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Deutsche Wirtschaft: 14 Wachstumsmärkte bieten Chance auf neues Wachstum

Statt nur Standortschwächen zu beklagen, rücken Zukunftsfelder und der Dienstleistungssektor in den Fokus.

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Deutsche Wirtschaft: 14 Wachstumsmärkte bieten Chance auf neues Wachstum

Seit Jahren kommt die deutsche Wirtschaft nicht vom Fleck. Die einstigen Zugpferde Automobilbau, Maschinenbau und Chemie verlieren an Kraft, während chinesische Wettbewerber aufholen und der Export zunehmend schwieriger wird. In der öffentlichen Debatte dreht sich deshalb fast alles um die Schwächen des Standorts. Die Chancen, die in neuen Märkten stecken, geraten dabei leicht aus dem Blick.

Genau hier setzt eine aktuelle Analyse der Unternehmensberatung McKinsey an. Sie identifiziert 14 dynamisch wachsende Märkte, in denen deutsche Unternehmen bereits heute gut aufgestellt sind. Dazu zählen Biotechnologie, Medizintechnik, Robotik, neue Werkstoffe, Energietechnologien und Quantencomputing. Das Marktpotenzial dieser Wachstumsarenen beziffert McKinsey bis zum Jahr 2040 auf mehr als 40 Billionen Dollar.

Ein überholtes Wachstumsmodell

Nach Einschätzung von Christian Rammer vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stößt das bisherige Erfolgsrezept an seine Grenzen. "Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten Wachstum immer gedacht als Wachstum im Export: Wo können wir hier in Deutschland etwas herstellen und dann in die Welt verkaufen?", so Rammer. Diese Strategie gerät ins Wanken, weil die Exportmärkte schwieriger werden und Autohersteller ihre Produktion zunehmend nahe an die Absatzmärkte verlagern.

Die Folge: Wachstum muss stärker im Inland und im EU-Binnenmarkt gesucht werden. Als Nachfragefelder nennt die Analyse unter anderem Wohnungsbau, Gesundheit, Pflege, Klimaanpassung sowie Energie- und Wasserversorgung. Deutschland fokussiere sich zu stark auf Fabriken und Industrie, heißt es – dabei biete der Dienstleistungssektor die größten Wachstumsmöglichkeiten.

Dienstleistungen dominieren die Wertschöpfung

Die Zahlen untermauern diese Verschiebung. Gut 71 Prozent der Bruttowertschöpfung entfallen hierzulande auf den Dienstleistungssektor. Das produzierende Gewerbe kommt 2025 auf 22,9 Prozent – deutlich mehr als der EU-Durchschnitt von 19,1 Prozent. Deutschland bleibt damit im europäischen Vergleich stark industriell geprägt, was als Ausgangspunkt für neue Chancen dienen kann.

Als entscheidend gilt die Verbindung von industrieller Erfahrung und Künstlicher Intelligenz. Barbara Engels vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sieht darin einen handfesten Vorteil: "Deutschland hat etwas, was dem Silicon Valley fehlt: nämlich Maschinen, Anlagen, Produktionsdaten – und das aus Jahrzehnten." Dieser industrielle Datenschatz sei weltweit einzigartig.

Ein besonders aussichtsreiches Feld ist die sogenannte physische KI. Humanoide Roboter benötigen Antriebe, Sensoren und Steuerungstechnik – Bereiche, in denen deutsche Spezialisten, oft aus dem Mittelstand, erfolgreich sind. Eine Untersuchung der KfW vom September zeigt, dass KI-Mittelständler mit stärkerem Umsatzwachstum, höherer Produktivität und besseren Renditen punkten.

Wenige Firmen treiben die Produktivität

Doch das Wachstum konzentriert sich auf wenige Akteure. Zwischen 2019 und 2023 waren laut McKinsey nur 29 von 16.200 Firmen – also 0,2 Prozent – für 47 Prozent des Produktivitätswachstums verantwortlich. Jan Krause von McKinsey beschreibt die entscheidende Trennlinie mit den Worten "zwischen Mut und Zögern".

Für Anleger bedeutet das: Die Zukunft der deutschen Wirtschaft entscheidet sich weniger an der Frage, ob es überhaupt Wachstumsfelder gibt, sondern daran, wie konsequent Unternehmen diese nutzen. Bremsend wirkt dabei laut Rammer vor allem die Bürokratie, die Investitionen erschwert. Wer in deutsche Aktien investiert, sollte daher genau hinschauen, ob ein Unternehmen in den genannten Zukunftsmärkten aktiv ist und ob es den Sprung von der Idee zur Umsetzung schafft.

Die Analyse macht deutlich: Deutschland ist in Zukunftsfeldern besser aufgestellt, als die Krisendebatte vermuten lässt. Entscheidend bleibt, ob aus industrieller Erfahrung, Daten und KI tatsächlich neue Geschäftsmodelle entstehen – und ob der Mittelstand dabei mutig genug vorangeht.

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