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EZB-Ratsmitglieder dämpfen Erwartungen an baldige Zinserhöhung

Mehrere EZB-Entscheidungsträger sprechen sich gegen eine überstürzte Zinserhöhung im April aus – trotz steigender Inflation.

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EZB-Ratsmitglieder dämpfen Erwartungen an baldige Zinserhöhung

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht unter Druck: Die Inflation überstieg zuletzt das 2-Prozent-Ziel der Notenbank, angetrieben durch steigende Energiekosten. Dennoch haben mehrere einflussreiche EZB-Ratsmitglieder die Erwartungen an eine Zinserhöhung bereits im April deutlich gedämpft. Sie fordern mehr Daten, bevor eine geldpolitische Straffung eingeleitet wird.

EZB-Chefökonom Philip Lane betonte am Donnerstag die grundsätzliche Handlungsbereitschaft der Notenbank, relativierte jedoch die Bedeutung des genauen Zeitpunkts. „Wir werden tun, was nötig ist", sagte Lane. „Ich weiß, dass es für Sie von Bedeutung ist, ob es die eine oder die andere Sitzung sein wird, aber im Großen und Ganzen ist es ein Detail, bei welcher Sitzung wir letztendlich die Entscheidung treffen."

Noch klarer äußerte sich der französische Zentralbankchef François Villeroy de Galhau, der als einflussreiche Stimme im 27-köpfigen EZB-Rat gilt. „Zum jetzigen Zeitpunkt auf den April zu wetten, wäre verfrüht", sagte er gegenüber dem Sender CNBC. Er betonte, dass zunächst ausreichende Daten über die Auswirkungen auf die Kerninflation sowie über negative Nachfrageeffekte vorliegen müssten.

Märkte preisen Zinserhöhung erst für Juli ein

Die Finanzmärkte haben auf diese Signale reagiert und ihre Wetten auf eine April-Erhöhung deutlich zurückgeschraubt. Aktuell sehen die Märkte nur noch eine Chance von eins zu fünf für einen Schritt im April. Eine vollständige Zinserhöhung ist hingegen bis Juli eingepreist, gefolgt von einem zweiten Schritt gegen Ende des Jahres.

Der lettische Zentralbankchef Martins Kazaks hält diese Markterwartungen für angemessen. „Ich halte diese Erwartungen für angemessen", sagte Kazaks am Rande der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank gegenüber Reuters. Er fügte hinzu, dass ein Schritt von 25 Basispunkten „kaum mehr als eine Signalwirkung" hätte.

Gleichzeitig räumte Kazaks ein, dass bislang kaum Anzeichen für sogenannte Zweitrundeneffekte der Energieinflation erkennbar seien. Solche Zweitrundeneffekte – also eine Ausbreitung des Preisdrucks auf Löhne und die Gesamtwirtschaft – gelten als wesentliche Voraussetzung für eine geldpolitische Straffung. Sein estnischer Kollege Madis Müller teilte diese Einschätzung.

Keine überstürzten Entscheidungen

„Es würde zudem einige Zeit dauern, bis sich ein breiterer Inflationsdruck festsetzt", sagte Müller. „Es könnte daher schwierig sein, bis Ende April zu sagen, ob wir uns deswegen Sorgen machen müssen." Auch der maltesische Zentralbankchef Alexander Demarco mahnte zur Geduld: „Wir müssen geduldig sein, keine Entscheidung überstürzen und abwarten, was uns die Daten sagen."

Die zentrale Debatte innerhalb der EZB dreht sich darum, ob die Geldpolitik gestrafft werden soll, um zu verhindern, dass der aktuelle Energieschock auf die Gesamtwirtschaft übergreift und eine Inflationsspirale auslöst. Keiner der befragten Entscheidungsträger schloss eine Zinserhöhung im April kategorisch aus – viele betonten jedoch, dass dies eine deutliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Aussichten voraussetzen würde.

Für deutsche Anleger und Sparer ist die Zinsentscheidung der EZB von besonderer Bedeutung: Steigende Leitzinsen würden mittelfristig höhere Renditen auf Spareinlagen und Anleihen bedeuten, gleichzeitig aber auch die Finanzierungskosten für Unternehmen und Immobilienkäufer erhöhen. Die nächsten Wochen dürften entscheidend sein – sowohl für die Datenlage als auch für die geldpolitische Ausrichtung der Notenbank.

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