Goldman-Sachs-Insider bleibt trotz Zinschaos und schwacher Marktbreite optimistisch
Tony Pasquariello sieht den S&P 500 trotz Anleihenturbulenzen und geringer Marktbreite auf Aufwärtskurs bis Ende 2026.

Der S&P 500 steckt seit zwei Monaten in einer Warteschleife fest. Turbulenzen am Anleihenmarkt bremsen den Fortschritt des US-Leitindex, während eine geringe Marktbreite – also die Tatsache, dass nur wenige Aktien den Index wirklich stützen – seine technische Verfassung zunehmend untergräbt. Für viele Marktbeobachter klingt das nach einem klaren Warnsignal.
Tony Pasquariello, Leiter des Bereichs Hedgefonds-Betreuung bei Goldman Sachs, sieht die Lage jedoch deutlich differenzierter. Er räumt zwar ein, dass das aktuelle Handelsumfeld „sicherlich nicht unkompliziert" sei – doch von einer bärischen Grundstimmung will er nichts wissen. Im Gegenteil: Pasquariello geht weiterhin davon aus, dass der zugrunde liegende Trend nach oben zeigt.
Höhere Zinsen als Gegenwind, nicht als Abrissbirne
Der Goldman-Sachs-Experte bringt seine Einschätzung auf eine prägnante Formel: Höhere Zinsen seien zwar ein Gegenwind für den Aktienmarkt, aber keine „Abrissbirne". Diese Unterscheidung ist für Anleger entscheidend. Steigende Zinsen verteuern Kredite, belasten Unternehmensgewinne und machen Anleihen als Anlageklasse attraktiver – das drückt typischerweise auf die Aktienbewertungen. Dennoch bedeutet das nicht zwangsläufig einen nachhaltigen Kurseinbruch.
Pasquariello bleibt seiner optimistischen Grundhaltung treu und erwartet, dass der S&P 500 das Jahr 2026 auf einem höheren Niveau abschließen wird als zum aktuellen Zeitpunkt. Diese Prognose steht im Kontrast zu den Warnungen zahlreicher anderer Marktkommentatoren, die Anleger angesichts der Zinsunsicherheiten zur Vorsicht mahnen.
Marktbreite als technisches Warnsignal
Ein zentrales Thema in der aktuellen Marktdiskussion ist die sogenannte Marktbreite. Darunter versteht man, wie viele Aktien innerhalb eines Index tatsächlich an einer Aufwärtsbewegung teilnehmen. Ist die Marktbreite gering, bedeutet das: Nur eine Handvoll Titel – häufig die großen Technologiewerte – tragen den Index nach oben, während die Mehrheit der Aktien stagniert oder fällt. Das gilt technisch als Schwächezeichen, weil solche Rallyes als weniger stabil gelten.
Genau dieses Muster prägt derzeit den S&P 500. Für Pasquariello ist das jedoch kein Grund zur Panik. Er interpretiert die Gesamtlage so, dass der übergeordnete Aufwärtstrend intakt bleibt, auch wenn kurzfristige Störfeuer wie Anleihenturbulenzen und schwache Marktbreite für Unsicherheit sorgen.
Für deutsche Privatanleger, die in US-Indexfonds oder ETFs auf den S&P 500 investiert sind, ist diese Debatte besonders relevant. Wer breit gestreut in den amerikanischen Aktienmarkt investiert, spürt die Auswirkungen von Zinsentscheidungen der US-Notenbank Fed und die Entwicklung am US-Anleihenmarkt direkt im Depot. Die Einschätzung eines erfahrenen Insiders wie Pasquariello liefert dabei eine wichtige Perspektive – auch wenn sie nicht die einzige Meinung am Markt ist.
Letztlich zeigt die aktuelle Situation einmal mehr, wie komplex das Zusammenspiel von Zinsen, Anleihenmarkt und Aktienperformance ist. Während kurzfristige Turbulenzen das Bild trüben, setzen erfahrene Marktteilnehmer wie Pasquariello auf den langfristigen Aufwärtstrend – und mahnen zur Gelassenheit statt zur Panik.
