FT Innovative Lawyers Europe 2026: Kanzleien prägen KI und Energiewende
Die Financial Times zeichnet die innovativsten Rechtsdienstleistungen Europas aus – von generativer KI bis zu Kohlenstoffabscheidung.

Die Financial Times hat in ihrem wöchentlichen Newsletter die innovativsten Leistungen von Anwälten in Europa vorgestellt. FT-Herausgeberin Roula Khalaf wählt darin ihre Lieblingsgeschichten aus. Die neun präsentierten Fallstudien zeigen Beispiele für Rechtsdienstleistungen, die Kanzleien für ihre Kunden entwickelt haben. Alle Fallstudien wurden von RSGI recherchiert, zusammengestellt und bewertet; „Winner“ bedeutet, dass eine Organisation einen FT Innovative Lawyers Europe Award für 2026 gewonnen hat.
Die Themen reichen von KI und digitaler Regulierung über Umstrukturierung und Liability Management bis hin zu Energie und Pro-bono-Arbeit. In einigen Fällen werden Einzelpersonen für besonders herausragende Arbeit gelobt. Für deutsche Leser sind die Fallstudien vor allem deshalb interessant, weil viele der Mandate europäische Regulierung und grenzüberschreitende Transaktionen betreffen.
KI und Technologie im Fokus
Zu den Siegern zählt Addleshaw Goddard, das die britische Branchenvereinigung Open Banking dabei unterstützte, die behördliche Genehmigung für eine neue Plattform zu erleichtern. Die vorgeschlagene Alternative Commercial Variable Recurring Payments (cVRPs) wurde im Juni 2026 eingeführt und deckt bisher Transaktionen in regulierten Branchen ab. Um kartellrechtliche Risiken zu vermeiden, half die Kanzlei, koordinierte Stellungnahmen von Aufsichtsbehörden einzuholen, und vermittelte eine Einigung unter 31 konkurrierenden Banken und Fintech-Unternehmen.
Herbert Smith Freehills Kramer erhielt die Zustimmung der Gegenseite, generative KI-Rechtssoftware zur Überprüfung von 97.000 Gerichtsunterlagen im High-Court-Prozess für den Prime-Brokerage-Kunden Equiti Capital einzusetzen. Laut Kanzlei sparte dies fast 300 Anwaltstage; der Fall soll im Juni 2027 verhandelt werden. Bird & Bird unterstützte die Europäische Kommission beim dreijährigen Programm European Blockchain Regulatory Sandbox, das im Februar 2026 endete, Teilnehmer aus 30 europäischen Ländern anzog und 60 Anwendungsfälle für Blockchain identifizierte. Ashurst Perkins Coie nutzte eine KI-Datenbank, um innerhalb von sechs Monaten Risikoprüfungen für 1.000 Kredite einer multinationalen Bank durchzuführen.
Energiewende und nachhaltige Finanzierung
Pinsent Masons gewann mit der Beratung des britischen Ablegers der deutschen Baustoffgruppe Heidelberg Materials. Die Kanzlei half, staatliche Mittel für Bau und Betrieb einer Kohlenstoffabscheidungs- und -speicherungsanlage (CCS) zu sichern. Die Anlage in Padeswood in Nordwales soll voraussichtlich 2029 in Betrieb gehen und jährlich rund 800.000 Tonnen CO₂ aus den bestehenden Zementwerken abscheiden. Garrigues beriet das spanische Agrarunternehmen PSB Producción Vegetal bei der Übernahme durch den Londoner Fonds Cibus Fund II.
Im Energiebereich fällt zudem der Verkauf des 190 km langen Unterwasser-Stromkabels Greenlink für 1 Mrd. Euro an das deutsche Energieversorgungsunternehmen Baltic Cable und den Infrastrukturinvestor Equitix, bei dem Arthur Cox führender irischer Berater war. Loyens & Loeff beriet die niederländische Rentengruppe APG beim Erwerb einer Anteilsbeteiligung von 250 Mio. Euro an dem Unternehmen für nachhaltigen Luftfahrtkraftstoff SkyNRG.
Pro-bono und Menschenrechte
Travers Smith gewann in der Kategorie Pro-bono. Die Kanzlei koordiniert ein Netzwerk aus Polizeibeamten, Gesundheitsfachkräften, Psychologen und Dolmetschern, um Opfer von Menschenhandel zu unterstützen. Laut Kanzlei sicherte sie 2025 zwölf Überlebenden mehr als £100.000 an Entschädigungen der Criminal Injuries Compensation Authority (CICA). Trial International koordinierte die Zeugenaussagen im Prozess gegen Roger Lumbala, den ehemaligen Rebellenführer der Demokratischen Republik Kongo, der im Dezember zu 30 Jahren Haft verurteilt wurde.
Freshfields unterstützte die Wohltätigkeitsorganisation Asylum Aid bei der erfolgreichen Anfechtung neuer britischer Einwanderungsregeln und widmete mehr als 2.500 Pro-bono-Stunden. Asters leitete die Beweissammlung für das ukrainische Justizministerium für Verfahren gegen Russland vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Sayenko Kharenko unterstützte ein Opfer von Polizeigewalt und Vergewaltigung in der Ukraine; das oberste Gericht des Landes bestätigte im März eine 11-jährige Gefängnisstrafe für die verantwortlichen Beamten.
Kapitalmärkte und Restrukturierung
Dechert wurde als Sieger ausgezeichnet für die Beratung der US-Vermögensverwalter Barings und Ares Management bei Private-Credit-Collateralised-Loan-Obligation-Transaktionen. Im Juni 2025 beriet Dechert Ares bei der Bewertung des ersten europäischen Direct-Lending-CLO in Höhe von 305 Mio. Pfund; im Oktober 2025 folgte ein €401-Mio.-Fahrzeug für Barings. A&O Shearman beriet Amundi Asset Management bei der Einführung eines börsengehandelten Bitcoin-Produkts im April 2026, dem ersten von der französischen Finanzmarktaufsicht genehmigten. Borenius beriet die finnische Quantencomputing-Gruppe IQM bei der doppelten Notierung an der Nasdaq und der Nasdaq Helsinki, wodurch IQM auf 1,8 Mrd. Dollar bewertet wurde.
