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Insolvenzen auf Höchststand seit der Finanzkrise

Größere Unternehmen besonders betroffen, Nachholeffekte und Zinsanstieg als Ursachen

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Insolvenzen auf Höchststand seit der Finanzkrise

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland hat ein Niveau erreicht, das mit der Finanzkrise von 2009 vergleichbar ist. Nach Angaben des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) liegt die Anzahl insolventer Personen- und Kapitalgesellschaften aktuell bei rund 1.400 Fällen pro Monat. Dies entspricht den Werten, die während der Finanzkrise vorherrschten. Ein zentraler Unterschied besteht jedoch darin, dass die Zahl der insolventen Kleinstunternehmen heute deutlich geringer ist. Während 2009 noch etwa ebenso viele Kleinstunternehmen betroffen waren, sind es derzeit lediglich rund 500 pro Monat. Die Insolvenzen betreffen somit vermehrt größere Unternehmen, wodurch ein höherer Verlust an wirtschaftlicher Substanz eintritt.

Ein Teil des Anstiegs der Insolvenzzahlen lässt sich auf Nachholeffekte zurückführen, die als Folge der Corona-Pandemie und der langen Nullzinsphase entstanden sind. Die Europäische Zentralbank hatte über Jahre hinweg günstige Finanzierungsbedingungen geschaffen, die nun durch steigende Zinsen abgelöst wurden. Dies bringt vor allem Unternehmen in Schwierigkeiten, die sich zuvor durch günstige Kredite über Wasser halten konnten. Steigende Insolvenzzahlen werden in der Wirtschaftsforschung auch als ein Prozess der Marktbereinigung interpretiert, wobei jedoch die langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen schwer vorherzusagen sind. Selbst bei einer wirtschaftlichen Erholung könnten die Zahlen hoch bleiben, da der bestehende Rückstau an Fällen erst abgebaut werden muss.

Besonders auffällig ist der Anstieg der Insolvenzen bei größeren Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten. Laut einer Analyse der Wirtschaftsauskunftei Creditreform sind die Fallzahlen in dieser Kategorie um 44,4 Prozent gestiegen. Insgesamt kletterte die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2024 auf 22.400 Fälle, was einem Anstieg von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Diese Entwicklung markiert den höchsten Wert seit 2015. Patrick-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform-Wirtschaftsforschung, sieht die Insolvenzzahlen zunehmend in die Nähe der Spitzenwerte von 2009 und 2010, als über 32.000 Unternehmen Insolvenz anmeldeten.

Neben den Unternehmensinsolvenzen wurden im Jahr 2024 auch insgesamt rund 121.300 Insolvenzverfahren registriert, einschließlich Verbraucher- und sonstiger Insolvenzen. Dies entspricht einem Anstieg von 10,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Daten verdeutlichen die anhaltende Belastung der deutschen Wirtschaft durch die gegenwärtige Konjunkturkrise und die daraus resultierenden finanziellen Herausforderungen.

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