Fed unter Warsh: Weniger Zinsentscheidungen ab 2027 geplant
Der Vorsitzende der US-Notenbank will die Zahl der jährlichen Zinsentscheidungen von acht auf sechs senken.

Die US-Notenbank Federal Reserve wird ihre geldpolitischen Sitzungen künftig anders strukturieren. Der Vorsitzende Kevin Warsh kündigte am Mittwoch an, dass die Fed die Zahl ihrer jährlichen Zinsentscheidungen voraussichtlich von acht auf sechs reduzieren werde. Der neue Sitzungsplan soll ab 2027 schrittweise eingeführt werden.
Warsh machte die Ankündigung im Anschluss an eine Sitzung des Federal Open Market Committee (FOMC) in Washington am 28. Oktober. Die Nachricht stammt aus einer Pressekonferenz, die der Notenbankchef nach dem turnusmäßigen Treffen des geldpolitischen Ausschusses abhielt. Damit bestätigt sich, was sich in den vergangenen Monaten bereits angedeutet hatte.
Wichtig für die Finanzmärkte: Die Fed wird weiterhin acht geldpolitische Sitzungen pro Jahr abhalten. Der Unterschied liegt in der inhaltlichen Ausrichtung. Ab dem kommenden Jahr soll eine dieser acht Sitzungen dafür genutzt werden, über die „breite Geldpolitikstrategie" zu diskutieren – ohne dass es zu einer Abstimmung über die Leitzinsen oder zur Veröffentlichung einer geldpolitischen Erklärung kommt.
Die Details
Nach den von Warsh am Mittwoch vorgestellten Plänen sinkt die Zahl der eigentlichen Zinsentscheidungen von acht auf sechs pro Jahr. Der neue Sitzungsplan wird ab 2027 schrittweise eingeführt, wie der Notenbankchef erklärte. Die Gesamtzahl der Zusammenkünfte des Offenmarktausschusses bleibt dabei unverändert bei acht Terminen jährlich.
Der entscheidende Unterschied betrifft den Charakter einzelner Sitzungen. Ab dem kommenden Jahr wird eine der acht Sitzungen zu einer reinen Strategieklausur umfunktioniert. Bei dieser Zusammenkunft wird nicht über die Leitzinsen abgestimmt, und es wird auch keine geldpolitische Erklärung veröffentlicht. Stattdessen steht die Diskussion über die „breite Geldpolitikstrategie" der Notenbank im Mittelpunkt.
Diese Zahl soll in den Folgejahren weiter steigen. Für das Jahr 2028 rechnet Warsh damit, dass sich die Zahl solcher strategischen Sitzungen auf zwei der acht FOMC-Termine erhöhen wird. Damit würde sich der Rhythmus der tatsächlichen Zinsentscheidungen weiter verringern, während der formale Sitzungskalender bestehen bleibt.
Die Ankündigung reiht sich in eine Serie von Änderungen ein, mit denen Warsh die Arbeitsweise der mächtigsten Notenbank der Welt umbaut. Seit seinem Amtsantritt hat er mehrfach mit der jahrzehntelangen Kommunikationskultur der Fed gebrochen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 06.08.2026 berichtete aktien.news, dass die US-Notenbank unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh künftig seltener tagen könnte. Damals hieß es, zu den bereits eingeleiteten Maßnahmen, die den Einfluss der Fed auf die Finanzmärkte verringern sollen, komme nun die Möglichkeit hinzu, den langjährigen Rhythmus von acht Sitzungen des Offenmarktausschusses pro Jahr zu reduzieren. Eine Fed-Quelle bezeichnete diesen Schritt seinerzeit allerdings als „weitgehend hypothetisch". Mit der nun vorgestellten Ankündigung ist aus der Möglichkeit ein konkreter Plan geworden.
Schon am 18.06.2026 berichtete aktien.news, dass Warsh bei seiner ersten Pressekonferenz als Vorsitzender einen klaren Fahrplan für einen tiefgreifenden Wandel der Federal Reserve vorgelegt habe. Die rund 43 Minuten am Podium nutzte er demnach, um eine Botschaft zu senden: Die Fed soll ruhiger, bescheidener und mit messerscharfem Fokus auf die Inflationsbekämpfung agieren. Warsh versteht seine Bestätigung als Fed-Vorsitzender als Mandat für weitreichende Reformen. Die unmittelbare geldpolitische Entscheidung fiel dabei erwartungsgemäß aus: Die 12 Mitglieder des Offenmarktausschusses stimmten einstimmig dafür, die Leitzinsen stabil bei 3,5 bis 3,75 Prozent zu belassen.
Ebenfalls am 18.06.2026 meldete aktien.news, dass Warsh seine erste Sitzung als Vorsitzender nutzte, um der Zentralbank seinen persönlichen Stempel aufzudrücken. Er kürzte die geldpolitische Erklärung, verzichtete auf eine eigene Zinsprognose und rief gleich fünf Arbeitsgruppen ins Leben. Diese sollen alles untersuchen – von der Kommunikation der Fed bis hin zur Art und Weise, wie die Notenbank die Wirtschaft analysiert. Der Schritt gilt als weitreichender Eingriff in die Funktionsweise der Zentralbank.
Bereits am 17.06.2026 hatte aktien.news berichtet, dass Warsh sein Amt mit einem klaren Ziel antrat: Die Anleihebestände der Zentralbank sollen deutlich reduziert werden. Warsh hatte im Vorfeld seiner Ernennung betont, dass die Bilanz der Fed zu groß und schädlich für die US-Wirtschaft sei. Nun muss er seine skeptischen Kollegen im Offenmarktausschuss von dieser Sichtweise überzeugen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Fed von zentraler Bedeutung, weil ihre Zinsentscheidungen direkte Auswirkungen auf Kredite, Anleihen und Aktienbewertungen haben – auch außerhalb der USA. Wenn die Zahl der tatsächlichen Zinsentscheidungen sinkt, verringert sich die Zahl der Termine, an denen die Notenbank neue Signale an die Märkte sendet. Anleger müssen sich darauf einstellen, dass Zinsimpulse künftig in größeren Abständen kommen.
Hinzu kommt der Verzicht auf geldpolitische Erklärungen bei den neuen Strategieklausuren. Wer bislang auf die kurzfristige Kommunikation der Fed nach jeder Sitzung gesetzt hat, wird sich auf ein anderes Informationsangebot einstellen müssen. Die bereits eingeleitete Einschränkung der Forward Guidance – also der Signale der Notenbank zu künftigen Zinsschritten – verstärkt diesen Effekt.
Die Kombination aus weniger Zinsentscheidungen, gestraffter Kommunikation und dem Umbau der Fed-Bilanz bedeutet für Anleger vor allem eines: mehr Unsicherheit über den künftigen geldpolitischen Kurs. Wer Positionen in US-Anleihen oder zinssensitiven Aktien hält, sollte die verbleibenden Sitzungstermine besonders aufmerksam verfolgen.
Ausblick
Der neue Sitzungsplan soll ab 2027 schrittweise eingeführt werden. Ab dem kommenden Jahr wird zunächst eine der acht jährlichen FOMC-Sitzungen als Strategieklausur ohne Zinsabstimmung und ohne geldpolitische Erklärung abgehalten. Für 2028 rechnet Warsh damit, dass sich die Zahl dieser strategischen Sitzungen auf zwei der acht Termine erhöht. Damit würde sich die Zahl der eigentlichen Zinsentscheidungen weiter reduzieren.
Kurz erklärt
- FOMC: Das Federal Open Market Committee ist der Ausschuss der US-Notenbank, der über die Leitzinsen entscheidet.
- Leitzins: Der zentrale Zinssatz, den eine Notenbank für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld festlegt.
- Forward Guidance: Die Signale einer Notenbank an die Märkte über die vermutlich künftige Zinspolitik.
