Deutschlandfonds: Wie der Bund 100 Milliarden private Investitionen mobilisieren will
Mit 30 Milliarden Euro Staatsgeld soll privates Kapital aktiviert werden – erste Projekte zeigen Wirkung

Während die Politik über Sondervermögen und Schuldenbremse streitet, gerät eine zentrale Herausforderung oft aus dem Blick: Die privaten Investitionen in Deutschland sind eingebrochen. Unternehmen investieren inflationsbereinigt 6,9 Prozent weniger als noch 2019. Dabei machen private Investitionen ein Vielfaches der öffentlichen Ausgaben aus und sind entscheidend für nachhaltiges Wirtschaftswachstum.
Genau hier setzt der neue Deutschlandfonds an. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat das Instrument kürzlich vorgestellt – wobei der Name irreführend ist. Es handelt sich weder um einen klassischen Investmentfonds noch um einen norwegischen Staatsfonds. Vielmehr bündelt die Bundesregierung verschiedene Förderprogramme unter einem Dach, die über die KfW-Bank vermittelt werden.
Das Konzept basiert auf einem Hebelprinzip: Mit bis zu 30 Milliarden Euro staatlicher Mittel sollen private Investitionen von über 100 Milliarden Euro angestoßen werden. "Der Deutschlandfonds bietet eine breite Palette an Instrumenten, die auf unterschiedliche Bedarfe unserer Wirtschaft zugeschnitten sind", erklärt Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD).
Rohstoffsicherung: Erste Erfolge mit Lithium-Projekt
Ein Schwerpunkt liegt auf der Rohstoffversorgung. Die Abhängigkeit von wenigen Ländern gilt als strategisches Risiko für die deutsche Industrie. Der bereits unter der Ampel-Regierung eingerichtete Rohstofffonds zeigt nun erste Wirkung: Im Dezember 2025 kam die erste Vereinbarung zustande – mit dem deutsch-australischen Unternehmen Vulcan Energy.
Das Unternehmen plant, im Oberrheingraben bei Landau Lithium zu fördern. Der strategisch wichtige Rohstoff wird vor allem für Batterien in Elektrofahrzeugen benötigt. Geschäftsführer Thorsten Weimann beziffert das Potenzial auf Lithium für rund 500.000 Fahrzeuge jährlich. "Damit können wir in einem gewissen Maß dazu beitragen, die Versorgung für Deutschland sicherzustellen."
Entscheidend für das Projekt ist die Beteiligung des Bundes mit 150 Millionen Euro über die KfW. Die Signalwirkung geht dabei über die reine Kapitalspritze hinaus. "Für weitere Investoren und auch Fremdkapitalgeber hat das eine sehr hohe Wirkung", betont Weimann. Die staatliche Unterstützung erleichtert auch die öffentliche Akzeptanz. Insgesamt wurden durch den KfW-Einstieg Investitionen von über zwei Milliarden Euro mobilisiert.
KfW-Vorstandschef Stefan Wintels sieht in der Vulcan-Beteiligung ein Modell für weitere Projekte. "Wir haben beim Rohstofffonds mehr als 50 Projekte in der Pipeline, die wir auf die Machbarkeit überprüfen." Noch im laufenden Quartal soll ein weiteres Investment bekannt gegeben werden.
Scale-up-Finanzierung für Wachstumsunternehmen
Junge Unternehmen, die den Start erfolgreich gemeistert haben, stoßen oft an Finanzierungsgrenzen, wenn es um die Skalierung geht. Für diese Phase bietet der Deutschlandfonds spezielle "Scale-up"-Programme. Erster Partner ist der Drohnenhersteller Quantum Systems aus Gilching bei München.
Das Unternehmen erhielt eine mehrjährige Finanzierungszusage aus dem "Scale-up Direkt"-Programm der KfW. Finanzvorstand Jonas Jarosch erklärt, dies ermögliche den Ausbau von Produktion, Entwicklung und Forschung. Ein strategisches Ziel: Deutschland soll bei Drohnentechnologie unabhängiger von den USA und anderen Ländern werden – ein wichtiger Faktor angesichts geopolitischer Unsicherheiten.
Energiewende: 550 Milliarden Euro Investitionsbedarf
Die dritte Säule des Deutschlandfonds fokussiert auf den Energiesektor. Allein für Modernisierung und Ausbau der kommunalen Energie- und Wärmeversorgung werden bis 2045 Investitionen von über 550 Milliarden Euro benötigt. Die meist kommunalen Versorger benötigen dringend Finanzierungsunterstützung.
Die KfW plant gemeinsam mit Hausbanken eine besondere Finanzierungsform, bei der Haftungsrisiken teilweise vom Staat übernommen werden. "Das führt zu einer Entlastung der Banken in ihren Bilanzen und ermöglicht ihnen dadurch, den kommunalen Versorgern mehr Kredite zu gewähren", erläutert Vorstand Wintels.
Auch Garantien können Investitionen erleichtern. In Zusammenarbeit mit Versicherern wird beispielsweise das Risiko bei Bohrungen nach Geothermie-Quellen abgefedert. Ob die Bohrungen erfolgreich sind, ist damit nicht mehr allein das Risiko der Investoren.
Die Bundesregierung setzt darauf, dass der Deutschlandfonds die Investitionsschwäche der deutschen Wirtschaft überwindet. Ob das Konzept aufgeht, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen – wenn weitere Projekte aus der Pipeline realisiert werden.
