Goldman kassiert über 200 Millionen Dollar mit KI-Hedgefonds Situational Awareness
Der KI-Fonds von Leopold Aschenbrenner bescherte Goldman Sachs in diesem Jahr Prime-Brokerage-Gebühren von mehr als 200 Millionen US-Dollar.

Der KI-Hedgefonds Situational Awareness ist in diesem Jahr zum größten Prime-Brokerage-Kunden von Goldman Sachs aufgestiegen. Die Verleihungen an den Fonds von Leopold Aschenbrenner brachten der US-Investmentbank in diesem Jahr mehr als 200 Millionen US-Dollar an Gebühren ein. Damit übertraf der Fonds den Betrag, den Goldman mit jedem anderen Kunden in seiner Prime-Brokerage-Sparte zur Finanzierung von Hedgefonds erzielte.
Das berichten Personen mit Kenntnis der Angelegenheit gegenüber den FT-Autoren Joshua Franklin, Jill R Shah und Arjun Neil Alim. Nach dem Bekanntwerden hochprofitable Wetten auf künstliche Intelligenz wurde Situational Awareness in diesem Jahr zu einem der wichtigsten Gesamtkunden von Goldmans Handelsabteilung. Sowohl Goldman Sachs als auch Situational Awareness lehnten eine Stellungnahme ab.
An der Wall Street gilt es als praktisch beispiellos, dass ein Fonds wie Situational Awareness, der kaum zwei Jahre alt ist, so schnell zu einem derart großen Kunden einer Investmentbank wird und neben Blue-Chip-Hedgefonds wie Citadel und Millennium steht.
Die Details
Hintergrund der hohen Gebühren ist das rasante Wachstum von Aschenbrenners Fonds sowie die Art der von ihm getätigten Geschäfte. Aschenbrenner, ein 24-jähriger ehemaliger OpenAI-Forscher ohne Handelserfahrung, gründete Situational Awareness 2024 mit einigen hundert Millionen Dollar an Vermögenswerten. Er erzielte Renditen von mehr als 400 Prozent, wodurch der Fonds auf mehr als 20 Milliarden Dollar anwuchs.
Im Juli teilte Aschenbrenner seinen Anlegern mit, dass er kein Geld mehr leihen werde, um seine Wetten zu hebeln. Das bedeutet, dass die künftigen Gebühren für Goldman nicht mehr in demselben Umfang anfallen dürften wie vor den Verlusten. Aschenbrenners Firma bleibt weiterhin Kunde bei Goldman.
Neben dem Goldman-Geschäft enthält der Newsletter weitere Entwicklungen. Blackstone sorgte auf der Konferenz der Versicherungsbranche in Monte Carlo für Aufsehen, nachdem Pläne für ein neues Versicherungsvehikel bei Lloyd's of London durchgesickert waren und einen Sturm der Kritik auslösten. "Warum zur Hölle macht Lloyd's das? Sie lassen den Wolf ins Schafstal", sagte ein leitender Versicherungsmakler dem FT.
Der New Yorker Vermögensverwalter habe Gespräche mit Aon, dem weltweit größten Rückversicherungsmakler, über die Bildung eines Syndikats geführt, das jährliche Renditen auf bis zu 2 Milliarden Dollar an Prämien ermöglichen könnte. Blackstone erklärte, alle Lloyd's-Investitionen würden weiterhin innerhalb der etablierten Lloyd's-Genehmigungs- und Aufsichtsrahmen sowie zusammen mit bestehenden etablierten Marktteilnehmern getätigt. Aon erklärte, seine Kunden erwarteten, dass das Unternehmen Lösungen entwickle, die alle Formen verfügbaren Kapitals berücksichtigten.
Aki Hussain, Chief Executive des Versicherers Hiscox, sagte dem FT, es entstehe kein neues Geschäft, sondern lediglich mehr Kapital für bestehendes Geschäft, was die Preise drücken könnte – in einer Zeit, in der die Preise für kommerzielle Versicherungen stark sinken. Traditionell besprechen Versicherungsmakler mit Kunden alle Risiken, die sie abdecken möchten, etwa Cyberangriffe oder Überschwemmungen, und suchen dann nach den besten Konditionen von Versicherern. Zunehmend schaffen Makler jedoch Einrichtungen, in denen sie Risiken bündeln und an vorausgewählte Versicherer weiterleiten.
Auch der Anleihemarkt steht im Fokus. In dieser Woche erreichten die Renditen von 10- und 30-jährigen US-Staatsanleihen Höhen, die seit Mitte der Nullerjahre nicht mehr gesehen wurden. "Auf dem Markt scheint es im Bereich Feste Erträge viele Schmerzen zu geben", sagte Mohit Kumar von Jefferies. Die Renditeanstiege wurden laut Kumar dadurch verschärft, dass Hedgefonds Wetten auf eine Überperformance kurzfristiger Schuldtitel abwickeln mussten. Eine weitere "enttäuschende" Rückkaufoperation des Finanzministeriums trug zur Schwäche des Marktes bei, sagte Ian Lyngen, Leiter der US-Zinsstrategie bei BMO Capital Markets.
"Wir befinden uns in einer korrelierten Bewegung nach oben bei den Renditen. Es gibt kein Entkommen", sagte Eric Robertsen, Leiter der globalen Forschung und Chief Strategist bei Standard Chartered in Singapur. Einige Theoretiker führen Probleme mit dem Schuldangebot nicht nur auf zu viele Emissionen der US-Regierung und anderer Staaten zurück, sondern auf Schuldtitelangebote von Hyperscalern. Die Idee dahinter: Massive Emissionen dieser Technologiekonzerne könnten Nachfrage nach langfristigen US-Staatsanleihen "verdrängt" haben. Forschungsergebnisse der Federal Reserve Bank of Dallas deuteten darauf hin, schreibt Toby Nangle – kommt aber zu dem Schluss, dass die Hyperscaler wahrscheinlich nicht schuld sind. Stattdessen hängt dies eher mit der Stärke der US-Wirtschaft und der Geopolitik zusammen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 30.07.2026 berichtete aktien.news, dass Situational Awareness nach massiven Verlusten im jüngsten KI-Aktienausverkauf dringend Kapital suchte. Der Fonds mit einem Volumen von 20 Milliarden US-Dollar führte Gespräche mit bestehenden Investoren und Kreditgebern, um frisches Kapital aufzunehmen; einigen Anlegern wurde zudem die Option angeboten, Vermögenswerte direkt aus dem Portfolio zu erwerben.
Am 01.08.2026 berichtete aktien.news über Leopold Aschenbrenner, der vor zwei Jahren mit einem 165-seitigen Essay als eine Art Prophet des kommenden Zeitalters der künstlichen Superintelligenz galt. Sein Essay mit dem Titel "Situational Awareness", veröffentlicht im Juni 2024, wurde im Silicon Valley zur Pflichtlektüre und machte ihn zu einer der bekanntesten Stimmen der KI-Szene.
Am 05.08.2026 meldete aktien.news, dass prominente Investoren auf den damals noch unbekannten Fonds setzten. Zu den bekannten Geldgebern zählen laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen Dan Sundheim, Gründer des Hedgefonds D1 Capital Partners und bedeutender SpaceX-Aktionär, sowie Neil Mehta, Mitbegründer der Risikokapitalgesellschaft Greenoaks und bekannter Silicon-Valley-Investor.
Ebenfalls am 05.08.2026 berichtete aktien.news, dass Ken Griffins Citadel im Juli 2026 außergewöhnliche Gewinne erzielte – begünstigt durch eine breite Erholung bei Risikoanlagen sowie den vergünstigten Erwerb von Vermögenswerten aus dem Zusammenbruch von Situational Awareness. In diesem Zusammenhang haben die Fed und die BoE die Aufsicht über die Bankenexposition gegenüber Trading-Firmen nach dem jüngsten Verlust von Jane Street aufgrund des KI-fokussierten Hedgefonds Situational Awareness verschärft.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger sind diese Nachrichten vor allem ein Signal über die Verflechtung von Banken, Hedgefonds und dem Versicherungssektor. Die mehr als 200 Millionen Dollar an Gebühren zeigen, wie stark einzelne Institute von wenigen großen Kunden abhängen können – und wie schnell sich das ändert, wenn ein Fonds sein Leverage zurückfährt. Zugleich verschieben sich mit dem Vordringen privater Kapitalgruppen in die Rückversicherung die Machtverhältnisse in einem Markt, der traditionell von Versicherern und Maklern geprägt war.
Am Anleihemarkt wirken die gestiegenen Renditen langfristiger US-Staatsanleihen auf alle Anlageklassen. Steigende Renditen gehen mit fallenden Kursen bereits ausgegebener Anleihen einher und verteuern die Finanzierung – ein Umfeld, das Marktbeobachter derzeit als von "Schmerzen" im Bereich Feste Erträge geprägt beschreiben. Wer Anleihen hält, spürt diese Bewegung unmittelbar im Depot.
Ausblick
Aschenbrenners Fonds bleibt Kunde bei Goldman, die künftigen Gebühren dürften aber geringer ausfallen, nachdem er im Juli erklärt hat, keine Schulden mehr zur Hebelung seiner Wetten aufzunehmen. In Großbritannien plant der Versicherer und Vermögensverwalter L&G, ein Zehntel seiner Belegschaft zu kürzen. Die Private-Equity-Gruppen Warburg Pincus und Clayton Dubilier & Rice befinden sich in fortgeschrittenen Buyout-Gesprächen, um die britische Vermögensverwaltungssparte von Canaccord zu kaufen. Peter Hargreaves erklärte dem FT zudem, Großbritannien könne es sich nicht leisten, weitere "große Steuerzahler" zu verlieren.
Kurz erklärt
- Prime Brokerage: Dienstleistung von Investmentbanken, die Hedgefonds mit Finanzierung, Wertpapierleihe und Abwicklung versorgt.
- Leverage: Einsatz von geliehenem Kapital, um die Renditechancen einer Position zu erhöhen.
- Rückversicherung: Absicherung von Versicherungsunternehmen gegen große oder gebündelte Risiken.
- Rendite: Erträge aus einer Kapitalanlage, meist als Prozentsatz des eingesetzten Betrags angegeben.
