Fed-Gouverneur Miran: Zölle belasten Ausland stärker als USA
Stephen Miran, Gouverneur der US-Notenbank Federal Reserve, verteidigt die Zollpolitik der Trump-Regierung. Entgegen verbreiteter Expertenmeinung argumentiert er, dass hauptsächlich ausländische Unternehmen die Last der Importsteuern tragen – nicht amerik

Der im vergangenen Jahr von Präsident Donald Trump ernannte Fed-Gouverneur Stephen Miran hat sich am Montag bei einem Auftritt an der Boston University deutlich für die Zollpolitik der Regierung ausgesprochen. Seine zentrale These: Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Handelszölle seien deutlich geringer ausgefallen als befürchtet, und vor allem würden nicht die Amerikaner, sondern ausländische Unternehmen die Hauptlast tragen.
Widerspruch zur gängigen Expertenmeinung
Miran widerspricht damit der unter Ökonomen weit verbreiteten Auffassung, dass Zölle letztlich von US-Bürgern in Form höherer Preise bezahlt werden. "Ich denke, die Welt hat sich in einer Reihe von Fragen in meine Richtung bewegt", erklärte der Notenbanker. Die Auswirkungen der Zölle seien in Bezug auf ihre wirtschaftlichen Folgen "eher gedämpft" geblieben.
Besonders interessant ist Mirans Erklärungsansatz für die scheinbar widersprüchlichen Daten: Er argumentiert, dass buchhalterische Fragen die tatsächliche Last verschleiern würden. Viele US-Unternehmen, die formal die Zölle zahlen, seien in Wahrheit Tochtergesellschaften ausländischer Firmen. "Es ist völlig unangemessen zu sagen, dass wir aus diesen Daten schließen können, dass US-Akteure die Last des Zolls tragen", so Miran.
Studien widersprechen Fed-Gouverneur
Diese Einschätzung steht allerdings im Widerspruch zu aktuellen Untersuchungen. Das Yale Budget Lab bezifferte in einem Bericht die jährlichen Mediankosten der Zölle auf etwa 1.400 US-Dollar pro amerikanischem Haushalt. Selbst Präsident Trump räumte Ende letzten Jahres ein, dass Amerikaner aufgrund der Steuererhöhungen mit höheren Preisen konfrontiert seien, auch wenn er die Politik insgesamt als positiv für die US-Wirtschaft bewertete.
Fed sieht Inflationsdruck durch Zölle
Die Federal Reserve selbst hat erklärt, dass ein beträchtlicher Teil des Überschreitens des Inflationsziels von 2 Prozent in diesem Jahr auf den Zolldruck zurückzuführen sei. Allerdings betonen viele Fed-Beamte gleichzeitig, dass sich die Auswirkungen als geringer als erwartet erwiesen haben und wahrscheinlich nur eine einmalige Erhöhung des Preisniveaus darstellen.
Zölle sollen Staatsfinanzen verbessern
Miran, der vor seiner Ernennung zum Fed-Gouverneur hochrangiger Wirtschaftsberater der Trump-Regierung war, argumentiert zudem, dass die Zolleinnahmen "signifikant sein werden, um das Primärdefizit zu verringern". Dies solle zusammen mit anderen politischen Änderungen die längerfristigen Aussichten für die Staatsfinanzen verbessern.
Die Rechtmäßigkeit der Zölle wird derzeit vom Obersten Gerichtshof der USA geprüft, der sie möglicherweise aufheben könnte. Trump warnte bereits, dass eine solche Entscheidung katastrophale Folgen hätte. Für deutsche Anleger und Unternehmen bleibt die Entwicklung der US-Handelspolitik von großer Bedeutung, da sie direkten Einfluss auf transatlantische Handelsbeziehungen und globale Lieferketten hat.
