Fed senkt Leitzins erstmals seit Pandemie
Zinsschritt soll Wirtschaft beleben, Kritik an Zeitpunkt der Entscheidung im Wahljahr

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat den Leitzins zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Pandemie gesenkt. Dieser Schritt erfolgte aufgrund der nachlassenden Inflation und markiert eine bedeutende Wende in der Zinspolitik. Der Leitzins wurde um 0,5 Prozentpunkte gesenkt und befindet sich nun in einem Korridor von 4,75 bis 5,00 Prozent. Zuvor war der Zinssatz über ein Jahr lang auf dem Niveau von 5,25 bis 5,50 Prozent gehalten worden. Diese Entwicklung war erwartet worden, wenngleich viele Ökonomen mit einem kleineren Zinsschritt von 0,25 Prozentpunkten gerechnet hatten.
Der Vorsitzende der Fed, Jerome Powell, hatte bereits angekündigt, dass Zinssenkungen möglich seien, da die Inflation abnimmt. Die US-Notenbank verfolgt dabei ein Doppelmandat: Neben der Preisstabilität soll auch die Vollbeschäftigung gefördert werden. Aufgrund der abgeschwächten Teuerungsrate, die im August 2024 im Vergleich zum Vorjahr nur noch 2,5 Prozent betrug, sieht die Fed nun mehr Spielraum für geldpolitische Lockerungen. Kritiker der Zinssenkung argumentieren jedoch, dass die Kerninflationsrate, die Energie- und Nahrungsmittelpreise ausschließt, weiterhin bei 3,2 Prozent liegt.
Die Auswirkungen der Zinssenkung auf die Wirtschaft sind vielfältig. Unternehmen und Verbraucher profitieren von niedrigeren Kreditzinsen, was zu mehr Investitionen und Konsumausgaben führen kann. Dies könnte auch positive Effekte auf den Arbeitsmarkt haben, der in den USA zuletzt Anzeichen einer Schwäche gezeigt hatte. Eine schwächere Währung, wie es durch niedrigere Zinsen der Fall sein könnte, fördert zudem den Export, da US-Produkte im Ausland günstiger werden. Gleichzeitig verteuern sich Importe, was den inländischen Konsum stärkt.
Die Reaktion der Finanzmärkte auf die Zinssenkung war positiv. An den Börsen kam es zu einem Anstieg der US-Indizes, da niedrigere Zinsen Anleger dazu ermutigen, in risikoreichere Anlagen zu investieren. Während dies für Investoren vorteilhaft ist, erhalten Sparer in den USA geringere Zinsen auf ihre Einlagen, was sich negativ auf deren Erträge auswirken könnte.
Die Entscheidung der Fed kommt zu einem sensiblen Zeitpunkt, da die USA sich im Wahlkampfjahr befinden. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump hatte sich gegen eine Zinssenkung vor den Wahlen im November ausgesprochen, da diese die aktuelle Regierung unter Präsident Biden unterstützen könnte. Powell betonte jedoch, dass die Fed unabhängig sei und ihre Entscheidungen nicht durch politische Überlegungen beeinflussen lasse.
