Bank of England hält Leitzins bei fünf Prozent
Vorsichtige Geldpolitik trotz sinkender Inflation und starkem Wirtschaftswachstum in Großbritannien

Die Bank of England hat am Donnerstag beschlossen, den Leitzins in Großbritannien bei fünf Prozent zu belassen. Damit weicht sie von der jüngsten Entscheidung der Federal Reserve in den USA ab, die ihren Leitzins um einen halben Prozentpunkt gesenkt hat. Der Entscheidungsprozess innerhalb der Bank of England verlief jedoch nicht einstimmig. Acht der neun Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses stimmten für die Beibehaltung des Zinssatzes, während ein Mitglied eine sofortige Zinssenkung befürwortete. Die Bank erklärte, dass die restriktive Geldpolitik fortgesetzt werde, bis die Inflation das Ziel von zwei Prozent erreicht habe.
Die Inflationsrate in Großbritannien ist in den letzten Monaten zurückgegangen, liegt jedoch weiterhin knapp über dem angestrebten Ziel der Notenbank. Im August stiegen die Verbraucherpreise um 2,2 Prozent, was einen deutlichen Rückgang gegenüber den Vormonaten darstellt. Trotz dieses Rückgangs bleibt die Bank of England vorsichtig und möchte keine vorschnellen Zinssenkungen vornehmen, um eine nachhaltige Stabilität der Inflation sicherzustellen. Besonders im Dienstleistungssektor bleibt die Inflation mit 5,6 Prozent weiterhin hoch.
Die Entscheidung der Bank of England führte zu einer Aufwertung des britischen Pfunds, das im Vergleich zum US-Dollar auf 1,33 Dollar stieg – dem höchsten Stand seit März 2022. Der Anstieg des Wechselkurses ist auf den Renditeunterschied zwischen dem britischen Pfund und dem US-Dollar zurückzuführen, der durch die Zinssenkung der Federal Reserve noch größer wurde. Diese Entwicklung macht britische Anlagen für internationale Investoren attraktiver, insbesondere da britische Aktien derzeit mit einem Preisnachlass im Vergleich zu US-Wertpapieren gehandelt werden.
Ben Nichols, Managing Director beim Vermögensberater RAW Capital in London, erwartet infolge der unterschiedlichen geldpolitischen Maßnahmen in den USA, Großbritannien und der Eurozone verstärkte Schwankungen an den Finanzmärkten. Investoren könnten daher vermehrt in alternative Anlagen wie Immobilien oder private Schuldtitel investieren, um ihre Portfolios gegen mögliche Volatilität abzusichern.
Trotz der robusten wirtschaftlichen Entwicklung in Großbritannien bleibt die Bank of England vorsichtig. Das Bruttoinlandsprodukt des Landes stieg im ersten Halbjahr 2024 um 1,3 Prozent und verzeichnete damit das stärkste Wachstum unter den G7-Staaten. Aufgrund der weiterhin hohen Zinsen erwarten Marktteilnehmer jedoch erst im November eine Zinssenkung.
