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Globus in Russland: Hyperglobus, Steuern und Kriegsfinanzierung

Globus bleibt in Russland und gliedert sein Geschäft in Hyperglobus aus – Steuerzahlungen und lokale Partnerschaften werfen heikle Fragen auf.

• 3 Min
Globus in Russland: Hyperglobus, Steuern und Kriegsfinanzierung

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 zogen sich zahlreiche westliche Handelsunternehmen aus Russland zurück. McDonald's, IKEA und Obi gehören zu den bekanntesten Beispielen. Der deutsche Lebensmittelhändler Globus entschied sich anders: Das Unternehmen blieb im Land, gliederte sein Russlandgeschäft im vergangenen Jahr jedoch in die eigenständige Gesellschaft Hyperglobus aus.

An der Eigentümerstruktur änderte diese Konstruktion wenig. Die Familie Bruch bleibt Mehrheitseignerin von Hyperglobus. Thomas Bruch holte Anfang Oktober Gerhard Schröder, den früheren Bundeskanzler, in den Aufsichtsrat von Hyperglobus. Die Trennung zwischen Globus und Hyperglobus vollzieht sich nach Darstellung des zugrunde liegenden Berichts damit im Wesentlichen auf dem Papier.

Finanziell fließen weiterhin Mittel in den russischen Staatshaushalt. Nach Angaben von Business4Ukraine zahlte Globus in den Jahren 2022 bis 2025 rund 86 Millionen Euro an Steuern an den russischen Staat. Nezir Sinani, Vorsitzender von Business4Ukraine, bringt den Vorwurf auf den Punkt: "Der nutzt das Geld, um damit auch den Krieg in der Ukraine zu finanzieren".

Das Geschäft in Balaschicha

Besondere Aufmerksamkeit erregt der Hyperglobus-Markt in Balaschicha. Dieser Standort finanziert eine Gruppe namens "Freiwillige von Balaschicha", die die russischen Streitkräfte unterstützt. Die Gruppe arbeitet eng mit der örtlichen Stadtverwaltung zusammen und liefert nach Angaben des Berichts Generatoren, Drohnen, Lebensmittel und Anti-Drohnen-Umhänge.

Eine einzelne Lieferung umfasste mehr als zwei Tonnen Hilfsgüter. Russische Kampftruppen bedankten sich per Video aus der Ukraine, und das russische Fernsehen berichtete über die Gruppe und ihre Tarnnetze. Eine militärische Unterstützung bestreitet die Gruppe nicht vollständig. Hyperglobus selbst weist eine Unterstützung militärischer Handlungen zurück. Der Begriff "militärische Spezialoperation" bezeichnet dabei den russischen Angriffskrieg.

Stille Komplizen und wachsende Risiken

Der Wirtschaftsethiker Markus Scholz von der TU Dresden ordnet das Verhalten grundsätzlich ein: "Sie machen sich zumindest zu stillen Komplizen des russischen Regimes und dessen Angriffskriegs". Auf den Einwand, die Versorgung der Bevölkerung sei gefährdet, verweist Scholz darauf, dass auch andere Supermarktketten diese Aufgabe übernehmen könnten; er sieht die Profitabsicht im Vordergrund.

Globus begründet seinen Verbleib in Russland genau mit dieser Lebensmittelversorgung der Bevölkerung. Zugleich zeigen lokale Partnerschaften und Steuerzahlungen für deutsche Firmen erhebliche Risiken: Das Beispiel Metro verdeutlicht, dass eine staatliche Beschlagnahmung drohen kann. Die Ausgliederung in Hyperglobus und der Schröder-Sitz im Aufsichtsrat gelten in der Berichterstattung als mögliche Rückversicherung.

Der russische Markt bleibt für das Unternehmen attraktiv. Die russischen Märkte verzeichnen im laufenden Jahr ein Umsatzplus von rund sechs Prozent. Thomas Bruch nahm im Juni zudem am Wirtschaftsforum in St. Petersburg teil.

Was bedeutet das für Anleger?

Für deutsche Privatanleger ist die Causa ein Lehrstück über Governance-Risiken. Wer in Unternehmen mit Russlandgeschäft investiert, sollte auf folgende Punkte achten:

  • Transparenz: Wie offen berichtet das Unternehmen über Steuerzahlungen, Partnerschaften und lokale Verflechtungen?
  • Reputationsrisiko: Kritik von Organisationen wie Business4Ukraine oder aus der Wissenschaft kann Marke und Absatz beeinflussen.
  • Rechtliche Risiken: Lokale Kooperationen können später zu Konflikten mit Sanktionsregeln und staatlichen Eingriffen führen.
  • Strukturen: Ausgliederungen und Aufsichtsratsbesetzungen sind ein Hinweis darauf, wie ernst das Management die politische Dimension nimmt.

Die Trennung von Globus und Hyperglobus mag rechtlich sauber erscheinen. Entscheidend bleibt, wer wirtschaftlich profitiert – und welche Verantwortung daraus für Anleger und Unternehmen folgt.

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