerdings erwartet Goldman Sachs, dass diese Strategie in Zukunft schwächer abschneiden werde. Anleger sollten sich daher laut Snider neu ausrichten.
„Wir glauben, dass Anleger sich darauf konzentrieren sollten, Alpha in Aktien zu generieren, bei denen sie differenzierte Ansichten bezüglich der langfristigen Wachstumsaussichten haben", schrieb der Stratege.
Für deutsche Privatanleger ist die Einschätzung insofern relevant, als der S&P 500 als wichtigster Leitindex für US-Aktien auch die Entwicklung vieler global ausgerichteter Fonds und ETFs prägt. Die Kombination aus niedriger Marktbreite und gesunkenem Sentiment deutet darauf hin, dass die aktuelle Kursentwicklung stark von einzelnen Schwergewichten getragen wird. Sollte die makroökonomische Unsicherheit nachlassen, könnte sich das Bild laut Goldman jedoch zugunsten breiterer Marktsegmente und zuletzt schwächerer Aktien drehen.
Die Notiz fasst damit eine zwiespältige Lage zusammen: Auf der einen Seite solide Renditen und ein auf den langfristigen Durchschnitt zurückgekommenes Bewertungsniveau, auf der anderen Seite eine historisch schmale Marktbreite und die offene Frage, ob die derzeitige Profitabilität der Unternehmen dauerhaft Bestand hat.
