EU schlägt USA Freihandel ohne Zölle vor
Gleichzeitig bereitet Brüssel Gegenmaßnahmen auf Trumps Zollpolitik vor

Die Europäische Union hat den Vereinigten Staaten eine weitreichende Freihandelsvereinbarung vorgeschlagen. Ziel sei es, alle Zölle auf Industriegüter beidseitig aufzuheben. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, man sei trotz der kürzlich verhängten US-Zölle durch Präsident Donald Trump weiterhin zu Verhandlungen bereit. Das Angebot, das laut Informationen der dpa bereits vor Trumps Ankündigungen gemacht und am vergangenen Freitag nochmals erneuert wurde, umfasst auch den besonders sensiblen Bereich des Automobilhandels. Von der Leyen betonte, dass es hierzu bereits mehrfach Gesprächsangebote gegeben habe, auf die jedoch keine angemessene Reaktion erfolgt sei.
Parallel zu den Gesprächsangeboten bereitet sich die EU auf mögliche Gegenmaßnahmen vor, falls die Verhandlungen scheitern. Diese Strategie war auch Thema bei einem Treffen der EU-Handelsminister in Luxemburg. Der geschäftsführende Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck rief zu Besonnenheit auf, sprach sich aber ebenfalls für die Vorbereitung umfangreicher Gegenmaßnahmen aus. Es sei wichtig, dass Europa geschlossen agiere und keine Eskalation riskiert werde. Ein Eintritt in einen sogenannten Zollwettlauf müsse vermieden werden.
Seit dem 5. April gelten in den USA pauschale Einfuhrzölle in Höhe von zehn Prozent auf alle importierten Waren. Ab dem 9. April sollen zusätzlich länderspezifische Zölle in Kraft treten, für Produkte aus der EU sind 20 Prozent vorgesehen. Die US-Regierung unter Präsident Trump sieht die Maßnahmen als notwendig an, um Handelsungleichgewichte zu korrigieren und die Produktion zurück in die USA zu holen. Zusätzlich sollen die Einnahmen aus den Zöllen zur Finanzierung geplanter Steuersenkungen beitragen.
Trotz eines gewissen Signals zur Gesprächsbereitschaft von Präsident Trump hatte sein Handelsminister Howard Lutnick betont, dass die USA grundsätzlich an ihrer Linie hoher Importzölle festhalten wollen. Die Liste der betroffenen Handelspartner umfasst laut US-Angaben 185 Länder.
Als Reaktion auf frühere US-Sonderzölle auf Stahl und Aluminium hat die EU nun Gegenmaßnahmen beschlossen. Ab Dienstag kommender Woche sollen Sonderzölle auf bestimmte US-Produkte wie Jeans, Bourbon-Whiskey, Motorräder und Erdnussbutter wieder eingeführt werden. Weitere Maßnahmen gegen amerikanische Agrar- und Industrieprodukte sind ab Mitte Mai vorgesehen. Die geplanten Zölle betreffen unter anderem Geflügel, Rindfleisch, Meeresfrüchte, Milchprodukte, sowie Textilien, Haushaltsgeräte und Kunststoffe.
