Europäische Banken übertreffen Gewinnprognosen – doch Brasilien überschattet Santander
Deutsche Bank, BNP Paribas, Standard Chartered und Santander übertreffen die Erwartungen im dritten Quartal, während Brasilien Santander belastet.

Europäische Banken haben am Mittwoch, dem 28. Oktober, eine Reihe von Quartalsergebnissen vorgelegt, die besser ausfielen als von Analysten erwartet. Die Deutsche Bank, BNP Paribas, Standard Chartered und Santander übertrafen allesamt die Prognosen für den Gewinn im dritten Quartal. Damit gelang es den Instituten, die Sorgen der Anleger über einen nachlassenden Gewinnimpuls zumindest vorerst zu zerstreuen.
Besonders im Fokus stand die spanische Santander, deren Ergebnisse durch schwächere Gewinne und höhere Rückstellungen in Brasilien getrübt wurden. In dem für die Bank wichtigen Markt hatte die überraschende Wiederwahl von Präsident Luiz Inacio Lula da Silva die Finanzmärkte ins Wanken gebracht. Die Aktie des Instituts stürzte entsprechend um 4,2 Prozent ab.
Die Zahlen fielen in eine Phase, in der europäische Banken seit 2024 Rekordgewinne erzielt haben, angefacht durch höhere Zinssätze. Diese Entwicklung hatte die Aktienkurse der Branche in die Höhe schnellen lassen. Doch im vergangenen Monat sind Bankaktien um 10 Prozent gefallen – angesichts von Bedenken hinsichtlich der Exposition der Kreditgeber gegenüber Staatsanleihen der Eurozone und einer sich abschwächenden Wirtschaftsaussicht.
Die Details
Die Kursentwicklung am Mittwoch fiel gemischt aus. Die Deutsche Bank legte um 3,4 Prozent zu, Standard Chartered stieg um 3,7 Prozent. Die UBS gab dagegen um 1,1 Prozent nach, während Santander um 4,2 Prozent abstürzte. Der europäische Bankenindex stand unverändert und bewegte sich damit im Einklang mit dem breiteren Markt.
BNP Paribas meldete einen Anstieg des Gewinns im dritten Quartal um 14 Prozent auf 3,46 Milliarden Euro (3,85 Milliarden US-Dollar). Ein Anstieg des Aktienhandels, angefacht durch volatile Märkte, habe das Ergebnis gestützt, teilte die französische Bank mit. Zudem kündigte sie einen Aktienrückkauf in Höhe von 1,3 Milliarden Euro an und relativierte die Auswirkungen steigender Renditen französischer Staatsanleihen auf ihr Geschäft. Analysten von Citi bezeichneten die Zahlen als „solide Ergebnisserie“, die teilweise auch von der Investmentbank unterstützt wurde.
Bei der Deutschen Bank fielen die Einnahmen aus dem Handel mit festverzinslichen Wertpapieren und Devisen um 3 Prozent – was den Erwartungen entsprach und weniger stark ausfiel als der von US-amerikanischen Wettbewerbern gemeldete Rückgang von 5 Prozent. Insgesamt verzeichnete Deutschlands größtes Kreditinstitut einen Gewinnanstieg von 2 Prozent und übertraf damit die Prognosen, begünstigt durch die Stärke seiner Geschäfte im Einzelkunden- und Firmenkundengeschäft. „Wir halten unsere Zusagen ein und sind fest auf Kurs, unsere Ziele für 2026 zu erreichen“, sagte CEO Christian Sewing.
Standard Chartered schlug ebenfalls einen optimistischen Ton an und erhöhte seine Ziele für Ertrag und Rentabilität, nachdem der Gewinn im dritten Quartal deutlich über den Schätzungen lag. Gestützt wurde das Ergebnis durch das Vermögensverwaltungs- und Global-Markets-Geschäft.
Die UBS, die größte Bank der Schweiz, meldete einen Nettogewinn von 2,69 Milliarden US-Dollar für die drei Monate. Das entspricht einem Anstieg von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und lag nahezu im Einklang mit dem Konsenswert von 2,71 Milliarden US-Dollar, der auf Basis einer unternehmenskompilierten Prognose ermittelt wurde. Die Bank kaufte im Quartal Aktien im Wert von 1,8 Milliarden US-Dollar zurück und plant, ihr Rückkaufprogramm in Höhe von 3 Milliarden US-Dollar bis Februar abzuschließen – vor ihrem früheren Zieltermin Mitte 2027. Analysten von RBC beschrieben die UBS-Ergebnisse als „gemischt, wobei die zugrunde liegenden Einnahmen nahezu im Einklang mit den Schätzungen lagen, die Einnahmen aus GWM (Global Wealth Management) jedoch unter den Erwartungen blieben“.
Trotz der Schwäche in Brasilien meldete Santander einen Anstieg des bereinigten Nettogewinns im dritten Quartal um 19 Prozent. Begünstigt wurde dies durch Beiträge von kürzlich übernommenen Kreditgebern in Großbritannien und den USA. „In Zeiten erhöhter Volatilität ist unsere Kombination aus globalen Geschäften in großem Maßstab und der Diversifizierung in Europa und den Amerikas eine einzigartige Quelle der Stärke“, sagte Executive Chair Ana Botin.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 08.10.2026 berichtete aktien.news, dass Anleger die quartalsweisen Bankergebnisse der USA genau daraufhin prüfen würden, ob der jüngste Anstieg der Treasury-Renditen das Deal-Making und das Kreditwachstum dämpfen sowie die Refinanzierungskosten in der gesamten Branche erhöhen könnte. Für die größten Banken wurde damals erwartet, dass die Ergebnisse im dritten Quartal um bis zu 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen.
Am 12.10.2026 meldete aktien.news, dass die Rekordjagd an der Wall Street an Tempo verliert. Analysten erwarteten, dass JPMorgan Chase, Goldman Sachs, Morgan Stanley, Citigroup und Bank of America gemeinsam Handelsumsätze von rund 38 Milliarden US-Dollar im Aktien- und Rentenhandel ausweisen würden – ein Anstieg von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr, aber ein deutlicher Rückgang gegenüber den Rekordhandelsumsätzen von 47 Milliarden US-Dollar im zweiten Quartal.
Am 14.10.2026 berichtete aktien.news, dass die bislang vorliegenden Quartalsergebnisse ein anderes Bild zeichneten als die gefallenen Kurse: JPMorgan meldete einen Gewinnanstieg von 6 Prozent im dritten Quartal, Goldman Sachs und die Citigroup verzeichneten Gewinnsteigerungen von 29 Prozent beziehungsweise 1 Prozent.
Am 22.10.2026 berichtete aktien.news über die britische Großbank Barclays, die im dritten Quartal 2026 sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis vor Steuern zulegte, die Erwartungen der Analysten jedoch knapp verfehlte. Der Gesamtumsatz stieg um 3 Prozent auf 7,4 Milliarden Pfund, das Ergebnis vor Steuern kletterte um 12 Prozent auf 2,3 Milliarden Pfund.
Was das für Anleger bedeutet
Die Ergebnisse vom Mittwoch zeigen, dass die europäischen Kreditinstitute ihre Gewinndynamik bislang halten können – trotz wachsender Skepsis an den Märkten. Der Rückgang der Bankaktien um 10 Prozent im vergangenen Monat verdeutlicht jedoch, dass die Anleger die weitere Entwicklung kritisch beobachten. Einige Analysten wiesen auf steigende Konkurrenz bei Einlagen und nachlassende Zinserträge als Anzeichen hin, dass der Gewinnboost durch höhere Zinsen möglicherweise nachlässt.
Bemerkenswert ist, dass die Investmentbanking-Sparten der europäischen Kreditgeber im Quartal allgemein gut standen und in einigen Fällen sogar die Konkurrenten an der Wall Street übertrafen – trotz eines weicheren Umfelds für das Handelsgeschäft mit festverzinslichen Wertpapieren, Devisen und Rohstoffen. Die Reaktion auf die HSBC-Ergebnisse, die deren Aktien am Dienstag um mehr als 5 Prozent fallen ließen, verdeutlichte zugleich, wie die jüngst starke Leistung die Anforderungen an europäische Kreditgeber erhöht hat.
Ausblick
Die Deutsche Bank hält nach den Worten ihres CEO Christian Sewing an ihren Zielen für 2026 fest. Standard Chartered erhöhte seine Ziele für Ertrag und Rentabilität. Die UBS will ihr Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 3 Milliarden US-Dollar bis Februar abschließen – früher als ursprünglich geplant, da der frühere Zieltermin Mitte 2027 war. Der Iran-Krieg macht die Aussichten für Inflation und Zinssätze indes komplizierter.
Kurz erklärt
- Aktienrückkauf: Ein Unternehmen kauft eigene Aktien an der Börse zurück und reduziert damit die Zahl der ausstehenden Anteilsscheine.
- Rückstellungen: In der Bilanz gebildete Vorsorge für erwartete künftige Verluste oder Verpflichtungen.
- Bereinigter Nettogewinn: Gewinnkennzahl, die um Sonderfaktoren bereinigt wird, um die operative Entwicklung besser abzubilden.
