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Mercedes plant bis zu vier Bürotage pro Woche für Beschäftigte

Ein Entwurf für eine neue Konzernbetriebsvereinbarung sieht bis zu vier Bürotage pro Woche vor – die finale Freigabe steht noch aus.

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Mercedes plant bis zu vier Bürotage pro Woche für Beschäftigte

Bei Mercedes-Benz sollen die Beschäftigten künftig bis zu vier Tage pro Woche im Büro arbeiten. Ein entsprechender Entwurf für eine neue Konzernbetriebsvereinbarung zum mobilen Arbeiten liegt vor. Darüber berichtet die WirtschaftsWoche. Endgültig abgesegnet ist das Regelwerk allerdings noch nicht.

Im Zentrum steht die Präsenz am Arbeitsplatz. Nach dem Entwurf kann eine Führungskraft Vollzeitbeschäftigte zu bis zu vier Bürotagen pro Woche verpflichten – und zwar ohne Begründung. Damit würde der Stuttgarter Autobauer deutlich stärker auf Anwesenheit setzen als bislang.

Die Betriebsräte nehmen das Papier nach Angaben von Arbeitnehmervertretern "zähneknirschend hin". Mercedes und der Konzernbetriebsrat wollten sich zu dem Vorgang nicht äußern. Für eine finale Regelung fehlt noch die abschließende Freigabe, etwa durch den Konzernbetriebsrat.

Die Details

Der Entwurf sieht bis zu vier Bürotage pro Woche vor. Betroffen sind die Ebenen 4 und 5 sowie indirekte Bereiche. Bislang gab es bei Mercedes kein fixes Limit für Homeoffice-Tage: Die Spielregeln legten die Teams jeweils mit ihrer direkten Führungskraft fest. Künftig soll der Arbeitsplatz der maßgebliche Ort für Zusammenarbeit sein.

Als Ziele nennt das Papier Wissenstransfer, Innovation und Teamgeist. Die erhöhte Präsenz soll die Leistungsfähigkeit und die Identifikation der Beschäftigten stärken. Die noch geltende Vereinbarung hatte dagegen mobiles Arbeiten ausdrücklich aktiv unterstützen und eine Vertrauenskultur fördern sollen – ohne mobiles Arbeiten zur Regel zu machen. In der Praxis wurde das Arbeiten von zu Hause jedoch zum Standard und die Büropräsenz zur Ausnahme.

Beim Kostenrahmen geht es um mögliche Einsparungen von bis zu 800 Millionen Euro bei den Arbeitskosten. CEO Ola Källenius wollte das Homeoffice ursprünglich ganz abschaffen und fünf Tage Präsenz pro Woche durchsetzen. Insider schätzen die Wahrscheinlichkeit, dass die neuen Regeln durchkommen, als hoch ein. Der Streit um das Homeoffice gärt bei Mercedes bereits seit Monaten.

Sollte keine Einigung zustande kommen, bliebe dem Vorstand als Alternative die Kündigung der alten Vereinbarung. Ein Insider beschreibt diese Option mit den Worten: "Und dann hätte es bei Mercedes überhaupt kein mobiles Arbeiten mehr gegeben." Für die Beschäftigten wäre ein solches Szenario noch einschneidender als der vorliegende Entwurf, weil damit jegliche Regelung für mobiles Arbeiten wegfallen würde.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 25.09.2026 berichtete aktien.news, dass sich bei Mercedes-Benz eine Einigung über die künftige Ausgestaltung des mobilen Arbeitens abzeichnet. Die Verhandlungen befanden sich demnach auf der Zielgeraden, wie aus einem internen Entwurf für eine neue Konzernbetriebsvereinbarung hervorging. Endgültig abgesegnet war das Papier damals noch nicht; für eine finale Regelung fehlte die abschließende Zustimmung.

Bereits am 22.09.2026 berichtete aktien.news, dass Mercedes-Produktionsvorstand Michael Schiebe auf einer Betriebsversammlung im Werk Sindelfingen die Schließung von zwei deutschen Standorten angekündigt hat, falls die Kosten im Inland nicht deutlich sinken. Es sei das klare Ziel, alle deutschen Standorte zu erhalten; gelinge die Einigung auf verträgliche Kostensenkungen nicht, werde ein deutsches Aufbauwerk sowie ein deutsches Powertrainwerk geschlossen werden müssen. Am selben Tag berichtete aktien.news, dass der Konzern erstmals offiziell bestätigt hat, dass im Zuge notwendiger Kostensenkungen die Schließung von zwei deutschen Standorten droht.

Bereits am 01.07.2026 berichtete aktien.news, dass die IG Metall die Beschäftigten des Stuttgarter Autobauers im Südwesten zu Protesten aufgerufen hat. Auslöser war eine erneute Verschärfung des Sparkurses; an den Standorten Sindelfingen und Untertürkheim fanden Kundgebungen statt, zusätzlich war eine nicht öffentliche, digitale Kundgebung geplant. Der Konflikt zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmerseite eskalierte damit spürbar.

Aus den vorliegenden Informationen geht zudem hervor, dass der Vorstand bereits im Frühjahr 2025 eine Mail zu erhöhter Präsenz an die Tarifbeschäftigten geschickt hat. Der Streit zwischen Management und Belegschaft zieht sich also über viele Monate.

Was das für Anleger bedeutet

Für Aktionäre ist der Vorgang vor allem ein Baustein im größeren Kosten- und Umbauprogramm des Konzerns. Die Arbeitskosten sind mit möglichen Einsparungen von bis zu 800 Millionen Euro ein relevanter Hebel; strengere Präsenzregeln können den Wissenstransfer und die Zusammenarbeit stützen, bergen aber auch Konfliktpotenzial mit der Belegschaft. Dass die Ankündigung möglicher Werksschließungen und der Streit um das Homeoffice zeitlich zusammenfallen, zeigt, wie angespannt die Beziehungen zwischen Management und Arbeitnehmerseite derzeit sind.

Für Privatanleger bedeutet das: Der Ausgang solcher Verhandlungen ist ein Indikator dafür, wie erfolgreich Mercedes seine Kostensenkungen im Inland durchsetzen kann. Ein zügiger Abschluss könnte den Sparkurs stützen, ein Eskalationskurs dagegen zusätzliche Auseinandersetzungen und Verzögerungen nach sich ziehen. Eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf der Aktie lässt sich daraus nicht ableiten.

Ausblick

Die finale Freigabe der neuen Konzernbetriebsvereinbarung steht weiter aus; sie muss etwa durch den Konzernbetriebsrat erfolgen. Insider schätzen die Wahrscheinlichkeit, dass die neuen Regeln durchkommen, als hoch ein. Kommt keine Einigung zustande, bliebe dem Vorstand als Alternative die Kündigung der alten Vereinbarung, was nach Einschätzung von Insidern das Ende des mobilen Arbeitens bei Mercedes bedeuten würde.

Weitere konkrete Termine, etwa ein Datum für eine Unterzeichnung, nennen die vorliegenden Informationen nicht. Offen bleibt auch, wie sich die parallel laufende Auseinandersetzung um die deutschen Standorte auf die Verhandlungen über das mobile Arbeiten auswirkt.

Kurz erklärt

  • Konzernbetriebsvereinbarung: Ein Vertrag zwischen Unternehmen und Konzernbetriebsrat, der für alle Konzernteile verbindliche Regeln festlegt.
  • Mobiles Arbeiten: Arbeiten außerhalb des Büros, etwa von zu Hause, das je nach Vereinbarung unterschiedlich stark eingeschränkt sein kann.
  • Tarifbeschäftigte: Mitarbeiter, deren Arbeitsbedingungen durch einen Tarifvertrag geregelt sind.
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