DEA führt neue Registrierungsformulare für Hersteller und Labore ein
Die US-Drogenbehörde erweitert die Registrierung im Medizinalcannabis-Markt und bietet nun eigene Formulare für Produzenten, Distributoren und Testlabore an.

Die US-Drogenvollzugsbehörde Drug Enforcement Administration (DEA) hat neue, spezialisierte Registrierungsformulare für zusätzliche Arten staatlich lizenzierter medizinischer Marihuana-Unternehmen eingeführt. Sie richten sich an Akteure jenseits der Dispensaries, also jener Abgabestellen, die bereits seit April ein eigenes Verfahren nutzen konnten. Mit den neuen Formularen sollen Betriebe Zugang zu den föderalen Schutzmaßnahmen erhalten, die im Zuge des Rescheduling-Prozesses für Cannabis unter der Trump-Administration entstehen.
Bislang hatten medizinische Cannabis-Dispensaries im April begonnen, sich über ein neues Formular registrieren zu lassen. Andere Unternehmen in der staatlich legalen Lieferkette des medizinischen Marihuana-Geschäfts konnten seit Monaten auf standardisierte Bundesformulare zurückgreifen. Nun bietet die DEA jedoch spezifische Registrierungslinks für Hersteller, Distributoren und analytische Labore im Bereich medizinisches Marihuana an – eine Änderung, auf die die Behörde bereits im Mai hingewiesen hatte.
Die Details
Wie die Branchenplattform „Cannabis Business Times" berichtete, die zuvor auf die neuen Formulare aufmerksam machte, fallen für die Registrierung nicht erstattbare Anmeldegebühren an. Demnach betragen sie 3.699 Dollar für Hersteller von medizinischem Marihuana, 1.850 Dollar für Distributoren und 296 Dollar für Testlabors. Die Gebühren unterscheiden sich damit deutlich je nach Funktion innerhalb der Lieferkette.
Unternehmen, die die neue Version des DEA-Formulars 225 ausfüllen, müssen mehrere Angaben machen. So ist anzugeben, ob sie mit medizinischem und/oder rekreativem Marihuana umgehen werden, und es sind die staatlichen Lizenzinformationen bereitzustellen. Zudem müssen die Betriebe erklären, ob sie mit Marihuana, Marihuana-Extrakt und/oder natürlichem Delta-9-THC in einem cannabisbasierten Produkt arbeiten, das entweder einer staatlichen medizinischen Lizenz unterliegt oder von der Food and Drug Administration (FDA) zugelassen ist. Außerdem sind Fragen zur strafrechtlichen und disziplinarischen Vorgeschichte des Unternehmens sowie der Schlüsselpersonen zu beantworten.
Für Dispensaries gilt weiterhin ein eigenes Verfahren. Sie konnten sich während eines 60-Tage-Fensters über ein spezielles Formular für eine beschleunigte Prüfung registrieren lassen. Wer sich noch registrieren möchte, kann dies nun über das Standard-DEA-Formular 224 tun. Die Einführung der neuen Formulare erfolgt parallel dazu, dass Personal der DEA Inspektionen bei medizinischen Marihuana-Dispensaries durchführt, die sich zuvor für die Registrierung beworben hatten.
Ein konkretes Beispiel für die praktischen Folgen dieser Prüfungen lieferte Nicole Huff, CEO der Wildflower Medical Dispensary in Aberdeen. Sie erklärte gegenüber „Marijuana Moment", sie plane, gegen eine Entscheidung der DEA vorzugehen. Sie befürchtet, dass diese Entscheidung sie zwingen könnte, zwei gute Mitarbeiter zu entlassen, wenn sie Schutzmaßnahmen im Rahmen des Rescheduling in Anspruch nehmen will. Huff teilte „Marijuana Moment" Korrespondenz mit, die ein DEA-Beamter bezüglich der beiden fraglichen Mitarbeiter versandt hatte, die wegen schwerer Straftaten verurteilt wurden.
Aufgrund dieser Vorstrafen muss das Unternehmen nach Angaben aus der Korrespondenz entweder die Mitarbeiter entlassen, seinen Antrag auf föderale Schutzmaßnahmen zurückziehen, eine Ausnahmegenehmigung beantragen – wodurch es jedoch nicht mehr für die beschleunigte Bearbeitung qualifiziert wäre – oder sich vor einem Gerichtsbeamten der Behörde verantworten. Huff sagte gegenüber „Marijuana Moment", dass sie die Angelegenheit vor einem DEA-Richter bringen werde.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 16.09.2026 berichtete aktien.news, dass die DEA zunehmend die Rolle eines aktiven Regulierers der Cannabisbranche übernimmt. Die Neuklassifizierung von Marihuana durch die Trump-Regierung sei zunächst vor allem als Befreiungsschlag gefeiert worden – mit Steuererleichterungen und mehr Akzeptanz bei Investoren –, doch zeichne sich nun eine andere, weitreichende Konsequenz ab. Was viele Betreiber als lang ersehnte bundesstaatliche Legitimität begrüßen, entpuppe sich als Eintritt in eine neue Ära der Aufsicht; das Justizministerium (DOJ) hatte lizenziertes medizinisches Marihuana auf Staatsebene von der gefürchteten Kategorie I in die Kategorie III verschoben.
Am 06.06.2026 berichtete aktien.news über eine folgenreiche Frist: Bis zum 22. Juni 2026 konnten sich staatlich lizenzierte Anbieter von medizinischem Marihuana bei der DEA registrieren, um ihre Unternehmen unter den neuen bundesweiten „Schedule 3"-Rahmen zu stellen. Hintergrund war die bundesweite Umstufungsanordnung vom 23. April, die Cannabis von Schedule 1 in Schedule 3 des US-Betäubungsmittelgesetzes verschob. Die DEA forderte daraufhin staatlich lizenzierte Anbauer, Produzenten, Distributoren, Transporteure, Großhändler und Einzelhändler von medizinischem Marihuana zur Registrierung auf.
Am 22.09.2026 berichtete aktien.news, dass sich die überwältigende Mehrheit der Cannabis-Unternehmen im Bundesstaat Missouri gegen eine Registrierung bei der DEA entschieden hat. Das war das Ergebnis einer Umfrage der Branchenplattform MJBizDaily unter den Marktteilnehmern des rund 1,5 Milliarden Dollar schweren Cannabis-Marktes. Nur etwa ein Drittel der mehr als 90 Mitglieder des Missouri Cannabis Trade Association (MoCannTrade) habe überhaupt einen Antrag auf DEA-Registrierung gestellt, sagte Geschäftsführer Andrew Mullins; von diesen Anträgen sei bis vor kurzem keiner genehmigt worden.
Ebenfalls am 22.09.2026 meldete aktien.news, dass die DEA nach Angaben des obersten Cannabis-Regulators von Kalifornien „keinerlei Interesse" daran zeigt, die Bundesstaaten bei der Vorbereitung auf die geplante Neuklassifizierung von Marihuana zu unterstützen. Clint Kellum, Direktor des California Department of Cannabis Control (DCC), beklagte auf einer Sitzung des Cannabis Advisory Committee, dass die Behörde trotz mehrfacher Kontaktversuche keine Informationen zu Umsetzungsrichtlinien geliefert habe.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die auf den US-Cannabis-Markt schauen, ist die Entwicklung ein zweischneidiges Signal. Einerseits schafft die Registrierung bei der DEA Rechtssicherheit und ist Voraussetzung für die föderalen Schutzmaßnahmen im Rahmen der Neuklassifizierung – ein Faktor, der die Branche für Investoren grundsätzlich attraktiver machen kann. Andererseits zeigt das Beispiel der Dispensary in Aberdeen, dass die damit verbundene Aufsicht echte Kosten und operative Risiken mit sich bringt, etwa personelle Konsequenzen oder den Verlust der beschleunigten Bearbeitung.
Hinzu kommt die uneinheitliche Umsetzung. Quellen aus der Branche geben an, dass die Art und Weise, wie die Behörde Inspektionen durchführt, zwischen den regionalen Büros der DEA im gesamten Land variiert. Im Juni sprachen medizinische Cannabis-Unternehmen in Mississippi mit „Marijuana Moment" darüber, dass DEA-Beamte sie besucht hatten, und ihnen wurde mitgeteilt, dass sie zu den ersten im Land gehörten, die im Rahmen des Registrierungsverfahrens inspiziert wurden. Im August erlangte „Marijuana Moment" eine Liste mit 26 Fragen, die DEA-Beamte an medizinische Cannabis-Unternehmen in Colorado senden – Fragen, die sich in vielen Fällen von denen unterscheiden, die an Betreiber in Mississippi gerichtet werden.
Diese Unterschiede erschweren eine verlässliche Einschätzung der regulatorischen Belastung. Die Datenlage aus Missouri deutet zudem darauf hin, dass ein erheblicher Teil der Branche die Registrierung bislang meidet – ein Hinweis darauf, dass die neue Aufsicht nicht von allen Marktteilnehmern als Vorteil wahrgenommen wird.
Ausblick
Die Einführung der neuen Formulare fällt in eine Phase, in der die Behörde ihr Registrierungsverfahren weiter ausbaut. Die DEA hatte ihr initiales Registrierungsformular für Dispensaries im April eingeführt, wenige Tage nachdem Justizminister Todd Blanche eine Anordnung erließ, die Marihuana-Produkte, die von einer staatlichen medizinischen Cannabis-Lizenz reguliert werden, sofort von Kategorie I des Controlled Substances Act (CSA) in Kategorie III umstufte – ebenso wie Marihuana-Produkte, die von der FDA zugelassen sind. Eine kürzlich abgeschlossene Anhörung der DEA, deren Beweisaufnahme beendet ist, prüft nun eine breitere Umstufung von Marihuana.
Offen bleibt, wie die DEA mit dem angekündigten Widerspruch von Nicole Huff umgeht, die die Angelegenheit vor einen DEA-Richter bringen will. Ebenso ist nicht absehbar, ob und wann die bislang nicht genehmigten Anträge – etwa in Missouri – beschieden werden. Anleger sollten die weiteren Schritte der Behörde und die unterschiedliche Praxis der regionalen Büros aufmerksam verfolgen.
Kurz erklärt
- Schedule III (Kategorie III): Eine niedrigere Gefährdungsstufe im US-Betäubungsmittelgesetz, die Stoffen mit anerkanntem medizinischem Nutzen und geringerem Missbrauchspotenzial zugeordnet wird.
- Rescheduling: Der behördliche Prozess der Umstufung eines Betäubungsmittels in eine andere Kategorie des Controlled Substances Act.
- DEA-Formular 225: Das spezialisierte Antragsformular, mit dem Hersteller, Distributoren und Testlabore im medizinischen Marihuana-Bereich ihre Registrierung bei der DEA beantragen.
- Dispensary: Eine staatlich lizenzierte Abgabestelle für medizinisches Marihuana, die die Ware an Patienten verkauft.
