Dividendenaktien gegen Anleihen: Fondsmanager Rhodes setzt auf Wachstum
Seit 2022 werfen Anleihen wieder Erträge ab – für Dividendenfonds eine neue Konkurrenz.

Seit 2022 sind Anleihen wieder eine ernstzunehmende Anlageklasse. Zehnjährige US-Staatsanleihen und britische Gilts werfen mehr als fünf Prozent Rendite ab, Tagesgeld in Euro bringt bis zu 3,5 Prozent Zins. Für Anleger, die jahrelang auf Dividendenaktien angewiesen waren, um überhaupt Erträge zu erzielen, hat sich die Ausgangslage damit grundlegend verändert. Fondsmanager Stuart Rhodes, der den M&G Global Dividend verantwortet, sieht darin jedoch keinen Grund, seine Strategie zu ändern.
Der Fonds setzt nicht auf die höchste Anfangsrendite, sondern auf wachsende Ausschüttungen. Die durchschnittliche Dividendenrendite des Portfolios liegt bei etwa 3,5 Prozent. Seit der Auflegung im Jahr 2008 hat sich die Ausschüttung nach Angaben des Fondsmanagers etwa vervierfacht – ein Zuwachs von rund sieben Prozent pro Jahr. Rhodes formuliert die Logik so: "Wir sind bei Aktien mit drei oder vier Prozent Anfangsrendite zufrieden, wenn die Dividende zuverlässig wächst." Der Grundgedanke dahinter ist der reale Vermögenserhalt: Steigende Ausschüttungen sollen die Inflation ausgleichen, während eine feste Anleiherendite über die Jahre an Kaufkraft verliert.
Warum hohe Renditen eine Falle sein können
Rhodes warnt ausdrücklich davor, allein auf die Höhe der Dividendenrendite zu schauen. "Eine hohe Dividendenrendite von acht Prozent ist kein Kaufgrund. Sie kann eine Falle sein, wenn der Markt schwächere Cashflows, hohe Investitionen oder einen Abschwung erwartet", sagt er. Ein Beispiel aus dem Portfolio ist Gibson Energy: Beim Einstieg lag die Rendite über acht Prozent, inzwischen ist sie auf etwa sechs Prozent gefallen. Der Grund ist nicht eine Kürzung, sondern ein gestiegener Aktienkurs – die Bewertung hat sich also normalisiert.
Ein anderes Bild zeigt Mercedes-Benz. Die Aktie wirft rund acht Prozent Dividendenrendite ab und wird nur mit dem Siebenfachen des Gewinns bewertet. Solche Kennzahlen können auf günstige Einstiegsmöglichkeiten hindeuten, aber auch auf Skepsis des Marktes. Genau hier liegt die Aufgabe eines aktiven Fondsmanagers: zu unterscheiden, ob eine hohe Rendite Ausdruck von Stärke oder von erwarteter Schwäche ist.
Der Fonds hält rund 40 Unternehmen und verteilt sie auf drei Kategorien: Qualitätsaktien, zyklische Werte und Titel mit strukturellem Wachstum. Länderwetten vermeidet Rhodes bewusst. Zu den bekannten Namen im Portfolio zählen <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft, das seine Dividende zuletzt um acht Prozent anhob, sowie TSMC, Broadcom, Coca-Cola, Nestlé, Diageo, Carlsberg und Britvic. Aus Deutschland ist Siemens die einzige Aktie im Depot.
Belastungstests und schwierige Jahre
Der Fonds wurde 2008 aufgelegt – mitten in der Finanzkrise. Er überstand sowohl diese als auch die Coronapandemie, ohne die Ausschüttung zu kürzen. Rhodes beschreibt die Haltung in solchen Phasen so: "In Krisen muss man gegen die Stimmung am Markt investieren können – nach Prüfung von Geschäftsmodell und Bilanz." Das klingt einfach, verlangt aber Durchhaltevermögen, wenn Kurse fallen und Schlagzeilen schlecht sind.
Nicht jedes Jahr verlief reibungslos. 2021 wuchs die Ausschüttung nur um rund ein Prozent – deutlich weniger als der langfristige Durchschnitt von etwa sieben Prozent. Solche Dellen gehören zu einer Dividendenstrategie dazu, weil einzelne Unternehmen ihre Zahlungen aussetzen oder senken können.
Auch personelle und strukturelle Veränderungen prägten das Portfolio. Johnson & Johnson wurde vor etwa fünf oder sechs Jahren verkauft – ausgelöst durch den Rechtsstreit rund um Babypuder. Bei Roche und Novartis hat sich das Dividendenwachstum auf etwa ein bis zwei Prozent verlangsamt, was die Attraktivität für wachstumsorientierte Dividendenfonds schmälert.
Das Fondsvolumen ist von elf Milliarden Euro vor elf Jahren auf heute neun Milliarden Euro gesunken. Das kann an Marktbewegungen, Mittelabflüssen oder beidem liegen – ein Zeichen dafür, dass auch erfolgreiche Strategien nicht immer Kapital anziehen.
Japan als Lichtblick, Tech als Risiko
Regional sieht Rhodes nur in Japan eine deutliche Verbesserung bei Dividenden. Dort haben viele Unternehmen ihre Ausschüttungspolitik zuletzt spürbar verbessert. In anderen Märkten ist die Entwicklung dagegen durchwachsen.
Ein weiteres Thema ist die Konzentration des Marktes. Wenige große Techkonzerne bestimmen heute einen erheblichen Teil der Gesamtperformance von Indizes. Für Dividendenfonds ist das eine Herausforderung, weil viele dieser Schwergewichte wenig oder gar keine Ausschüttungen zahlen. Rhodes zufolge blicken ETFs auf Dividenden-Aristokraten in den Rückspiegel: Sie setzen auf vergangene Stabilität, während sich die Marktstruktur verschoben hat.
Hinzu kommen politische Unsicherheiten. Die Zollankündigungen Donald Trumps im April 2025 haben gezeigt, wie schnell Handelskonflikte die Stimmung an den Märkten drehen können. Für Dividendeninvestoren bedeutet das: Wer auf zuverlässige Ausschüttungen setzt, sollte Geschäftsmodelle, Bilanzen und Bewertungen genau prüfen – statt nur auf die aktuelle Rendite zu schauen.
Für Privatanleger ergibt sich daraus eine klare Botschaft: Anleihen sind seit 2022 wieder eine Alternative, aber sie bieten keine wachsenden Erträge. Dividendenaktien können den Inflationsausgleich liefern – vorausgesetzt, die Ausschüttung wächst tatsächlich und die Bewertung ist vertretbar. Die Entscheidung hängt damit weniger von der Höhe der Anfangsrendite ab als von der Frage, ob ein Unternehmen seine Dividende dauerhaft steigern kann.
