Glencore suspendiert Führungskraft in milliardenschwerem Rechtsstreit
Rohstoffriese beurlaubt Handelschef nach Milliardenklage eines Singapur-Händlers

Der Rohstoffkonzern Glencore gerät zunehmend unter Druck. Wie unter anderem Bloomberg und die Financial Times berichten, hat das Unternehmen seinen Leiter für den Eisenerzhandel, Peter Hill, beurlaubt. Hintergrund ist ein eskalierender Rechtsstreit mit dem in Singapur ansässigen Händler Radiant World, der mittlerweile ein Volumen von zwei Milliarden US-Dollar erreicht hat. Glencore selbst lehnte eine offizielle Stellungnahme zu der Personalie ab.
Der Konflikt zwischen den beiden Unternehmen hat eine Vorgeschichte, die bis ins Jahr 2021 zurückreicht. Damals hatte Radiant auf fallende Eisenerzpreise gesetzt – eine Wette, die spektakulär scheiterte. Aufgrund der hohen Nachfrage chinesischer Stahlwerke stieg der Markt massiv an, und Radiant sah sich plötzlich mit einer Forderung von 1,1 Milliarden US-Dollar von Glencore konfrontiert.
Doch anstatt den Betrieb einzustellen, wuchs Radiant in den Folgejahren rasant. Bis 2025 steigerte das Unternehmen seinen Umsatz auf nahezu zehn Milliarden US-Dollar. Dieser Aufstieg soll laut einer in Singapur eingereichten Klage auf einer stillschweigenden Vereinbarung mit Glencore-Führungskräften beruhen. Demnach hätten diese Radiant bei der Kapitalbeschaffung unterstützt und eine Beteiligung am Unternehmen in Aussicht gestellt.
Schwere Vorwürfe und brisante Beweise
Die Anschuldigungen wiegen schwer. Radiant behauptet, Glencore habe die „wahre Natur“ ihrer Handelsbeziehungen bewusst vor den Aufsichtsbehörden verborgen. Dies sei besonders brisant vor dem Hintergrund der Auflagen, die Glencore im Zuge eines Korruptionsvergleichs mit dem US-Justizministerium (DOJ) im Jahr 2022 auferlegt wurden.
Als Beweismittel dienen unter anderem WhatsApp-Nachrichten zwischen dem suspendierten Glencore-Manager Peter Hill und Radiant-Gründer Pinkesh Nahar. Diese deuten auf alternative Kommunikationskanäle hin, die eine Überwachung durch das DOJ umgehen sollten. Glencore weist die Vorwürfe entschieden zurück und beschuldigt Radiant seinerseits der Fälschung von Rechnungen und Verträgen sowie der Fabrikation von E-Mails.
Die Geschäftsbeziehung zwischen den beiden Unternehmen reicht bis ins Jahr 2008 zurück. Sie geriet ins Wanken, als Zweifel an der Echtheit der Handelsdokumente aufkamen. Glencore schloss sich daraufhin einer Reihe von Banken und Finanzinstituten an, die Radiant Betrug vorwerfen.
Milliardenforderungen und finanzielle Schieflage
Besonders betroffen von der Eskalation ist der Handelsfinanzierungsfonds Point Bonita Capital, der von der US-Investmentbank Jefferies unterstützt wird. Der Fonds hält Forderungen in Milliardenhöhe gegen Radiant und das verbundene Unternehmen Sapphire Minmetals. Während Radiant seine Solvenz beteuert, zeichnen Gerichtsdokumente ein düsteres Bild: In einem Fall wurde das verbleibende Barvermögen auf lediglich 10.000 US-Dollar beziffert.
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Risiken im Handelsfinanzierungssektor. Radiant sieht sich nun mit Ermittlungen der Polizei in Singapur, des US-Justizministeriums und der britischen Financial Conduct Authority konfrontiert. Glencore betont, dass die aktuelle Situation das Resultat von Radiants eigenem Fehlverhalten sei. Man habe die Zusammenarbeit nach fast 20 Jahren beendet.
Für Anleger bleibt die Situation schwer einschätzbar. Der Fall zeigt, wie schnell milliardenschwere Handelsbeziehungen in einem rechtlichen und finanziellen Desaster enden können – insbesondere dann, wenn regulatorische Auflagen und interne Kontrollmechanismen umgangen werden. Die Entwicklungen rund um Glencore und Radiant werden daher genau beobachtet werden müssen.
