Taiwan: Bank of America hebt BIP-Prognose auf 8 Prozent an
KI-Boom treibt Wirtschaft – Exportwachstum übertrifft alle Erwartungen deutlich

Die Bank of America hat ihre Wachstumsprognose für Taiwans Wirtschaft drastisch nach oben korrigiert. Statt der bisher erwarteten 4,5 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt 2026 nun um 8 Prozent zuwachsen. Grund ist ein massiver Anstieg des exportgetriebenen Wachstums im vierten Quartal 2025.
Die Revision sei mehr als nur eine technische Anpassung, betonen die Ökonomen der Bank. Sie spiegele den anhaltenden Optimismus hinsichtlich der technologiegetriebenen Expansion Taiwans wider. Als Schlüsselfaktoren nennen die Analysten eine stabilere Währung, das Handelsabkommen zwischen den USA und Taiwan sowie aggressive Investitionspläne führender Technologieunternehmen.
KI-Server als Wachstumsmotor
Die künstliche Intelligenz bleibt nach Einschätzung der BofA der zentrale Wachstumstreiber. Taiwan produziert mehr als 90 Prozent der weltweiten KI-Server – eine Schlüsselposition in der globalen Technologiebranche. Der Anteil von Informations- und Kommunikationsprodukten an den Gesamtexporten ist innerhalb von nur drei Jahren von 13 auf 39 Prozent explodiert.
Informations- und Kommunikationsprodukte, elektronische Bauteile und Maschinen machen zusammen etwa 80 Prozent der Exporte aus. Diese drei Segmente tragen nahezu die gesamte aktuelle Wachstumsexpansion. Die Bank prognostiziert für 2026 ein weiteres Jahr mit zweistelligem Exportwachstum, wenngleich sich die Dynamik gegenüber 2025 etwas abschwächen dürfte.
Schwache Bereiche bleiben zurück
Während die Technologiebranche boomt, tendieren Unterhaltungselektronik und Nicht-Technologie-Segmente weiterhin schwach. Diese K-förmige Entwicklung – starke Tech-Sektoren bei gleichzeitiger Schwäche in anderen Bereichen – stellt die Wirtschaftspolitik vor Herausforderungen.
Positiv überraschte der Privatkonsum im vierten Quartal. Ein Teil dieser Stärke war zwar auf temporäre Faktoren zurückzuführen. Sollte sich die Erholung jedoch als nachhaltig erweisen, könnte dies helfen, das Wachstum über die KI-bezogenen Sektoren hinaus zu verbreitern.
Geldpolitik bleibt locker
Trotz des stärkeren Wachstums erwartet die BofA keine baldigen Zinserhöhungen. Die Zentralbank werde die Leitzinsen in naher Zukunft nicht anheben, prognostizieren die Ökonomen. Als Gründe nennen sie die moderate Inflation, schwache Nicht-Technologie-Sektoren und einen sich abkühlenden Immobilienmarkt.
Die Bank revidierte ihre Inflationsprognosen auf 1,6 Prozent für 2026 und 2,0 Prozent für 2027, nach zuvor 1,3 beziehungsweise 1,7 Prozent. Erst in der ersten Hälfte 2027 rechnen die Analysten mit zwei Zinsschritten um jeweils 12,5 Basispunkte.
Risiken bleiben bestehen
Die Risiken für den Ausblick bezeichnet die BofA als ausgewogen. Globale KI-Investitionstrends, Währungsbewegungen und geopolitische Entwicklungen stellen die wesentlichen externen Unsicherheiten dar. Ein signifikanter Inflationsschock oder Probleme am Immobilienmarkt könnten eine restriktivere Geldpolitik erzwingen. Ein tieferer Abschwung in den Nicht-Technologie-Sektoren würde die Zentralbank hingegen wahrscheinlich länger vorsichtig bleiben lassen.
