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EZB legt Zinspause bei 2,5 Prozent ein – Lagarde tritt vorzeitig zurück

Die EZB pausiert ihren Straffungskurs trotz 3,8 Prozent Inflation – und verliert überraschend ihre Präsidentin.

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EZB legt Zinspause bei 2,5 Prozent ein – Lagarde tritt vorzeitig zurück

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Rahmen ihrer heutigen Ratssitzung in Frankfurt eine geldpolitische Zinspause eingelegt. Trotz einer hartnäckig hohen Inflationsrate, die im Euroraum zuletzt auf 3,8 Prozent gestiegen ist – deutlich über dem EZB-Zielwert von 2,0 Prozent –, verharren die Leitzinsen bei 2,5 Prozent. Diese Entscheidung markiert eine Unterbrechung des im September eingeleiteten Straffungskurses.

Ökonomen reagierten prompt auf die Entscheidung. Experten wie Bernd Weidensteiner von der Commerzbank gehen davon aus, dass die bis Dezember vorliegenden Daten den Inflationsdruck weiter untermauern werden. Eine neuerliche Zinsanhebung um einen Viertelprozentpunkt im Dezember gilt daher als wahrscheinlich. Für deutsche Privatanleger bedeutet die Zinspause zunächst, dass sich die Konditionen für Kredite und Sparprodukte kurzfristig kaum verändern dürften.

Die geldpolitische Entscheidung wurde jedoch von einer weitaus brisanteren Nachricht überschattet: Die EZB bestätigte am Morgen den vorzeitigen Rücktritt von Präsidentin Christine Lagarde. Was über Monate als Gerücht durch die Flure der Frankfurter Notenbank waberte, ist nun Gewissheit. Lagardes Amtszeit, die regulär erst im Oktober 2027 geendet hätte, findet ein vorzeitiges Ende.

Kritik an Lagardes Führungsstil

Beobachter wie Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Deutschland, sehen in diesem Schritt die Bestätigung einer lang gehegten Vermutung. „Es ist offenbar nicht ihr Herzensjob“, so Brzeski, der kritisiert, dass Lagarde die EZB nie mit der Hingabe ihrer Vorgänger geführt habe. Die Diskussion um ihren Abgang, der vermutlich mit einem Wechsel zum Weltwirtschaftsforum nach Davos in Verbindung steht, wurde von Marktteilnehmern als „unglücklich“ und „ablenkend“ bewertet.

Mit dem Rücktritt ist das Rennen um die Nachfolge offiziell eröffnet. Als aussichtsreiche Kandidaten werden der Niederländer Klaas Knot und der Spanier Pablo Hernández de Cos gehandelt. Der deutsche Bundesbankpräsident Joachim Nagel gilt hingegen als chancenlos, da mit Ursula von der Leyen bereits eine Deutsche an der Spitze der EU-Kommission steht. Die Personaldebatte trifft die EZB in einer Phase extremer wirtschaftlicher Fragilität.

Die Konjunktur im Euroraum schwächelt, während gleichzeitig die Haushaltskrise in Frankreich die Stabilität des Währungsraums bedroht. Die Renditen für zehnjährige französische Staatsanleihen sind auf über fünf Prozent gestiegen – ein Niveau, das seit 15 Jahren nicht mehr erreicht wurde und Erinnerungen an die Euro-Schuldenkrise weckt.

Frankreich-Krise setzt EZB unter Druck

Die Situation in Frankreich stellt die EZB vor ein Dilemma. Während Volkswirte wie Jörg Krämer von der Commerzbank mahnen, dass die französische Regierung dringend konsolidieren müsse, ist der politische Spielraum in Paris aufgrund erstarkter politischer Ränder begrenzt. Die Frage, ob die EZB durch Anleihenkäufe intervenieren muss, um Frankreich zu stützen, bleibt ein hochsensibles Thema.

„Eigentlich dürfte die EZB keine französischen Anleihen kaufen, weil die Regierung selbst schuld ist an den Haushaltsproblemen“, so Krämer. Ein Eingreifen würde als Signal der Schwäche gewertet werden, weshalb die Notenbank ihr Notfall-Anleihenkaufprogramm vorerst in der Schublade lässt. Für Anleger ist diese Zurückhaltung ein wichtiges Signal: Die EZB will ihre Glaubwürdigkeit nicht durch politisch motivierte Markteingriffe beschädigen.

Die internationale Perspektive ergänzt das Bild: Auch die US-Notenbank (Fed) hat unter der Führung von Kevin Warsh ihre Zinsen unverändert in der Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent belassen. Allerdings war die Entscheidung in den USA nicht einstimmig; die Währungshüterinnen Lisa Cook und Beth Hammack votierten für eine Anhebung, was den anhaltenden Inflationsdruck unterstreicht.

Die EZB steht nun unter dem Druck, durch eine klare Kommunikation und eine konsequente Zinspolitik im Dezember – gestützt durch neue Inflations- und Wachstumsprognosen – das Vertrauen der Märkte zurückzugewinnen. Die Ära Lagarde endet somit in einer Phase der Unsicherheit, in der die Notenbank sowohl intern durch die Nachfolgesuche als auch extern durch die fiskalischen Probleme der Euro-Mitgliedstaaten massiv gefordert ist.

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