US-Verbrauchervertrauen fällt im April auf historisches Rekordtief
Der Iran-Krieg treibt Benzin- und Dieselpreise in die Höhe und lässt die Inflationserwartungen der Amerikaner deutlich steigen.

Das Verbrauchervertrauen in den USA ist im April auf ein Allzeittief gefallen. Der Index der Surveys of Consumers der University of Michigan sank auf einen endgültigen Wert von 49,8 – der niedrigste Stand, der je gemessen wurde. Im März hatte der Index noch bei 53,3 gelegen. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich einen Wert von 48,0 prognostiziert.
Trotz des Rekordtiefs stellt der April-Wert eine leichte Erholung gegenüber dem Zwischenwert von 47,6 dar, der Anfang des Monats gemeldet worden war. Die Stimmungseintrübung zog sich dabei durch alle politischen Lager sowie durch Verbraucher mit Aktienmarktinvestments – ein Zeichen dafür, wie breit die Verunsicherung in der amerikanischen Bevölkerung verankert ist.
Iran-Krieg als zentraler Belastungsfaktor
Der Auslöser für die schlechte Stimmung liegt im Krieg mit dem Iran, der am 28. Februar begann. Teheran schloss die Straße von Hormus faktisch nach Kriegsbeginn, was den Schiffsverkehr in einer der wichtigsten Ölpassagen der Welt unterbrach. Die Folge: Der Ölpreis stieg stark an, und mit ihm die Kosten für Benzin und Diesel an amerikanischen Tankstellen.
Auch wenn Präsident Donald Trump den Waffenstillstand mit dem Iran in dieser Woche auf unbestimmte Zeit verlängerte, bleibt eine Blockade iranischer Häfen durch die US-Marine weiterhin in Kraft. Joanne Hsu, Direktorin der Surveys of Consumers, erklärte dazu: „Der Iran-Konflikt scheint die Ansichten der Verbraucher in erster Linie durch Schocks bei den Benzin- und potenziell anderen Preisen zu beeinflussen. Im Gegensatz dazu werden militärische und diplomatische Entwicklungen, die weder die Angebotsengpässe beheben noch die Energiepreise senken, die Verbraucher wahrscheinlich nicht aufheitern."
Benzin über 4 Dollar, Diesel über 5 Dollar pro Gallone
Die Auswirkungen an den Zapfsäulen sind konkret spürbar: Der landesweite Durchschnittspreis für Benzin lag im April bei über 4 US-Dollar pro Gallone, während Diesel deutlich über 5 US-Dollar pro Gallone notierte – das zeigen Daten der U.S. Energy Information Administration. Zum Vergleich: Eine Gallone entspricht rund 3,79 Litern. Eine Reuters/Ipsos-Umfrage ergab zudem, dass eine klare Mehrheit der Amerikaner Präsident Trump für die steigenden Benzinpreise verantwortlich macht, was die Republikanische Partei vor den Kongresswahlen im November unter Druck setzt.
Neben Benzin und Diesel sind auch andere Rohstoffpreise sprunghaft gestiegen – darunter Düngemittel, Petrochemikalien und Aluminium. Teurer Diesel dürfte darüber hinaus die Preise für auf der Straße transportierte Güter erhöhen und so die Inflation weiter anheizen.
Inflationserwartungen auf dem höchsten Stand seit Jahren
Besonders besorgniserregend für die US-Notenbank Federal Reserve sind die gestiegenen Inflationserwartungen. Die kurzfristigen Inflationserwartungen der Verbraucher für das nächste Jahr sprangen von 3,8 Prozent im März auf 4,7 Prozent im April – ein Wert, der das Niveau von 2024 übertrifft und deutlich über der Spanne von 2,3 bis 3,0 Prozent liegt, die in den zwei Jahren vor der COVID-19-Pandemie verzeichnet wurde. Auch die längerfristigen Erwartungen für die nächsten fünf Jahre stiegen von 3,2 auf 3,5 Prozent.
Diese Zahlen ergänzen eine Umfrage von S&P Global, wonach ein Maß für die von Unternehmen berechneten Preise im April auf den höchsten Stand seit fast vier Jahren kletterte. An den Finanzmärkten verstärkte dies die Erwartung, dass die Federal Reserve die Zinsen in diesem Jahr wahrscheinlich nicht senken wird.
Grace Zwemmer, US-Ökonomin bei Oxford Economics, warnte vor den sozialen Folgen: „Die Auswirkungen werden vor allem Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu spüren bekommen, da ein größerer Anteil ihrer Gesamtausgaben für Benzin aufgewendet wird." Heather Long, Chefökonomin der Navy Federal Credit Union, ergänzte: „Es wird noch mehr Schmerz kommen, wenn höhere Transportkosten für Lebensmittel, Haushaltsgeräte, Spielzeug und alle anderen Artikel, die per Schiff, Auto oder Flugzeug transportiert werden, weitergegeben werden. Die Stimmung wird sich erst verbessern, wenn die Straße von Hormus offen ist und der Konflikt dauerhaft beendet ist."
