Nike-Aktie 81% unter Allzeithoch: Kaufchance oder riskantes Investment?
Der Sportartikelriese verlor massiv an Wert und flog aus dem S&P 100 – trotz hoher Dividende bleiben erhebliche Risiken.

Die Nike-Aktie (NKE) hat in den vergangenen zweieinhalb Jahren eine bemerkenswerte Talfahrt hingelegt. Während das Unternehmen einst zu den florierenden Giganten des Konsumgütersektors zählte, haben gescheiterte Wachstumsstrategien den Sportartikelkonzern zu einer der prominentesten Enttäuschungen des Marktes gemacht. Im vergangenen Monat wurde Nike aus dem S&P-100-Index ausgeschlossen, da die Marktkapitalisierung unter das für eine Aufnahme erforderliche Niveau gefallen war. Zuvor war das Unternehmen 18 Jahre lang Bestandteil dieses Index gewesen.
Der Aktienkurs liegt nun 81% unter seinem Hoch von Ende 2021. Die Marktkapitalisierung ist von einem Spitzenwert von rund 264 Milliarden US-Dollar auf etwa 51 Milliarden US-Dollar gesunken. Für deutsche Anleger stellt sich damit die Frage, ob dieser massive Rückgang eine generationenübergreifende Kaufchance darstellt – oder ob die Probleme des Konzerns struktureller Natur sind.
Attraktive Dividende mit Fragezeichen
Bei den aktuellen Aktienkursen bietet die Nike-Dividende eine Rendite von rund 4,8%. Diese Rendite war noch nie so hoch, und der Schuh- und Bekleidungskonzern hat seine Ausschüttungen 24 Jahre lang jährlich erhöht. Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass das Unternehmen kurzfristig eine deutliche Erhöhung der Ausschüttung vornimmt, besteht eine gute Chance, dass es im November eine weitere, niedrig einstellige prozentuale Steigerung vornimmt, um den relativen Wert seiner Dividende angesichts der Inflation zu stützen.
Mit einer Erhöhung im Herbst würde Nike einen 25-jährigen Streifen an wachsenden Dividendenausschüttungen erreichen. Dies wäre eine beeindruckende Leistung – und eine, die das Führungsteam des Unternehmens möglicherweise gezielt anstrebt, um das Vertrauen der Aktionäre zu stärken. Auf der anderen Seite sollten Einkommensinvestoren die Aktie mit der Erkenntnis angehen, dass das Risiko einer Kürzung der Ausschüttung zu einem bestimmten Zeitpunkt real ist.
Schwache Zahlen und strukturelle Probleme in China
Anfang des Monats veröffentlichte Nike die Ergebnisse für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027, das am 31. August endete. Der Umsatz fiel im Berichtszeitraum im Jahresvergleich um 4% auf 11,2 Milliarden US-Dollar, und das Unternehmen prognostiziert für das Gesamtjahr eine Verschlechterung des Umsatzes um einen hoch einstelligen Prozentbereich. Entscheidend ist, dass das Management damit rechnet, dass die Umsatzschwäche im geografischen Segment Greater China bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres und ins Geschäftsjahr 2028 hinein andauern wird.
Nike sieht sich mit einem strukturellen Nachfragedefizit auf diesem Markt konfrontiert, den das Management im letzten Jahrzehnt ins Zentrum seiner Wachstumsstrategie gestellt hatte. Der Konzern blickt nun auf eine abwärtsgerichtete Umsatzkurve ohne klare Perspektive, während die Konsumenten in der Region die Marke weiterhin zugunsten lokaler Alternativen meiden. Diese Entwicklung dürfte auch für europäische Anleger relevant sein, da China lange als zentraler Wachstumsmotor der Branche galt.
Dividendenrisiko im Fokus
Zwar bietet die Nike-Aktie derzeit eine attraktive Dividendenrendite, doch das Ausschüttungsverhältnis – der Anteil des Nettogewinns, der zur Deckung der Ausschüttung erforderlich ist – wirkt angesichts der Schwierigkeiten, mit denen das Geschäft konfrontiert ist, gefährlich hoch. Das Management wird weiterhin nach Wegen suchen, die Effizienz zu verbessern, wird jedoch voraussichtlich auch die Ausgaben in einigen Bereichen erhöhen müssen, um die langfristige Wettbewerbsposition zu stärken.
Vor diesem Hintergrund sollten Anleger verstehen, dass die Erwartung fortgesetzter Dividendenzahlungen auf dem aktuellen Niveau ein riskantes Unterfangen ist. Nachrichten über eine Kürzung der Ausschüttung könnten weitere Verkaufswellen auslösen. Ob der tiefe Kursrückgang tatsächlich eine Kaufchance eröffnet, hängt damit maßgeblich davon ab, ob Nike die Nachfrageschwäche in China in den Griff bekommt und seine Wachstumsstrategie neu ausrichtet.
