EZB-Vizepräsident: Sechs Kandidaten im Rennen um Nachfolge
Die Eurogruppe nominiert am Montag einen Nachfolger für EZB-Vizepräsident Luis de Guindos. Sechs Bewerber aus verschiedenen EU-Ländern konkurrieren um den einflussreichen Posten.

Die Finanzminister der Eurozone stehen vor einer wichtigen Personalentscheidung: Am kommenden Montag soll ein Nachfolger für den scheidenden EZB-Vizepräsidenten Luis de Guindos nominiert werden. Die Amtszeit des Spaniers endet Ende Mai 2026.
Sechs Bewerber aus sechs Ländern
Im Rennen um den prestigeträchtigen Posten befinden sich Mario Centeno (Portugal), Martins Kazaks (Lettland), Madis Muller (Estland), Olli Rehn (Finnland), Rimantas Sadzius (Litauen) und Boris Vujcic (Kroatien). Für eine erfolgreiche Nominierung benötigt der Kandidat die Unterstützung von mindestens 16 der 21 Eurozonen-Länder, die zudem mindestens 65 Prozent der Bevölkerung der Währungsunion repräsentieren müssen.
Mehrstufiges Auswahlverfahren bis März
Nach der Nominierung durch die Eurogruppe werden die Europäische Zentralbank und das Europäische Parlament konsultiert. Die endgültige Entscheidung treffen die EU-Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfeltreffen im März. Weder die EZB noch das Parlament verfügen über ein Vetorecht bei dieser Ernennung.
Beginn einer umfassenden Neubesetzung
Die Wahl des Vizepräsidenten markiert den Auftakt einer weitreichenden Umstrukturierung des EZB-Direktoriums. Bis Ende 2027 müssen die meisten Mitglieder des sechsköpfigen Gremiums neu besetzt werden – darunter auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde, deren Amtszeit im Oktober 2027 ausläuft. Zusätzlich stehen die Positionen des Chefökonomen, des Leiters der Marktoperationen und des Präsidenten zur Neubesetzung an.
Osteuropäische Länder bisher unterrepräsentiert
Historisch wurde das EZB-Direktorium von Vertretern der vier größten Eurozonen-Mitglieder – Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien – dominiert. Die osteuropäischen Länder, die ein Drittel der Eurozone ausmachen, waren im Direktorium bisher nicht vertreten. Mit vier osteuropäischen Kandidaten im aktuellen Rennen könnte sich dies ändern.
Geringe Frauenquote in der EZB-Führung
Seit der Gründung der EZB im Jahr 1998 waren lediglich 19 Prozent aller Amtszeiten von Direktoriumsmitgliedern durch Frauen besetzt. Christine Lagarde ist die erste Frau an der Spitze des Gremiums, das die täglichen Geschäfte der Zentralbank überwacht. Der Posten des Vizepräsidenten gilt unter den vier anstehenden Neubesetzungen als am wenigsten gewichtig.
