Die Geschichte rät: Jetzt Aktien kaufen, bevor es zu spät ist
Der Wahlzyklus spricht für die kommenden drei Quartale: Historisch stieg der S&P 500 nach Midterm-Wahlen in bis zu 95 Prozent der Fälle.

Wer einen langen Anlagehorizont hat, für den ist „jetzt“ womöglich der beste Zeitpunkt, um Aktien zu kaufen. Der S&P 500 hat sich langfristig immer nach oben entwickelt. Selbst wer unmittelbar vor einem Börsencrash einen börsengehandelten Fonds (ETF) auf den S&P 500 gekauft hätte, etwa den Vanguard S&P 500 ETF, wäre langfristig gut aufgestellt gewesen – und noch besser, wenn er anschließend per dollar-cost averaging weiter investiert hätte.
Historisch betrachtet ist der aktuelle Zeitpunkt sogar besonders interessant. Teilt man den Markt anhand der Wahlzyklen in 16 Quartale ein, sind die drei stärksten Perioden das vierte Quartal im zweiten Jahr nach den Midterm-Wahlen sowie das erste und zweite Quartal im dritten Jahr des Zyklus. Umgerechnet bedeutet das: die drei kommenden Quartale ab Oktober dieses Jahres.
Die Datenlage dazu ist bemerkenswert. Laut Carson Research hat sich der S&P 500 im vierten Quartal nach einer Midterm-Wahl seit 1950 in mehr als 84 Prozent aller Fälle höher geschlossen und dabei eine durchschnittliche Rendite von 6,6 Prozent über diesen dreimonatigen Zeitraum erzielt. Das erste Quartal des folgenden Jahres tendiert zu noch stärkeren Werten: Die Kurse stiegen in nahezu 95 Prozent der Fälle, bei einem durchschnittlichen Gewinn von 7,4 Prozent. Auch das zweite Quartal im dritten Jahr des Wahlzyklus fiel gut aus: Der S&P 500 verzeichnete positive Renditen in fast 74 Prozent der Fälle, mit einem durchschnittlichen Gewinn von 5 Prozent.
Die Details
Die Zahlen decken sich mit Forschungsergebnissen von Fidelity, wonach der S&P 500 in den zwölf Monaten nach Midterm-Wahlen seit 1938 in 95 Prozent der Fälle Gewinne verbuchte. Von November zu November erreichte der Index seit 1950 im Durchschnitt eine Zwölf-Monats-Rendite von 14,5 Prozent.
Bemerkenswert ist, dass die politische Konstellation für die Marktentwicklung offenbar kaum eine Rolle spielt. Unabhängig davon, welche Partei im Weißen Haus regiert oder welche Partei die Midterms gewinnt, ist der Markt gestiegen. Es scheint auch kaum eine Rolle zu spielen, ob Amtsinhaber oder Herausforderer gewinnen. Allein die Erleichterung über den Wegfall einiger politischer Unsicherheiten scheint der größte Katalysator für die Überperformance des Marktes zu sein.
Die Carson Group wies jedoch darauf hin, dass Aktien tendenziell am besten abschneiden, wenn der Kongress gespalten ist. Seit 1951 erzielte der S&P 500 in Jahren mit einem demokratischen Präsidenten und einem gespaltenen Kongress eine durchschnittliche jährliche Rendite von 17 Prozent, in Jahren mit einem republikanischen Präsidenten und einem gespaltenen Kongress 13,7 Prozent.
Für den einzelnen Anleger hat die Frage nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt ohnehin eine zweite Ebene: die Titelauswahl. Eine J.-P.-Morgan-Studie zeigt, dass zwischen 1980 und 2020 rund 66 Prozent aller Aktien eine unterdurchschnittliche Performance im Vergleich zum Markt erzielten, und 42 Prozent verzeichneten absolute negative Renditen. Getragen wurde die Performance des Marktes von einer Handvoll Mega-Gewinner, die etwa 10 Prozent aller Aktien im Russell 3000 ausmachten – dem Index der 3.000 größten Unternehmen der USA.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 26.04.2026 berichtete aktien.news, dass der S&P 500 nach einem kriegsbedingten Ausverkauf, der den Index im März um fast 10 Prozent einbrechen ließ, innerhalb von nur 13 Tagen um 12 Prozent gestiegen war. Ein Blick in die Börsengeschichte – so die damalige Einordnung – liefere eine klare Botschaft für Anleger.
Am 28.05.2026 griff aktien.news die Frage auf, ob der Vanguard S&P 500 ETF trotz eines Rekordhochs des Index gekauft werden sollte. Der Index hatte sich zu diesem Zeitpunkt eindrucksvoll von einem Rücksetzer zu Beginn des Jahres erholt.
Am 11.06.2026 folgte ein weiterer Beitrag zu der Frage, ob sich der Einstieg bei einem S&P 500 auf Rekordniveau noch lohnt. Die damalige Analyse verwies darauf, dass auf Allzeithochs häufig weitere Rekordmarken folgen und wer auf einen Rücksetzer wartet, oft weitere Kursgewinne verpasst.
Am 26.09.2026 berichtete aktien.news schließlich über die Midterm-Wahlen als Marktsignal. Laut einer Fidelity-Studie verzeichnete der S&P 500 in den Jahren nach den Midterm-Wahlen seit 1938 in 95 Prozent aller Fälle eine positive Entwicklung – unabhängig davon, welche Partei gewann.
Was das für Anleger bedeutet
Die historischen Muster sind für deutsche Privatanleger vor allem deshalb relevant, weil sie sich auf den US-Markt beziehen, der für viele Depots den Kern der Aktienquote bildet. Die Vergangenheit kann dabei als Leitfaden dienen, sie ist jedoch weit davon entfernt, eine Garantie zu sein. Das betont die Quelle ausdrücklich.
Eine naheliegende Konsequenz ist der Verzicht auf die Einzelauswahl. Der Autor der zitierten Analyse empfiehlt den meisten Anlegern, einen oder zwei Index-ETFs als Kernbestandteile des Portfolios zu nutzen. Das biete ein sofort diversifiziertes Portfolio und erspare die schwierige Aufgabe, einzelne Aktien auszuwählen.
Zwei Fonds werden dabei namentlich genannt. Der Vanguard S&P 500 ETF ist eine kostengünstige Methode, um die Performance des S&P 500 nachzuvollziehen – die Kostenquote liegt bei 0,03 Prozent. Der Invesco QQQ Trust bildet mit einer Kostenquote von 0,18 Prozent die Performance des technologie-lastigen Nasdaq-100-Index ab. Beide waren langfristig erfolgreich: Der Vanguard-ETF erzielte im vergangenen Jahrzehnt eine durchschnittliche jährliche Rendite von 15,3 Prozent, der Invesco QQQ über denselben Zeitraum von 20,8 Prozent. Ein weiteres Argument für Indexfonds: Der S&P 500 hat in den vergangenen zehn Jahren 86 Prozent aller aktiv gemanagten Large-Cap-Fonds übertroffen.
Der Mechanismus hinter dieser Entwicklung ist die Marktkapitalisierungsgewichtung. Sie ermöglicht es den Gewinnern, weiter zu laufen und im Laufe der Zeit zu größeren Beitragsleistern des Index zu werden. Genau das treibt die Performance marktkapitalisierungsgewichteter Indizes an.
Ausblick
Die drei kommenden Quartale ab Oktober dieses Jahres gelten historisch als die stärkste Phase des Wahlzyklus. Die Daten von Carson Research und Fidelity für die Zeit nach den Midterm-Wahlen stützen diese Erwartung. Ob der Markt die typische Rallye nach den Midterm-Wahlen tatsächlich erlebt, bleibt offen – die Quelle formuliert es ausdrücklich als Möglichkeit, nicht als Gewissheit. Wer regelmäßig per dollar-cost averaging in breit gestreute Indexfonds investiert, ist nach Einschätzung der Analyse für die lange Frist gut aufgestellt, unabhängig vom Ausgang.
Kurz erklärt
- Midterm-Wahlen: Zwischenwahlen in den USA, bei denen rund zwei Jahre nach der Präsidentschaftswahl Teile des Kongresses neu gewählt werden.
- Dollar-Cost-Averaging: Anlagestrategie, bei der ein fester Betrag regelmäßig in denselben Fonds investiert wird.
- Kostenquote: Jährliche Verwaltungsgebühr eines Fonds, ausgedrückt als Prozentsatz des angelegten Vermögens.
- Marktkapitalisierungsgewichtung: Gewichtungsmethode, bei der größere Unternehmen einen höheren Anteil am Index erhalten.
