Digitaler Euro startet im Großhandel mit neuer EZB-Plattform
EZB bringt Pontes-Plattform für tokenisierte Zahlungen zwischen Banken an den Start.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Montag den digitalen Euro auf den Großhandels-Finanzmärkten eingeführt. Mit der neuen Plattform namens Pontes können Banken tokenisierte Transaktionen in Zentralbankgeld abrechnen. Seit 9:15 Uhr ist das System aktiv und verbindet private Betreiber verteilter Ledger-Systeme mit Kreditgebern in der gesamten Eurozone.
Tokenisierung bedeutet, dass digitale Versionen von Vermögenswerten und Geld erstellt werden, die sicher auf Blockchain-basierten Systemen ausgetauscht werden können. Die EZB will mit Pontes Zentralbankgeld als Alternative zu privat ausgegebenen Stablecoins etablieren. Dies ist besonders relevant, da der Großteil der globalen Stablecoin-Transaktionen mit Dollar-denominierten Token durchgeführt wird.
Hintergrund und strategische Bedeutung
Die neue Plattform ist Teil eines umfassenderen Vorhabens der EZB zur Modernisierung der Währungs- und Zahlungsinfrastruktur der Europäischen Union. Parallel dazu entwickelt die Zentralbank einen Retail-digitalen Euro für Transaktionen zwischen Privatpersonen und Händlern. Während der Retail-digitale Euro noch von einer entscheidenden Änderung des EU-Rechts abhängt, kann die EZB den digitalen Euro im Großhandel gemäß den bestehenden Vorschriften einführen.
Die EZB argumentiert, dass sowohl der Retail-digitale Euro als auch der Großhandels-digitale Euro notwendig sind, um die Freiheit und Souveränität des einheitlichen Währungsgebiets zu schützen. Sollten US-Dollar-denominierte Stablecoins in Europa populär werden, um digitale Transaktionen abzuwickeln, könnte Europa die Kontrolle über seine Geldpolitik verlieren, haben Ökonomen der EZB gewarnt. Auch die Dominanz der US-Zahlungsunternehmen Visa, Mastercard und PayPal schafft nach Einschätzung der Währungshüter geopolitische Verwundbarkeiten.
Technische Umsetzung und Teilnehmer
Pontes verbindet private Betreiber verteilter Ledger-Systeme mit Kreditgebern in der 21-Länder umfassenden Eurozone über das bestehende Target2-System der EZB, das Zahlungen zwischen europäischen Banken abrechnet. Die EZB begann 2024 mit der Arbeit am digitalen Euro im Großhandel.
Gestartet ist Pontes mit 13 Kreditgebern, darunter die Deutsche Bank, Santander und Société Générale. Hinzu kommen vier Betreiber verteilter Ledger-Systeme, darunter Clearstream im Besitz der Deutschen Börse und das litauische Fintech-Unternehmen Axiology. In den kommenden Monaten sollen weitere Teilnehmer hinzugefügt werden, wie eine mit dem Projekt vertraute Person mitteilte.
EZB-Vorstandsmitglied Piero Cipollone sagte am Montag, dass Pontes „Stabilität und Vertrauen durch Zentralbankgeld in das europäische tokenisierte Finanz-Ökosystem“ bringe. Isabelle Mateos y Lago, Chefökonomin bei BNP Paribas, hatte Anfang des Jahres argumentiert, dass Europa „dringend“ eine Großhandels-Währung benötige.
Zeitplan und Ausblick
Die Handelszeiten von Pontes sind zunächst auf die Zeit zwischen 8 Uhr und 16 Uhr mitteleuropäischer Zeit beschränkt. Geplant ist jedoch, dass das System bis 2028 rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr betrieben wird.
Die EZB selbst wird einer der ersten Nutzer von Pontes sein. Das Institut mit Sitz in Frankfurt gab am Montag bekannt, dass es einen „kleinen Teil seiner eigenen Mittel in tokenisierte Wertpapiere“ investieren werde. Eine mit den Details vertraute Person betonte, dass dies nicht bedeute, dass die EZB Kryptowährungen wie Bitcoin oder Stablecoins des Privatsektors wie Tether kaufen würde. Stattdessen werde sie tokenisierte Wertpapiere wie Anleihen in ihrem nicht geldpolitischen Portfolio erwerben, um praktische Erfahrung als Nutzerin der Technologie verteilter Ledger-Systeme zu sammeln.
Für den Retail-digitalen Euro plant die Zentralbank die Einführung bis 2029. Der Beta-Test der Retail-Technologie soll 2027 starten. Die dafür notwendigen Gesetzesänderungen werden derzeit zwischen dem Europäischen Parlament, dem Rat der Europäischen Union und der Europäischen Kommission diskutiert. Eine politische Einigung wird bis Ende des Jahres erwartet.
