DEA bestätigt: Keine Todesfälle durch Cannabis-Überdosis in den USA
Die US-Drogenbehörde DEA und ein Volksbegehren in Massachusetts rücken die amerikanische Cannabis-Politik ins Rampenlicht.

Die US-Drogenvollzugsbehörde DEA hat in einem aktuellen Bericht offiziell bestätigt, dass bisher keine Todesfälle durch eine Cannabis-Überdosis gemeldet wurden. Der Bericht zeichnet zudem ein positiveres Bild der bundesstaatlichen Bemühungen zur Anpassung der Cannabis-Gesetzgebung als frühere Ausgaben. Dies ist ein bemerkenswerter Schritt für eine Behörde, die Cannabis seit Jahrzehnten als gefährliche Substanz der Kategorie I einstuft.
Parallel dazu hat das US-Finanzministerium angekündigt, die Erstellung von Steuerrichtlinien für die Cannabis-Industrie im kommenden Jahr zu priorisieren. Dieser Schritt ist eine direkte Reaktion auf die Pläne der Trump-Administration zur bundesweiten Neueinstufung von Cannabis. Für die Branche wäre eine klare steuerliche Regulierung ein wichtiger Meilenstein, da Cannabis-Unternehmen bislang unter erheblichen steuerlichen Nachteilen leiden.
Volksabstimmung in Massachusetts: Legalisierung auf dem Prüfstand
Ein zentraler politischer Brennpunkt ist derzeit der Bundesstaat Massachusetts. Dort steht im November eine Volksabstimmung an, die darauf abzielt, die bestehende Cannabis-Legalisierung rückgängig zu machen. Sowohl Gouverneurin Maura Healey als auch die demokratische Kongressabgeordnete Ayanna Pressley rufen die Wähler dazu auf, das Vorhaben unter dem Slogan „No on 8" abzulehnen.
Pressley argumentiert, dass die Legalisierung ein wichtiger Schritt für wirtschaftliche und soziale Gerechtigkeit sei – insbesondere um die Folgen des jahrzehntelangen „War on Drugs" für marginalisierte Gemeinschaften abzumildern. Befürworter der Kampagne „Stop the Repeal" betonen, dass seit der Legalisierung im Jahr 2018 über 10 Milliarden US-Dollar an Umsatz generiert wurden. Zudem seien mehr als 57 Millionen US-Dollar in soziale Gerechtigkeitsprojekte geflossen.
Die Umfragewerte sprechen derzeit eine deutliche Sprache: Eine Erhebung von CommonWealth Beacon und der MassINC Polling Group zeigt, dass 61 Prozent der wahrscheinlichen Wähler gegen den Rückzug der Legalisierung stimmen wollen, während nur 27 Prozent dafür sind. Die Universität von New Hampshire ermittelte sogar eine Ablehnungsquote von 71 Prozent. Die Initiative zur Rücknahme der Legalisierung steht damit vor einer schweren Niederlage.
Kontroversen beim Unterschriftensammeln
Der Prozess zur Zulassung der Abstimmungsinitiative war jedoch von Kontroversen begleitet. Es gab Berichte über irreführende Taktiken beim Sammeln von Unterschriften: Ein Mitarbeiter der Kampagne soll fälschlicherweise behauptet haben, die Unterschrift diene dem Schutz der Legalisierung. Die Kampagne distanzierte sich von diesem Verhalten und gab an, den betreffenden Mitarbeiter entlassen zu haben.
Trotz juristischer Anfechtungen, die unter anderem die Echtheit der Unterschriften und die inhaltliche Gestaltung der Initiative infrage stellten, wurde das Vorhaben zur Abstimmung zugelassen. Für deutsche Beobachter ist dies ein anschauliches Beispiel dafür, wie direkte Demokratie in den USA auch bei gesellschaftlich umstrittenen Themen wie Cannabis-Legalisierung eingesetzt wird.
Weitere internationale Entwicklungen
Über Massachusetts hinaus gibt es weitere relevante Meldungen aus der Cannabis- und Drogenpolitik. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat eine Anfrage zur öffentlichen Stellungnahme bezüglich der Erforschung des Psychedelikums Ibogain veröffentlicht. Veteranenorganisationen wie der Veterans Action Council kritisieren unterdessen die Art und Weise, wie das Veteranenministerium (VA) Diagnosen zu Cannabis-Missbrauch erfasst.
International verteidigte Frankreichs oberster Drogenbeauftragter das dortige Cannabis-Verbot, während in Uganda ein neuer Cannabis-Wirtschaftsverband gegründet wurde. Wissenschaftliche Studien deuten zudem darauf hin, dass CBD-Öl bei chronischen Schmerzen und Angstzuständen nützlich sein könnte. Gleichzeitig zeigen Untersuchungen, dass die räumliche Verfügbarkeit von Cannabis-Verkaufsstellen nach der Legalisierung zunächst einen Anstieg des Konsums bei Jugendlichen begünstigte – dieser jedoch mit zunehmender Marktsättigung wieder abnahm.
