JPMorgan-Fondsmanager Cook setzt auf KI-Chips, Ferrari und Pflegeheime
James Cook, Manager des JPMorgan Global Growth & Income, erläutert Aktienauswahl, KI-Strategie und zwei neue Ideen für das Portfolio.

James Cook, Portfolio Manager des JPMorgan Global Growth & Income Investment Trust (LSE: JGGI), hat in einem Interview mit interactive investor detaillierte Einblicke in die Strategie des Fonds gegeben. Der Trust sucht die besten 50 Ideen aus einer Forschungsplattform, auf der 2.500 Unternehmen analysiert werden. Weniger als 3% der geprüften Firmen schaffen es ins finale Portfolio.
Cook bezeichnet die Strategie als eine der überzeugungsstärksten im Aktienmarkt, zumindest innerhalb der JPMorgan-Wände. Weltweit stünden mehr als 80 Analysten zur Verfügung, jeder mit typischerweise einem Junior-Analysten und durchschnittlich über 20 Jahren Branchenerfahrung. Hinzu kommt eine verbesserte Dividendenpolitik: Der Trust zahlt 4% des Nettoinventarwerts in vier gleichen Quartalsraten aus, was einer Quartalsdividendenrendite von 1% entspricht.
Der Fonds bleibt ausgewogen und setzt auf Aktienauswahl
Im vergangenen Jahr blieb das Portfolio ausgewogen zwischen zyklischen und defensiven Werten sowie zwischen stark und schwach wachsenden Aktien, wobei Letztere typischerweise dem Value-Investing zuzuordnen sind. Am Rande bewegte sich der Fonds in Richtung industrieller Zykliker, weil die KI-Capex auf andere Sektoren übergriff. Anfang 2026 erhöhte der Trust seine bestehende Position in Volvo AB Class B (OMX: VOLV B) und baute eine neue Position in United Rentals Inc (NYSE: URI) auf.
United Rentals, der größte Anbieter von Baumaschinen in den USA, wurde zu rund 800 Dollar gekauft. Die Aktie stieg auf 1.100 Dollar, anschließend veräußerte der Fonds die Position wieder – aus Bewertungsdisziplin. Zusätzlich baute der Trust eine Position in Tokio Marine auf, weil sich die Dividenden nach Gewinnsteigerungen positiv entwickelten und das Unternehmen Kreuzbeteiligungen verkaufte, um ROE-steigernde Akquisitionen zu finanzieren. Der Kurs stieg um rund 35%.
An Überzeugung verlor der Fonds dagegen bei The Walt Disney Co (NYSE: DIS). Cook betont, dass man momentumbewusst bleibe: Wenn sich eine These nicht entfalte, gebe es viele andere Möglichkeiten.
Die KI-Strategie teilt sich in zwei Bereiche
Cook unterteilt die KI-Möglichkeiten in zwei Teile: die Phase der „Picks and Shovels“ mit Halbleitern, industriellen Capex-Spielern und Energieanbietern sowie die KI-Ermöglicher. Bei den „Picks and Shovels“ hat der Fonds ein leichtes Übergewicht, setzt aber auf langfristige Qualitätsunternehmen wie NVIDIA Corp (NASDAQ: NVDA), Taiwan Semiconductor Manufacturing Co Ltd ADR (NYSE: TSM) und ASML Holding NV (EURONEXT: ASML). Deren Bewertung im Verhältnis zum erzielten Wachstum hält Cook für attraktiv.
Finanziert wird dies durch Untergewichte bei den KI-Engpässen. Viele dieser kommodifizierten Bereiche hätten übermäßig verdient. SanDisk Corp (NASDAQ: SNDK) etwa steigerte seine EBIT-Marge von 12% auf über 60%; Cook erwartet mittelfristig eine Korrektur, wenn das Angebot zurückkehrt. Auch bei den Anbietern industrieller Capex ist der Fonds untergewichtet, weil das Gewinnwachstum nach dem Bau der Rechenzentren noch relativ unklar sei.
Bei den Hyperscalern mag der Fonds Microsoft Corp (NASDAQ: MSFT) und Amazon.com Inc (NASDAQ: AMZN). Der Markt sei zwar besorgt über die Kapitalintensität, doch Cook sieht diese am Höhepunkt ihrer Belastung, während sich der Free Cash Flow positiv entwickelt. Die Renditen auf das eingesetzte Kapital seien gesund und verbesserten sich, wie Microsoft mit Preisanpassungen für KI-Funktionen in den jüngsten Quartalsergebnissen gezeigt habe.
Ferrari und Ventas sind die neuen Ideen
Zwei neue Ideen kamen 2026 hinzu. Ferrari NV (MTA: RACE) bietet Exposure zum widerstandsfähigsten und am schnellsten wachsenden Konsumenten: ultra-vermögenden Personen. Ende 2025 notierte die Aktie beim Fünfzigfachen des Gewinns, was Cook zu teuer erschien. Anfang 2026 kamen Bedenken zum Elektrofahrzeug Luce auf, die Aktie fiel auf das Dreißigfache des Gewinns. Cook hielt die Reaktion für massiv übertrieben und baute eine Position auf. Der Luce war ausverkauft und lag beim Preispunkt über dem durchschnittlichen Verkaufspreis der Ferrari-Fahrzeuge.
Die zweite Idee ist Ventas Inc (NYSE: VTR). Ein großer struktureller Wachstumstreiber außerhalb der KI ist, dass Babyboomer 80 Jahre alt werden und typischerweise in betreute Wohnanlagen ziehen. Die Nachfrage steigt, während das Angebot wegen höherer Baukosten, Zölle und erschwerter Arbeitskräfteverfügbarkeit knapp bleibt. Für die nächsten drei Jahre erwartet Cook nur ein sehr begrenztes Angebotswachstum bei steigender Nachfrage, was die Preissetzungsmacht stärken sollte.
Der Fonds bleibt stark auf die USA ausgerichtet
Der Fonds kann weltweit investieren, ist aber stark auf die USA fokussiert, weil dort oft einige der hochwertigsten Unternehmen zu finden sind. Cook sieht außerhalb der USA derzeit keine substanzielle Bewertungsgelegenheit, die es rechtfertigen würde, viel Kapital in andere Weltregionen zu bewegen.
Bei dividendenstarken Aktien teilt der Fonds die Welt nicht in Einkommens- und Wachstumswerte ein, sondern fragt nach der erwarteten Gesamtrendite. Diese Flexibilität sei ein Wettbewerbsvorteil, weil man nicht gezwungen sei, hohe Yields in weniger wachstumsstarken und qualitativ schwächeren Marktsegmenten zu jagen. Hohe Yields stammen meist aus Europa, da die USA eher auf Aktienrückkäufe setzen. Zu den Namen zählen Volvo mit zyklischem Aufwärtspotenzial und stabiler Dividendenrendite sowie Munich Re, der größte Rückversicherer der Welt, der von höheren Zinserträgen profitieren sollte, wenn die Zinssätze erhöht bleiben.
