ANZEIGE

EZB-Umfrage: Kaum Zweitrundeneffekte bei Inflation trotz Kriegsschock

Neue EZB-Daten zeigen stabile Langfristerwartungen und sinkende Lohnprognosen – trotz kurzfristig sprunghaft steigender Inflationserwartungen.

•• 2 Min
EZB-Umfrage: Kaum Zweitrundeneffekte bei Inflation trotz Kriegsschock

Eine aktuelle Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) liefert vor der geldpolitischen Sitzung am 30. April wichtige Signale: Unternehmen in der Eurozone erwarten zwar kurzfristig einen deutlichen Anstieg der Inflation, doch die längerfristigen Preiserwartungen bleiben stabil. Auch das Lohnwachstum wird als rückläufig eingeschätzt – ein Befund, der die Sorgen vor gefährlichen Zweitrundeneffekten vorerst dämpft.

Die sogenannte SAFE-Umfrage (Survey on the Access to Finance of Enterprises) der EZB wurde am Montag veröffentlicht und basiert auf den Antworten von mehr als 10.000 Unternehmen in der Eurozone. Besonders aufschlussreich: Die Befragung enthält sowohl Antworten, die vor als auch nach Beginn des Krieges im Nahen Osten eingegangen sind – und ermöglicht damit einen direkten Vergleich der Erwartungsverschiebungen.

Kurzfristige Inflation steigt, Langfristerwartungen bleiben verankert

Die Inflationserwartungen für das kommende Jahr stiegen im Vergleich zu vor drei Monaten spürbar an – von 2,6 % auf 3,0 %. Die Erwartungen für die nächsten drei und fünf Jahre blieben hingegen unverändert. Für die EZB ist genau diese Unterscheidung entscheidend: Solange die langfristigen Erwartungen verankert bleiben, besteht weniger Druck, die Leitzinsen kurzfristig anzuheben.

Die EZB selbst kommentierte die Ergebnisse wie folgt: „Der Krieg im Nahen Osten hat die Erwartungen der Unternehmen hinsichtlich der Verkaufspreise und Vorleistungskosten erheblich gesteigert, ohne die Lohnerwartungen zu beeinflussen." Dies ist eine zentrale Botschaft, denn steigende Löhne gelten als klassischer Transmissionskanal für eine sich selbst verstärkende Inflation.

Lohnwachstum rückläufig – Arbeitsmarkt schwächer als erwartet

Statt höherer Lohnforderungen berichten die befragten Unternehmen sogar von moderateren Lohnprognosen. Die erwarteten Lohnsteigerungen sanken von 3,1 % vor drei Monaten auf nun 2,8 %. Dies stützt die Einschätzung, dass die Eurozone mit einem deutlich schwächeren Arbeitsmarkt in diese Inflationsphase eingetreten ist – was die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer begrenzt.

Auf der Kostenseite sieht das Bild allerdings belastender aus: Die Unternehmen rechnen mit einem Anstieg der Verkaufspreise um 3,5 %, während die Vorleistungskosten – einschließlich Energie – voraussichtlich um 5,8 % steigen werden. Als direkte Folge erwartet ein Nettoanteil von 16 % der Unternehmen, dass ihre Gewinne im laufenden Quartal sinken werden.

Zinsentscheidung am 30. April rückt näher

Die SAFE-Umfrage ist einer von mehreren Indikatoren, die in den kommenden Tagen veröffentlicht werden und als Grundlage für die geldpolitische Entscheidung der EZB dienen. Obwohl die Daten die Entscheidung noch beeinflussen können, hat die EZB bereits signalisiert, dass sie es mit einer Zinsänderung nicht eilig habe.

Die Märkte haben eine Zinserhöhung im April weitgehend ausgepreist. Ein geldpolitischer Schritt bis zur Jahresmitte wird jedoch weiterhin erwartet. Die aktuellen SAFE-Daten dürften diese Erwartungshaltung bestätigen und die bereits weit verbreitete Ansicht stützen, dass die EZB die Leitzinsen am 30. April unverändert lassen wird.

Für deutsche Anleger und Unternehmen bedeutet dies: Das Zinsumfeld bleibt vorerst stabil, doch die steigenden Energiekosten und Vorleistungspreise bleiben ein reales wirtschaftliches Risiko – insbesondere für energieintensive Branchen.

EZBInflationZweitrundeneffekteZinsentscheidungSafe-UmfrageLohnwachstumEurozoneGeldpolitik

Meistgelesene News

  1. Volvo Cars kämpft mit EX60-Produktionsziel und Batterieplänen
  2. Mercedes-Benz: Neue Regeln für mobiles Arbeiten stehen kurz bevor
  3. Iran-Kriegsende droht: Insider kaufen trotz Ölpreis-Risiko Energieaktien
  4. SpaceX-Aktie: Kann eine 5.000-Dollar-Investition zum Millionär machen?
  5. Ölpreise fallen: Asien importiert Höchstmenge Rohöl seit Iran-Krieg

Disclaimer