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Europäische Versorger profitieren von hohen Erdgaspreisen und KI-Boom

Bank of America sieht EPS-Potenzial von 6-9%, UBS hebt unterbewertete KI-Zulieferer hervor.

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Europäische Versorger profitieren von hohen Erdgaspreisen und KI-Boom

Die europäischen Versorgeraktien stehen vor einem positiven Jahresendspurt. Analysten der Bank of America rechnen mit deutlich steigenden Gewinnen der Branche, getrieben von längerfristig hohen Erdgaspreisen. Gleichzeitig sehen UBS-Strategen erhebliches Aufwärtspotenzial bei europäischen KI-Zulieferern, die im Vergleich zu ihren US-Pendants unterbewertet seien. Die Märkte starteten am Dienstag verhalten, wobei Versorger und Technologiewerte zu den Gewinnern zählten.

Die Details

Die Analysten der Bank of America prognostizieren, dass die europäischen Referenz-Erdgaspreise im Jahr 2027 bei 55 Euro pro Megawattstunde liegen werden. Als Gründe nennen sie anhaltende Störungen in Katar, eine steigende Nachfrage in Asien und niedrige Speicherfüllstände in Europa. Die Märkte unterschätzen laut den Analysten die Auswirkungen auf das EPS (Earnings Per Share) der Versorgungsunternehmen um rund 6 bis 9 Prozent.

Die Analysten räumen ein, dass europäische Regierungen niedrigere Strompreisobergrenzen verhängen könnten. Die Niveaus dürften jedoch über denen liegen, die während der Energiekrise 2022 festgelegt wurden. Für den November erwarten die Analysten starke Ergebnisse von SSE und RWE. Ein Korb aus europäischen Versorgungsaktien stieg am Dienstag um 0,1 Prozent.

Parallel dazu sehen UBS-Strategen um Gerry Fowler und Sutanya Chedda europäische KI-Aktien im Vergleich zu ihren amerikanischen Pendants unterbewertet. Anleger kaufen US-KI-Aktien zu hohen Bewertungen, während sie europäische Zulieferer, die KI-Kapazitäten aufbauen, vergleichsweise vernachlässigen. Die Strategen gliedern die KI-Lieferkette in drei Ebenen: Unternehmen der ersten Ebene verkaufen direkt an sogenannte Hyperscaler, während die Ebenen zwei und drei weiter von den Ausgaben der Hyperscaler entfernt sind. Unternehmen aller drei Ebenen werden die Marktentwicklung übertreffen, so ihre Einschätzung.

Der Strominfrastrukturkonzern Prysmian, der deutsche Industrieriese Siemens und der Hersteller von Vakuumventilen VAT Group gehören verschiedenen Ebenen an, werden aber jeweils erheblich vom KI-Ausbau profitieren, so die Strategen.

Die europäischen Aktienmärkte starteten am Dienstag gemischt. Der europaweite Stoxx 600 stieg um 0,2 Prozent. Londons FTSE 100 legte um 0,1 Prozent zu, angeführt von einem Sprung um 9 Prozent beim Heimwerkerhändler Kingfisher nach einer Anhebung der Guidance. In Paris kletterte der CAC 40 leicht um 0,05 Prozent. In Frankfurt sank der DAX um 0,1 Prozent, belastet von schwachen Autoaktien. Mercedes-Benz verlor 1,2 Prozent, die Finanzgruppe Allianz gab um 1,8 Prozent nach. Renault fiel um 1,4 Prozent.

Die Ölpreise stoppten derweil ihren Rückgang. Brent-Rohöl-Futures lagen um 1,3 Prozent höher bei 101,64 Dollar pro Barrel, West Texas Intermediate legte um 1,3 Prozent auf 97,00 Dollar pro Barrel zu. In London stieg Shell um 0,8 Prozent, BP gewann 0,5 Prozent. Frankreichs TotalEnergies und Norwegens Equinor lagen rund 1 Prozent höher, Italiens Eni stieg um 0,8 Prozent und Spaniens Repsol um 0,6 Prozent. Die Risiken für die Schifffahrt durch die Straße von Hormus bleiben hoch. Ein Tanker, der die Straße betrat, wurde am Montag nach Angaben der britischen Maritime Trade Operations von einem Projektil getroffen. Dennoch besteht weiterhin Optimismus, dass diplomatische Bemühungen bei den Vereinten Nationen in dieser Woche zur Beendigung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran beitragen können.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 6. August 2026 berichtete aktien.news, dass die europäischen Erdgaspreise kräftig gestiegen sind. Der niederländische Benchmark-Terminkontrakt für den Folgemonat – der TTF-Future – stieg damals um 2,2 Prozent auf rund 54,50 Euro pro Megawattstunde. Auslöser waren grundlegende Versorgungsengpässe, die gegenüber vorsichtigen diplomatischen Signalen aus dem Nahen Osten wieder die Oberhand gewannen. Die aktuellen Prognosen der Bank of America von 55 Euro pro Megawattstunde für 2027 liegen damit nur knapp über dem damaligen Niveau, was die Erwartung anhaltend hoher Preise unterstreicht.

Am 3. Juli 2026 hatten die Analysten der Bank of America selbst noch vor übertriebenen Erwartungen an den europäischen Aktienmarkt gewarnt. Damals hieß es, ein Großteil der positiven Nachrichten sei bereits in den Kursen eingepreist. Die nun veröffentlichte Einschätzung zu den Versorgern stellt eine spezifischere und optimistischere Prognose für diesen Sektor dar.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ergeben sich aus den Analysteneinschätzungen mehrere interessante Aspekte. Die Bank of America sieht bei den Versorgern ein EPS-Wachstumspotenzial, das der Markt um 6 bis 9 Prozent unterschätzt. Das bedeutet, dass die Gewinne der Unternehmen stärker steigen könnten als die aktuellen Kursbewertungen widerspiegeln. Besonders SSE und RWE werden für den November als vielversprechend eingestuft.

Die UBS-Strategen wiederum lenken den Blick auf die KI-Lieferkette in Europa. Während US-KI-Aktien hohe Bewertungen erzielen, sind europäische Zulieferer wie Siemens, Prysmian und die VAT Group vergleichsweise günstig bewertet. Da Unternehmen aller drei Ebenen der KI-Lieferkette die Marktentwicklung übertreffen sollen, könnten diese Titel für Anleger interessant sein, die am KI-Trend partizipieren möchten, ohne die hohen Bewertungen US-amerikanischer Technologiewerte zu zahlen.

Die geopolitischen Risiken rund um die Straße von Hormus bleiben ein Faktor für die Ölpreise und damit auch für die Energiewerte. Die diplomatischen Bemühungen bei den Vereinten Nationen könnten hier für Entspannung sorgen.

Ausblick

Die Analysten der Bank of America erwarten für November starke Ergebnisse von SSE und RWE. Die europäischen Referenz-Erdgaspreise sollen laut ihrer Prognose bis 2027 bei 55 Euro pro Megawattstunde bleiben. Die diplomatischen Bemühungen bei den Vereinten Nationen in dieser Woche könnten zur Beendigung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran beitragen, was die Risiken für die Schifffahrt durch die Straße von Hormus reduzieren würde.

Kurz erklärt

  • EPS (Earnings Per Share): Der Gewinn je Aktie, der angibt, wie viel Gewinn auf eine einzelne Aktie entfällt und als wichtige Kennzahl für die Bewertung von Unternehmen dient.
  • TTF-Future: Ein Terminkontrakt auf Erdgas, der am niederländischen Gasmarkt Title Transfer Facility gehandelt wird und als europäischer Referenzpreis für Erdgas gilt.
  • Hyperscaler: Große Cloud- und Rechenzentrumsbetreiber wie Amazon Web Services, <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft Azure oder Google Cloud, die massiv in KI-Infrastruktur investieren.
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