EU-Prüfung von MMG-Nickel-Deal stellt Chinas Rohstoffstrategie auf die Probe
Brüssel prüft 500-Millionen-Dollar-Übernahme des Anglo-Nickelgeschäfts durch chinesischen Bergbaukonzern

Der von China unterstützte Bergbaukonzern MMG drängt die europäischen Wettbewerbshüter zur Genehmigung des Kaufs des brasilianischen Nickelgeschäfts von Anglo American für 500 Millionen Dollar. Der Fall könnte zum Präzedenzfall werden, wie weit Brüssel geht, um die chinesische Kontrolle über strategische Rohstofflieferketten einzuschränken.
Die Europäische Kommission prüft, ob die Akquisition MMG in die Lage versetzen könnte, brasilianisches Ferronickel von Europa abzuziehen und damit die Kosten für Edelstahlhersteller in der Region in die Höhe zu treiben. Bereits nächste Woche wird mit einer formellen Warnung der EU-Aufsichtsbehörden gerechnet.
„Letztendlich sind wir zuversichtlich, dass die Generaldirektion Wettbewerb geopolitische Erwägungen beiseite legt und diese Angelegenheit auf Basis der Daten beurteilt", sagte Troy Hey, Executive General Manager für Unternehmensbeziehungen bei MMG, gegenüber der Financial Times.
Hintergrund des Deals
MMG hatte sich im Februar 2025 auf den Kauf des brasilianischen Nickelgeschäfts von Anglo American geeinigt. Der Deal umfasst zwei Ferronickel-Betriebe und zwei Greenfield-Projekte. Der in Hongkong notierte Bergbaukonzern wird vom staatseigenen chinesischen Unternehmen China Minmetals kontrolliert.
Die Kommission teilte Ende letzten Jahres mit, dass die Transaktion MMG die Fähigkeit und den Anreiz geben könnte, Ferronickel-Lieferungen von Europa abzuzweigen. Dies würde die Wettbewerbsfähigkeit der Edelstahlproduzenten in der Region potenziell schwächen.
MMG bestreitet diese Einschätzung entschieden. „Die von der DG COMP in Auftrag gegebenen unabhängigen Daten sind sehr klar und konsistent. Es gibt keine Möglichkeit, den Markt auszuschließen, noch besteht ein entsprechender Anreiz dazu", so Hey.
Anglo argumentiert für Genehmigung
Auch Anglo American hat sich für eine Genehmigung ohne Auflagen ausgesprochen. Das Unternehmen verweist auf die expandierende Ferronickel-Produktion anderer Lieferanten sowie auf die Fähigkeit europäischer Kunden, ihre Bezugsquellen zu wechseln. Zudem argumentiert Anglo, dass EU-Beschränkungen für chinesische Stahlimporte dazu führen, dass chinesischer Edelstahl nicht einfach nach Europa umgeleitet werden könne und daher keine wettbewerbsrechtliche Bedrohung darstelle.
Laut der Preisberichterstattungsagentur Fastmarkets sind Brasilien und Indonesien bedeutende Produzenten von Ferronickel, während China dieses Material nicht selbst produziert. China ist stattdessen ein großer Produzent und Verbraucher von Nickelpig-Eisen, einem weiteren Einsatzstoff bei der Edelstahlherstellung. Europäische Produzenten sind dagegen stark auf recycelte Materialien angewiesen.
Kritik an der Datenlage
Kritiker argumentieren, dass die aggregierten Versorgungsdaten die Schwierigkeiten bei der Ersatzlieferung von brasilianischem Ferronickel unterschätzen. Der Nickelgehalt, die Produktqualität, die Zuverlässigkeit und die Kohlenstoffintensität variieren zwischen den Lieferanten erheblich. Dies könnte Alternativen für einige europäische Hersteller teurer oder ungeeignet machen. Zudem verleiht die starke Abhängigkeit Brasiliens von Wasserkraft seiner Produktion einen relativ niedrigen CO₂-Fußabdruck.
Weitere Implikationen
Der Fall geht über eine herkömmliche wettbewerbliche Prüfung hinaus. Europa versucht zunehmend, seine Abhängigkeit von China bei Metallen und Mineralien zu verringern, was auf die Exportbeschränkungen Pekings für eine Reihe von Materialien zurückzuführen ist. Ferronickel wird zwar nicht als kritisches Mineral eingestuft, doch europäische Stahlhersteller befürchten, dass eine zunehmende chinesische Beteiligung an der Produktion im Ausland die Branche anfälliger für Versorgungsunterbrechungen oder wirtschaftlichen Druck machen könnte.
Auch außerhalb Europas zieht die Transaktion Aufmerksamkeit auf sich. Die brasilianische Wettbewerbsbehörde hat eine Untersuchung eingeleitet, nachdem die CoreX Holding, eine Industriegruppe und regionale Konkurrentin, Beschwerde eingelegt hatte.
Gegner der Transaktion fordern, dass Regulierungsbehörden den Erwerb vor dem Hintergrund des größeren Wettbewerbs zwischen den führenden Wirtschaftsnationen um die Kontrolle über Rohstoffe und der eskalierenden Handelsspannungen zwischen den USA und China bewerten sollten.
Schwierige Entscheidung für Brüssel
Diese Argumentation stellt Brüssel vor eine schwierige Entscheidung. Wettbewerbsbehörden müssen die Transaktion anhand ihrer Marktauswirkungen beurteilen, während gleichzeitig europäische politische Entscheidungsträger versuchen, strategische Abhängigkeiten zu reduzieren und heimische industrielle Lieferketten zu stärken.
Eine Blockade oder die Auferlegung von Auflagen für den Erwerb könnte signalisieren, dass Eigentumsverhältnisse und geopolitische Versorgungsrisiken bei europäischen Ressourcen-Deals zunehmend wichtige Gesichtspunkte werden. Eine bedingungslose Genehmigung würde hingegen MMGs und Anglos Argument stützen, dass Bedenken hinsichtlich der chinesischen Kontrolle die verfügbaren Beweise bezüglich des Wettbewerbs bei Ferronickel nicht überwiegen.
