Gem Diamonds hebt Prognose für 2026 dank großer Diamanten an
Der Bergbaukonzern erwartet 78.000 bis 80.000 Karat und steigert den Umsatz im dritten Quartal auf 34,8 Millionen US-Dollar.

Gem Diamonds hat seine Produktions- und Absatzprognose für 2026 angehoben. Der auf Afrika fokussierte Bergbaukonzern (LON: GEMD) begründet den Schritt mit außergewöhnlich großen Diamanten, die die Umsatzerlöse im dritten Quartal gesteigert haben – und das trotz eines Rückgangs der verkauften Karat um 35 Prozent. Die verbesserte Aussicht folgt auf die Rückkehr zur Profitabilität im ersten Halbjahr 2026.
Konkret erwartet das Unternehmen, in diesem Jahr 78.000 bis 80.000 Karat zu gewinnen. Zuvor hatte die Prognose bei 75.000 bis 78.000 Karat gelegen. Als Gründe nennt Gem Diamonds die operative Leistung und die Kostenkontrollen. Auch die Absatzprognose wurde angehoben, und zwar von 77.000 bis 80.000 Karat auf 79.000 bis 81.000 Karat.
„Die Verkäufe der Rohdiamanten aus Letšeng im September erzielten gute Preise, wobei die Ergebnisse durch den Verkauf des außergewöhnlichen 347-Karat-Diamanten ‚Lesotho Jubilee‘ weiter gestützt wurden“, sagte CEO Clifford Elphick. „Diese Ergebnisse sind ermutigende Indikatoren dafür, dass Nachfrage und Preise für Diamanten in Letšeng-Qualität stabil sind.“
Der Umsatz steigt auf 34,8 Millionen US-Dollar und der Durchschnittspreis um 73 Prozent
Die Umsatzerlöse im dritten Quartal stiegen auf 34,8 Millionen US-Dollar, nach 25,7 Millionen US-Dollar ein Jahr zuvor. Gleichzeitig sanken die Verkaufsmengen um 22 Prozent auf 17.899 Karat, nach 22.830 Karat im Vorjahreszeitraum. Der durchschnittlich realisierte Preis sprang um 73 Prozent auf 1.945 US-Dollar pro Karat, nach 1.124 US-Dollar zuvor.
Besonders prägend waren vier Diamanten, die für jeweils mehr als eine Million US-Dollar verkauft wurden. Zusammen erzielten sie 22,2 Millionen US-Dollar, was nahezu 64 Prozent der quartalsweisen Umsatzerlöse entspricht. Zu ihnen zählte der 347-Karat-Diamant Lesotho Jubilee, ein weißer Typ-II-Diamant, der im zweiten Quartal gefördert und im dritten Quartal verkauft wurde.
Die Fördermenge in Letšeng sinkt, drei Steine überschreiten 100 Karat
Die Fördermengen in der Letšeng-Mine in Lesotho gingen um 13 Prozent auf 19.299 Karat zurück, nach 22.268 Karat im Vorjahr. Während des Quartals wurden drei Diamanten mit einem Gewicht von mehr als 100 Karat geborgen. Damit erhöhte sich die Gesamtzahl seit Jahresbeginn auf sechs.
Die Abbaul- und Aufbereitungsaktivitäten konzentrierten sich weiterhin auf die Main Pipe. Aus dem verbliebenen Material im aktuellen Satellite Pipe Cutback wurden lediglich 7.143 Tonnen Erz verarbeitet. Die Vorbereitungen für die nächste Phase des Abbaus in der Satellite Pipe laufen weiter.
Nedbank und Standard Bank sollen die revolvierenden Kreditlinien erneuern
Gem Diamonds finalisiert derzeit die kommerziellen Bedingungen mit der Nedbank und der Standard Bank. Ziel ist es, die revolvierenden Kreditlinien (revolving credit facilities) vor deren Ablauf am 21. Dezember 2026 zu erneuern. Die Refinanzierung fällt in eine Phase, in der Lesotho daran arbeitet, einen variablen Diamantenroyalty-Satz zwischen 3 Prozent und 6 Prozent einzuführen.
Diese politische Maßnahme wird vom Unternehmen ausdrücklich begrüßt. „Die Vereinbarung der Regierung von Lesotho zur Einführung einer variablen Royalty-Rate zwischen 3 Prozent und 6 Prozent ist eine gute politische Entscheidung, die die langfristige Nachhaltigkeit des Bergwerks sicherstellt“, so Elphick.
An der Börse kam die Nachricht dennoch nicht gut an. Die Aktien von Gem Diamonds fielen im Nachmittagshandel in London um 14,2 Prozent auf 12,44 Pence. Das entspricht einer Marktkapitalisierung von 17,4 Millionen Pfund beziehungsweise 23,5 Millionen US-Dollar.
Bereits am 28. Juli 2026 berichtete aktien.news über acht Premiumsteine
Bereits am 28.07.2026 berichtete aktien.news, dass Gem Diamonds im ersten Halbjahr 2026 trotz eines herausfordernden Marktumfelds starke Ergebnisse erzielt hatte. Damals steigerte der Konzern die durchschnittlichen Rohdiamantenpreise auf 1.395 US-Dollar pro Karat. Acht Diamanten erzielten jeweils einen Verkaufspreis von mehr als einer Million US-Dollar und generierten zusammen einen Gesamtumsatz von 16,1 Millionen US-Dollar. Der höchste Einzelpreis lag bei 32.908 US-Dollar pro Karat, erzielt für einen weißen Diamanten von 52,24 Karat.
Auch am 20.05.2026 war das Muster bereits erkennbar. Wie aktien.news berichtete, meldete Gem Diamonds für das zum 31. März abgeschlossene Quartal einen Gesamtumsatz von 32,1 Millionen US-Dollar. Das Ergebnis wurde maßgeblich durch den Verkauf großer, hochwertiger Diamanten aus der Letšeng-Mine gestützt. Die Produktion stammte gemäß dem Minenplan primär aus der Main Pipe, die als minderwertigere der beiden Erzquellen gilt, während der Beitrag der höherwertigen Satellite Pipe entsprechend geringer ausfiel.
Der Blick auf den breiteren Markt relativiert die Entwicklung. Am 20.10.2026 berichtete aktien.news, dass De Beers für das zum 30. September endende dritte Quartal einen Rückgang der Rohdiamantenförderung um 11 Prozent im Jahresvergleich auf 6,8 Millionen Karat gemeldet hatte. Trotzdem hob De Beers seine Produktionsprognose für das laufende Jahr von zuvor 21 bis 26 Millionen Karat auf nunmehr 25 bis 28 Millionen Karat auf 100-Prozent-Basis an. Am 25.09.2026 meldete aktien.news zudem, dass Gemfields für das erste Halbjahr bis zum 30. Juni einen Nettoverlust nach Steuern von 73,5 Millionen US-Dollar erwartet.
Für deutsche Privatanleger zählt vor allem die Abhängigkeit von einzelnen Steinen
Die Zahlen zeigen ein Geschäftsmodell, das stark von einzelnen außergewöhnlichen Funden abhängt. Vier Steine trugen im dritten Quartal nahezu 64 Prozent der Umsatzerlöse, während die verkaufte Menge deutlich zurückging. Anleger sollten daher beachten, dass Umsatz und Durchschnittspreis stark schwanken können, wenn große Diamanten fehlen. Gleichzeitig sinkt die Fördermenge, was die Fixkostenbelastung je gefördertem Karat erhöht.
Hinzu kommt die Finanzierungsseite. Die Erneuerung der revolvierenden Kreditlinien mit Nedbank und Standard Bank steht bis zum 21. Dezember 2026 an. Ein weiterer Faktor ist der geplante variable Royalty-Satz in Lesotho zwischen 3 Prozent und 6 Prozent, der die Kostenstruktur künftig mit dem erzielten Preisniveau verknüpft. Der Kursrückgang von 14,2 Prozent am Berichtstag zeigt, dass der Markt die vorgelegten Zahlen trotz der angehobenen Prognose kritisch aufgenommen hat.
Die nächsten Schritte betreffen Satellite Pipe und Kreditlinien
Für die kommenden Monate stehen zwei Themen im Vordergrund. Zum einen laufen die Vorbereitungen für die nächste Phase des Abbaus in der Satellite Pipe. Zum anderen soll die Erneuerung der revolvierenden Kreditlinien vor dem 21. Dezember 2026 abgeschlossen werden. Darüber hinaus hält das Unternehmen an seiner angehobenen Prognose fest: 78.000 bis 80.000 Karat Förderung und 79.000 bis 81.000 Karat Absatz für 2026.
Drei Fachbegriffe erklären die wichtigsten Mechanismen des Geschäfts
- Karat: Gewichtseinheit für Diamanten, mit der die Größe eines einzelnen Steins angegeben wird.
- Rohdiamant: Noch nicht geschliffener Diamant, wie er direkt aus der Mine verkauft wird.
- Revolvierende Kreditlinie: Kreditrahmen, der nach einer Rückzahlung erneut in Anspruch genommen werden kann.
