US-Einzelhandelsumsätze stagnieren im Dezember – Konsummotor schwächelt
Überraschende Nullrunde bei amerikanischen Retail-Verkäufen dämpft BIP-Erwartungen für viertes Quartal

Die US-Wirtschaft zeigt erste Ermüdungserscheinungen beim privaten Konsum: Die Einzelhandelsumsätze stagnierten im Dezember unerwartet bei rund 735 Milliarden US-Dollar. Ökonomen hatten mit einem Plus von 0,4 Prozent gerechnet, nachdem der November noch ein Wachstum von 0,6 Prozent gebracht hatte. Die vom Handelsministerium veröffentlichten Zahlen sind saisonbereinigt, berücksichtigen aber keine Inflation – ein wichtiger Aspekt für die Interpretation der Kaufkraft.
Besonders aufschlussreich entwickelten sich die sogenannten Kernumsätze, die Automobile, Benzin, Baumaterialien und Gastronomie ausklammern. Diese für die BIP-Berechnung entscheidende Kennzahl sank im Dezember um 0,1 Prozent. Gleichzeitig wurde der November-Wert von zuvor 0,4 auf nur noch 0,2 Prozent nach unten korrigiert – ein deutliches Signal für nachlassende Konsumkraft.
Die Entwicklung verlief dabei höchst unterschiedlich zwischen den Branchen. Während Autohändler, Möbel- und Elektronikgeschäfte Umsatzrückgänge verzeichneten, konnten Baumärkte, Lebensmittelhändler und Tankstellen Zuwächse erzielen. Diese Verschiebung deutet auf eine zunehmende Fokussierung der Verbraucher auf Grundbedarf hin.
Folgen für Wirtschaftswachstum
Die schwachen Dezember-Zahlen dürften Volkswirte veranlassen, ihre BIP-Prognosen für das vierte Quartal nach unten anzupassen. Im dritten Quartal waren die Konsumausgaben noch mit einer annualisierten Rate von 4,4 Prozent gewachsen und hatten maßgeblich zum Wirtschaftswachstum beigetragen. Die Federal Reserve von Atlanta prognostiziert aktuell noch ein BIP-Wachstum von 4,2 Prozent für das Schlussquartal 2025. Die offizielle Vorabschätzung der Regierung wird in der kommenden Woche erwartet.
Für deutsche Anleger ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung, da die USA der wichtigste Exportmarkt für viele DAX-Konzerne bleiben. Ein nachlassender US-Konsum könnte sich negativ auf deutsche Automobilhersteller, Maschinenbauer und Konsumgüterproduzenten auswirken.
Verbraucher leben von der Substanz
Besorgniserregend erscheint die Finanzierung des Konsums: Die Sparquote der amerikanischen Haushalte fiel im November auf 3,5 Prozent – den niedrigsten Stand seit drei Jahren. Im Oktober hatte sie noch bei 3,7 Prozent gelegen. Zum Vergleich: Während der Corona-Pandemie im April 2020 erreichte die Sparquote einen Höchststand von 31,8 Prozent.
Die Verbraucher greifen trotz gedämpfter Wirtschaftsstimmung weiterhin in die Tasche, finanzieren ihren Konsum aber zunehmend durch Entsparen. Höhere Preise aufgrund von Zöllen und ein sich abschwächender Arbeitsmarkt belasten die Konsumlaune. Gestützt wird der Konsum allerdings durch gestiegenes Haushaltsvermögen, das von der anhaltenden Börsenrallye und hohen Immobilienpreisen profitiert.
Das Census Bureau arbeitet derzeit noch daran, Datenverzögerungen aufzuholen, die durch den Government Shutdown im Vorjahr entstanden waren. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Dezember-Stagnation eine temporäre Delle oder der Beginn einer nachhaltigeren Konsumschwäche darstellt.
