Deutsche Wirtschaft erneut in der Rezession
Hohe Kosten, schwache Nachfrage und politische Unsicherheiten belasten Konjunktur

Die deutsche Wirtschaft hat im Jahr 2024 das zweite Jahr in Folge eine Schrumpfung verzeichnet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ging das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,2 Prozent zurück, nachdem es bereits 2023 einen Rückgang von 0,3 Prozent gegeben hatte. Diese zweijährige Rezession ist die erste seit 2002/03. Hauptursachen für diese Entwicklung waren hohe Energiekosten, ein nach wie vor erhöhtes Zinsniveau und eine schwache Nachfrage im Exportsektor. Zudem erschwerten unsichere wirtschaftliche Aussichten eine Erholung der Konjunktur.
Der erwartete Anstieg des Konsums durch steigende Reallöhne blieb aus, da viele Haushalte weiterhin die Auswirkungen der vorherigen Kaufkrafteinbußen spürten und vorsichtig mit Ausgaben umgingen. Auch die Arbeitsplatzunsicherheit trug dazu bei, dass Verbraucher weniger konsumierten. Die Baubranche war besonders stark betroffen: Hohe Finanzierungs- und Materialkosten ließen die Nachfrage nach Eigenheimen sinken. Gleichzeitig belasteten politische Unsicherheiten, wie der russische Krieg gegen die Ukraine und die internen Probleme der deutschen Bundesregierung, das wirtschaftliche Klima zusätzlich.
Die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen wurde durch die ungewisse politische Lage gebremst. Mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl zögern viele Firmen, da die künftigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen unklar sind. Eine Umfrage des Münchner ifo-Instituts unter etwa 9.000 Führungskräften zeigte, dass die wirtschaftliche Stimmung zum Jahresende so schlecht war wie seit der Coronakrise nicht mehr. Laut ifo-Präsident Clemens Fuest ist die Schwäche der deutschen Wirtschaft inzwischen ein chronisches Problem.
Auch die öffentlichen Finanzen litten unter der Konjunkturschwäche. Der deutsche Staat verzeichnete 2024 eine Neuverschuldung von 113 Milliarden Euro, 5,5 Milliarden mehr als im Vorjahr. Das Defizit entsprach 2,6 Prozent des BIP, getrieben von höheren Ausgaben für Renten, Pensionen und Sozialleistungen. Der Bund konnte jedoch sein Defizit im Vergleich zum Vorjahr deutlich verringern.
Für 2025 prognostizieren Ökonomen bestenfalls ein geringes Wachstum. Die Bundesbank rechnet mit einem Anstieg des BIP um 0,2 Prozent, während die OECD Deutschland als Schlusslicht unter den Industrieländern sieht. Der Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, Cyrus de la Rubia, betonte, dass das aktuelle Jahrzehnt eines der schwächsten Wachstumsperioden der vergangenen 60 Jahre sei. Auch der Jahresbeginn 2025 steht im Zeichen der Konjunkturschwäche mit rückläufigen Aufträgen in Industrie und Bauwirtschaft sowie einer gedämpften Konsumstimmung.
