Ende der Powell-Ermittlungen ebnet Warsh den Weg zur Fed-Spitze
Die eingestellten Ermittlungen gegen Powell beseitigen ein zentrales Hindernis für die Bestätigung von Kevin Warsh als neuem Fed-Vorsitzenden.

Die strafrechtlichen Ermittlungen des US-Justizministeriums gegen den amtierenden Fed-Vorsitzenden Jerome Powell sind beendet. Damit fällt ein entscheidendes politisches Hindernis für die Bestätigung von Kevin Warsh als designiertem Nachfolger an der Spitze der US-Notenbank Federal Reserve. Der republikanische Senator Thom Tillis aus North Carolina hatte zuvor geschworen, alle Fed-Nominierten zu blockieren, solange das Justizministerium die aus seiner Sicht unbegründeten Ermittlungen nicht einstellt.
Die Reaktion der Finanzmärkte ließ nicht lange auf sich warten: Der US-Dollar und die Renditen von US-Staatsanleihen gaben nach der Ankündigung nach. Der Handel mit kurzfristigen Treasuries spiegelte die Erwartung wider, dass Warsh die Geldpolitik schneller lockern könnte als sein Vorgänger Powell. Warsh hatte sich in der Vergangenheit bereits für niedrigere Zinssätze ausgesprochen.
Die US-Aktienmärkte zeigten sich nach der Ankündigung uneinheitlich und bewegten sich weitgehend im Einklang mit ihrem vorherigen Handelsverlauf. Eine kräftige Rally bei Chip-Aktien ließ den Nasdaq jedoch um mehr als ein Prozent steigen.
Warsh gilt als taubenhafter als Powell
Marktbeobachter sehen in Warsh einen geldpolitisch etwas lockereren Kurs als unter Powell. Bei seiner Anhörung Anfang der Woche legte Warsh den Schwerpunkt auf sogenannte getrimmte und Median-Inflationsmaße, während Powell häufig die Kernrate betonte, die lediglich Nahrungsmittel und Energie ausschließt. Die getrimmten und Median-Werte fallen dabei etwas schwächer aus als die Kernrate.
„Der Markt interpretiert dies so, dass Warsh diese schwächeren Inflationskennzahlen stärker gewichten wird, was dazu führen könnte, dass er mehr Zinssenkungen durchzusetzen versucht als Powell", erklärte ein Marktanalyst. „Aktuell wertet der Markt dies als tendenziell taubenhaft. Die Erwartung für die Fed-Sitzung im Dezember liegt heute um fünf Basispunkte niedriger, was zu einem leichten Ausverkauf beim US-Dollar führt."
Die politische Dimension der eingestellten Ermittlungen wird von Beobachtern als bedeutsam eingestuft. „Der entscheidende Punkt war, dass dies ein großes Hindernis für die Anhörungen der Federal Reserve zur Einsetzung des neuen Vorsitzenden darstellte", so ein weiterer Kommentator. „Es war politisch unpopulär. Kongressmitglieder erklärten, sie sähen kein Verbrechen. Ich halte es für sehr positiv, dass damit eine Unsicherheit beseitigt wurde."
Warsh kein „Marionette des Präsidenten"
Trotz der Erleichterung über das Ende der Ermittlungen warnen Experten vor überzogenen Erwartungen hinsichtlich einer politischen Steuerbarkeit der Fed unter Warsh. „Mit dem Abschluss der Ermittlungen des Justizministeriums kann Warsh nun als designierter Vorsitzender betrachtet werden. Er wird keine Marionette des Präsidenten sein, daher könnten wir in einigen Monaten Social-Media-Posts sehen, in denen beklagt wird, dass Kevin die Zinsen nicht senkt", hieß es aus Marktkreisen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt Warshs angekündigtem Kommunikationsstil. Seine Doktrin des „Weniger ist mehr" in Bezug auf die Fed-Kommunikation könnte die Märkte künftig vor größere Herausforderungen stellen. Wenn die Notenbank weniger Orientierungspunkte liefert, entsteht mehr Raum für Überraschungen bei geldpolitischen Entscheidungen.
Analysten warnen, dass dies die Marktzinsen nach oben treiben und eine Art „Schreck-Prämie" etablieren könnte, um das Risiko unvorhersehbarer Fed-Schritte einzupreisen. Für deutsche Anleger, die US-Anleihen oder den Dollar im Portfolio halten, bedeutet dies eine erhöhte Aufmerksamkeit für die künftigen FOMC-Sitzungen und die Kommunikation der stimmberechtigten Mitglieder des Offenmarktausschusses.
